Dienstag, 16. Dezember 2014, 21:28 Uhr

Emma Schweiger und Dieter Hallervorden: Das neue Traumpaar des deutschen Kinos

Am 25. Dezember startet in den deutschen Kinos Til Schweigers anrührende, aber auch lustige Melodram ‘Honig im Kopf’. Gestern Abend fand in Berlin die große Premiere statt, bei der der Produzent, Schauspieler und Regisseur seine ganze Familie auf dem roten Teppich versammelte.

Emma Schweiger und Dieter Hallvervorden: Das neue Traumpaar des deutschen Kinos

Neben der im Film mitwirkenden Emma Schweiger ließen es sich auch Lula and Lilly Schweiger nicht nehmen, mit ihrem berühmten Papa zu posieren. Im Mittelpunkt stand Dieter Hallervorden, der nach ‘Das letzte Rennen’ erneut bewies, dass er längst auch zu den großen Charakterdarstellern dieses Landes gehört.

‘Honig im Kopf’ erzählt die Geschichte der ganz besonderen Liebe zwischen der elfjährigen Tilda (Emma Schweiger) und ihrem Großvater Amandus (Dieter Hallervorden). Das humorvolle, geschätzte Familienoberhaupt wird zunehmend vergesslich und kommt mit dem alltäglichen Leben im Hause seines Sohnes Niko (Til Schweiger) nicht mehr alleine klar. Obwohl es Niko das Herz bricht, muss er bald einsehen, dass für Amandus der Weg in ein Heim unausweichlich ist. Doch Tilda will sich auf keinen Fall damit abfinden. Kurzerhand entführt sie ihren Großvater auf eine chaotische und spannende Reise, um ihm seinen größten Wunsch zu erfüllen: Noch einmal Venedig sehen!

Emma Schweiger und Dieter Hallvervorden: Das neue Traumpaar des deutschen Kinos

In dem Film zeigt Til Schweiger, welche Auswirkungen die Alzheimer-Krankheit auf eine Familie hat. Bei der Entwicklung des Projekts arbeiteten er und sein langjähriger Produzentenpartner Tom Zickler mit der Hamburger Drehbuchautorin Hilly Martinek zusammen.

„Der Film hat alles, was man sich von einem Kinofilm wünscht: schöne Bilder, Humor, Spannung und traurige Szenen, die einen zum Weinen bringen. Ohne die Alzheimer-Krankheit und ihren Verlauf zu beschönigen, macht der Film Mut, Menschen mit Demenz in unserer Mitte zu lassen.“ sagte Sabine Jansen, Geschäftsführerin der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz.

Mehr zum Thema Dieter Hallervorden: Krach mit Til Schweiger am Filmset von “Honig im Kopf”?

„Alles, was im Film zu sehen ist, beruht auf tatsächlichen Ereignissen – das haben die Autoren sich nicht ausgedacht“, berichtet Zickler. „Das gilt auch für die Szene, in der Amandus in den Kühlschrank pinkelt. Im Film ist sie deshalb wichtig, weil die Zuschauer bei diesem traurigen Thema auch mal herzhaft lachen dürfen. Til Schweigers Talent besteht eben darin, die Szene so in die Story einzubauen und zu inszenieren, dass sie nicht peinlich wirkt.“

„Wenn wir einen Film konzipieren, sprechen wir uns mit unseren Partnern bei Warner Bros. Germany ab“, verriet Zickler weiter. „Welches Publikum wollen wir erreichen? Wir erzählen ein Märchen im Genre Family Entertainment. Wann haben Familien die beste Gelegenheit, gemeinsam ins Kino zu gehen? Zu Weihnachten. Um den Film also Weihnachten starten zu können, müssen wir spätestens im April drehen, denn sonst ist das selbst bei unserem sehr hohen Arbeitstempo nicht rechtzeitig zu schaffen. Obwohl Til den Film schon während des Drehs schneidet, muss man nachher noch Zeit für das Sounddesign, die Musik und die farbliche Überarbeitung der Bilder einplanen. Jeder andere Produzent hätte gesagt: Mit einem Kind in der Hauptrolle drehen wir in den Sommerferien. Dann hätten wir den Film aber erst im März 2015 starten können – suboptimal.“

Emma Schweiger und Dieter Hallvervorden: Das neue Traumpaar des deutschen Kinos

Also sprachen Til Schweiger und Tom Zickler mit Emma und erklärten ihr, dass sie schon im April nicht mehr zum regulären Schulunterricht gehen könnte, falls sie mitspielen wollte. Vor „Kokowääh 2“ war sich Emma Schweiger nicht mehr so sicher, ob sie weiter Filmrollen spielen wollte. Aber inzwischen hat sie gemerkt, welch riesigen Spaß ihr die Dreharbeiten machen – sie war also bereit, diese für sie bisher größte Rolle zu übernehmen. Bei ihren früheren Filmen absolvierte sie jeweils etwa 20 Drehtage – bei „Honig im Kopf“ waren es 44.

Dazu sagte Emma: „Aufgeregt war ich aber nur, weil ich sehr oft vor der Kamera weinen muss. Sehr viele Emotionen zeigen – das bin ich nicht gewohnt. So eine Rolle habe ich noch nicht gespielt. Aber es funktionierte, denn ich kann mich gut in die Rolle hineinversetzen. Es war gar nicht so schwer, wie ich dachte.“

Emma Schweiger und Dieter Hallvervorden: Das neue Traumpaar des deutschen Kinos

Um ihr möglichst lange das gewohnte häusliche Umfeld in Hamburg zu erhalten, wurden wesentliche Teile des Drehs (fünf Wochen) an die Elbe
verlegt – letztlich aber auch, damit das Ambiente der häufig in Berlin spielenden Schweiger-Filme einmal wechselt. „Der Film soll eben nicht so aussehen wie ‚Keinohrhasen 3‘“, sagt Zickler. Das ganze Projekt wurde also auf Emma zugeschnitten.

Die Idee, den Amandus mit Dieter Hallervorden zu besetzen, stammt vom Casting Director Emrah Ertem, der schon lange mit Schweiger und Zickler zusammenarbeitet. Beim Dreh zu Schweigers zweiter „Tatort“-Episode zeigte Ertem den Filmemachern den Trailer zum Film ‘Sein letztes Rennen’, für den Hallervorden später den Deutschen Filmpreis erhielt. Schweiger war so begeistert, dass er den Darsteller auf der Stelle anrief, der gerade auf dem Weg zur Premiere des Films nach Hamburg war. Schweiger schaute sich den Film bei der Uraufführung an, reagierte ganz euphorisch auf Hallervordens Leistung und schrieb persönlich eine Rezension in der Bild-Zeitung: „Der beste Film, den ich seit Jahren gesehen habe!“

Dazu sagte Dieter Hallervorden: „Als Til Schweiger mir die Rolle anbot, habe ich zur Grundbedingung gemacht, dass ich die Tochter erst mal kennenlerne und schaue, ob ich mit ihr zurechtkomme. Ist sie ein verzogenes, eingebildetes Gör? Denn in diesem Film hängt alles davon ab, dass die beiden sich wirklich mögen, dass man das nicht erst herstellen muss. Mit Emma war ich dann sofort ein Herz und eine Seele, sie ist ein sehr nettes, liebevolles und noch sehr kindliches Mädchen. Wir haben sofort über alle möglichen Dinge geredet, verstanden uns, und das hat mir die Zusage sehr leicht gemacht.”

Der 79-Jährige erzählte weiter: „Grundsätzlich ist es für Schauspieler eine Herausforderung, mit Kindern zu spielen. Man muss sich auf ihre Welt einstellen. Man muss versuchen, Verständnis dafür zu haben, dass sie natürlich nicht so konzentriert arbeiten, wie es erwachsene, ausgebildete Schauspieler tun. Ich glaube aber, dass das Endergebnis dem hohen Anspruch der Zuschauer genügen wird. Denn die Arbeit mit Til Schweiger ist äußerst professionell. Er ist von seinem Projekt geradezu besessen – im positiven Sinne.”

Emma Schweiger und Dieter Hallvervorden: Das neue Traumpaar des deutschen Kinos

Hallervorden weiter: “Wo andere Männer mit ihrer Eisenbahn spielen, sitzt er am Schneidetisch und setzt den Film zusammen. Er geht in dieser Arbeit auf, ist wahnsinnig konzentriert. Er weiß genau, was er will. Filme sind für mich Arbeit: Fleiß, Konzentration, Anspannung. Spaß und Unterhaltung sind sie für die Zuschauer, die den Film später sehen. Mich persönlich interessieren dabei nicht die prominenten Macher – ich gehe allein vom Drehbuch aus: Interessiert mich die Rolle? Entspricht sie meinem Qualitätsbewusstsein? Und das tat sie in diesem Fall.“

Die bisherigen Testvorführungen bestätigen die Darstellerwahl von Schweiger – gerade Hallervordens Leistung wird ganz hervorragend bewertet: Bei den anschließenden Befragungen erzielte er das beste Ergebnis.

Fotos: barefoot films/Warner Bros.