Sonntag, 21. Dezember 2014, 16:12 Uhr

Uli Hoeneß hofft auf Weihnachts-Urlaub

Deutschlands prominentester Häftling hofft auf seinen ersten Urlaub seit seinem Haftantritt im Juni. Darauf hat sich Uli Hoeneß wohl schon lange gefreut: Endlich wieder im eigenen Bett schlafen. Seit einem halben Jahr ruht er auf einer eher schmalen und harten Matratze, der Komfort im Gefängnis hält sich eben in Grenzen.

Doch an Weihnachten darf Deutschlands Promi-Häftling auf Urlaub daheim hoffen – die ersten Nächte in seinem Haus am Tegernsee seit Beginn des Alltags hinter Gittern. Mit dem Fall vertraute Juristen gehen davon aus, dass Hoeneß knapp sieben Monate nach Haftantritt seinen ersten Urlaub bekommt. Die härteste Zeit hätte er dann überstanden.

Am 2. Juni war der wegen Hinterziehung von 28,5 Millionen Euro Steuern zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilte Fußball-Manager ins Gefängnis von Landsberg am Lech eingerückt. Viel wurde seitdem spekuliert, wie der Alltag des erfolgreichen Ex-Präsidenten des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern aussieht. Genießt er einen Promibonus? Vorzugsbehandlung für den populären Manager, dem selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einst ihr Ohr lieh? Hoeneß hat einflussreiche Fürsprecher. Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) etwa besucht ihn regelmäßig im Gefängnis.

Unter Hinweis auf die Persönlichkeitsrechte sagt das bayerische Justizministerium nichts über die Haftbedingungen des 62-Jährigen. Amtschef Frank Arloth ließ sich lediglich entlocken, dass Hoeneß weder ein Mobiltelefon noch ein Laptop zur Verfügung steht. Auch Bezahlfernsehen ist tabu, so dass der einstige Patron des FC Bayern München die Bundesligaspiele von Manuel Neuer und seinen Kollegen nicht live im Fernsehen schauen kann. Bekannt ist auch, dass der Promi-Häftling von anderen Gefangenen weitgehend abgesondert ist. Zu groß erscheint den Behörden die Gefahr, Hoeneß könnte von Mithäftlingen bedroht werden.

Erst am Dienstag wurde ein 51-Jähriger zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, weil er Uli Hoeneß vor dessen Haftbeginn mit einem Drohbrief erpresst hatte. 215 000 Euro wollte «Mister X» haben. Andernfalls müsse sich Hoeneß auf einen «unruhigen Haftverlauf» einstellen. Bei der fingierten Geldübergabe wurde der Täter gefasst. Und es gab mindestens zwei weitere Erpressungsversuche gegen den prominenten Steuersünder. Kriminelle, von denen das Gefängnis in Landsberg voll ist, haben es also auf Uli Hoeneß abgesehen – Grund genug für die Justizbehörden, ein Auge auf den 62-Jährigen zu werfen.

Der langersehnte Urlaub des einstigen Bratwurstfabrikanten ist nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zurück in ein normales Leben. Einige Tage Ausgang zusammen mit der Familie hat Hoeneß schon hinter sich. Entscheidender dürfte der zu Jahresbeginn erwartete Freigängerstatus sein. Hoeneß könnte das Gefängnis dann jeden Morgen verlassen und arbeiten gehen. Der FC Bayern wartet auf dem Münchner Vereinsgelände an der Säbener Straße schon auf ihn. «Es war sein eigener Wunsch, im Nachwuchsbereich zu arbeiten», so Bayern-Präsident Karl Hopfner.

Nach getaner Arbeit muss Hoeneß abends zwar wieder zurück in seine Zelle. Dies muss aber nicht zwangsläufig das Landsberger Gefängnis sein. Infrage kommen auch die Außenstelle Rothenfeld nahe dem Starnberg See oder ein bei Freigängern beliebtes Gebäude in München.

Doch erst einmal steht Weihnachten daheim in Bad Wiessee an. Bescherung unterm Christbaum, Weihnachtsbraten im Kreise der Familie – rosige Aussichten nach dem tiefen Fall des einst mächtigen Managers. Vielleicht darf der Urlauber ja sogar das Neujahrsfeuerwerk in seinem Haus hoch über dem Tegernsee bestaunen.

Am 5. Januar 2015 wird Uli Hoeneß 63. Es spricht einiges dafür, dass er dann bereits Freigänger ist. Gibt sich der Steuerhinterzieher indes weiter reumütig und wird die Hälfte seiner Strafe zur Bewährung ausgesetzt, könnte Hoeneß im Frühjahr 2016 ein freier Mann sein. (dpa)

Foto: WENN.com