Donnerstag, 18. Dezember 2014, 16:33 Uhr

Filmkritik "Die Wolken von Sils Maria“ mit einer umwerfenden Kristen Stewart

Wanderfreunde der Schweiz oder Nietzsche-Fans werden den Ort Sils Maria sofort verorten können. Anderen werden vielleicht die Ohren klingeln bei dem Namen des Regisseurs, Olivier Assayas („Carlos – Der Schakal“, „Die wilde Zeit“). Vielleicht spitzt man aber auch die Ohren, wenn man liest, wer alles Tolles mitspielt.

Filmkritik "Die Wolken von Sils Maria“ mit einer umwerfenden Kristen Stewart

Das wären: Juliette Binoche (zum Niederknien!), Kristen Stewart (umwerfend), Angela Winkler, Hanns Zischler (toll) und Lars Eidinger (gibt es eigentlich was, was dieser Mann nicht spielen kann?).

Vorweg gesagt: es ist ein toller Film, ein sehr französischer Film mit einem universellen Thema: Wie gehe ich um mit meiner Zeit auf Erden, wie mit dem Jungsein, mit dem Altern. All das kommt in ‘Die Wolken von Sils Maria’ überhaupt nicht erdenschwer daher, französisch eben – verspielt, vielschichtig und sehr facettenreich. Klar, es gibt eine Story in dem Film, aber das ist nur das Gerüst. Der Mega-Star Maria Enders (Juliette Binoche) ist auf dem Weg in die Schweiz zu den Proben zu einem Stück, das sie berühmt gemacht hat. Das Stück soll noch einmal in Szene gesetzt werden, ist bisher nicht verändert worden, die Besetzung aber schon.

Maria hat vor vielen Jahren die Rolle der verführerischen jungen Frau gespielt; jetzt aber, 20 Jahre später, wartet auf Maria die zweite wichtige Figur: die Vorgesetzte. Die auf der Verliererseite, die, die von Sigrid in den Freitod getrieben wird. Harter Stoff. Und nicht nur das: ein aufsteigendes Hollywood-Sternchen Jo-Ann Ellis (Chloe Grace Moretz) wird IHRE Sigrid spielen. Maria, die gestandene und gefeierte Schauspielerin zögert, sich dieser Quälerei auszusetzen. Zusammen mit ihrer Assistentin Valentine (Kristen Stewart) reisen sie im Zug nach Sils Maria, sie telefoniert mit ihrem Scheidungsanwalt in Paris, Valentine checkt Karten, Termine und telefoniert was die WLAN-Verbindung in der Schweizer Bergwelt erlaubt. Mitten in diese unruhige Zugfahrt platzt die Nachricht, dass der Regisseur und Freund Wilhelm Melchoir verstorben ist. Was tun?

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Maria Enders ist Schauspielerin und Juliette Binoche dabei zuzusehen wie sie sich die Rolle zusammen mit ihrer Assistentin erarbeitet ist quasi eine Deluxe-Version: Maria ist sowohl die junge Frau Sigrid, die sie früher mal war als auch die reife, erwachsene Frau. Jede Erfahrung fließt mit ein in das Finden in die Rolle und spiegelt das gesamtetemporeiche moderne Leben so klug wider. Von ihrem banalstem Tun im Alltag über die virtuelle Welt, die Informationen zum Star Maria Enders ausspuckt: suchmaschinenoptimiert, konsumentenfreundlich, Daten und Fakten zu einer Person, die Maria auch abbilden, aber wahrhaftig ist das Ganze eben nicht.

Maria Enders sucht und setzt sich aus, ihr Weg führt durch innere und äußere Grenzgebiete. Womit wir wieder in der Schweiz, in Sils Maria und deren einzigartige Wolkenformationen und der sogenannten „Maloja-Schlange“ wären. (Katrin Wessel)

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Fotos: Pallas Film / NFP Carole Bethuel