Sonntag, 28. Dezember 2014, 18:20 Uhr

Summer Cem: "Deutscher Rap braucht eine hohe Affinität zur deutschen Sprache"

Jedes Album, das im letzten Jahr aus Farid Bangs Plattenlabel ‚Banger Musik‘ released wurde, war ein großer Erfolg. Sei es sein eigenes Album ‚Killa‘ gewesen oder aber die von seinen Rap-Kollegen Majoe und Kollegah. Aber auch Summer Cem (31), der im November sein viertes Album ‚HAK‘ über das Label veröffentlichte, stieg auf Platz vier der deutschen Charts ein.

klatsch-tratsch.de traf den Rapper zum Interview.

Summer Cem ist in der Rap-Szenenatürlich kein unbekannter Name, er arbeitete in der Vergangenheit schon oft mit Eko Fresh oder Bushido zusammen und hatte Kollaborationen mit den US-Rapper Xzibit. 2010 veröffentlichte er sein erstes Solo-Album über das Label ‚German Dream‘ welches von Eko Fresh gegründet würde.

„HAK ist mein Lieblingsalbum, von meinen bisherigen Alben“, erklärt Summer Cem in unserem Interview und fügt hinzu: „Ich weiß, dass das viele von ihren neusten Alben immer behaupten. Ich sage auch zum Beispiel nicht, dass ich die besten Songs habe, das müssen die Leute da draußen schon selbst entscheiden. Ich finde mein Album musikalisch gradliniger als meine vorherigen, es ist nämlich nicht so breitgefächert. Das klingt vielleicht im ersten Moment nicht so positiv, weil viele gerade dass an Musikalben schätzen. Ich finde aber, ein gradliniges Album sorgt für einen angenehmen Klang, so dass ich es durchhören kann und es auch angenehm bleibt. Es ist kein Stimmungsauf und ab. Es ist Powermusik beschreibt es sehr gut.“

Auf HAK gibt es natürlich wieder einige Features, unter anderen mit seinen Label-Kollegen Farid Bang, Majoe und Kollegah. Aber auch mit Eko Fresh hat Summer Cem wieder zusammen gearbeitet. Letzterer releaste am selben Tag wie Summer Cem sein neues Album, dennoch konnte er mit Platz vier in den deutschen Charts solide abschneiden.

„Ja das ist vielleicht nicht die beste Businessstrategie gewesen, aber es war nun mal so. An diesem Tag haben auch Kool Savas, One Direction, Depeche Mode und Nickelback released. Es gab mit Sicherheit einen günstigeren Tag um mein Album zu veröffentlichen, aber ich war nicht geil auf irgendeine Chartplatzierung.“

Auf die Frage, ob eine Chartplatzierung tatsächlich so unwichtig für ihn sei, erklärt er: „Das stimmt, ich will das auch nicht klein reden oder es madig machen. Mir ist wichtig, dass die Menschen die mein Album kaufen zufrieden sind und auch im nächsten Jahr wieder bereit wären, eines zu kaufen. Ich habe viel mehr davon, wenn die Fans z.B. auch ihren Freunden davon berichten, wie sehr es ihnen gefällt. Davon habe ich mehr, als wenn ich in einer schwachen Woche auf Platz Eins gehe.“

Summer Cem stammt aus einer türkischen Familie, seine Cousins und Verwandten der jüngeren Generation kennen natürlich seine Musik, bei seinen Eltern und der älteren Generation sieht das anders aus. „Die Älteren aus meiner Familie kennen meine Musik nicht. Mein Vater war am Anfang z.B. auch gegen meine Musik, meine Mutter hält sich zurück. Mein Vater hat sich lange Zeit gestreubt dagegen, ich kann das schließlich auch nachvollziehen, er hat sich einfach etwas anderes für seinen Sohn gewünscht. Aber sie haben sie natürlich damit abgefunden und da ich das nun auch schon seit einigen Jahren Hauptberuflich und auf wirtschaftlicher Basis ganz gut mache, ist das für alles soweit in Ordnung.“

Als Rapper hört Summer Cem übrigens nicht nur Musik aus seinem Genre, der Musiker mag es auch mal ruhig: „Privat höre ich nur Schranz! Spaß, das stimmt natürlich nicht. Ich höre gerne Boyz 2 Men oder Bobby Brown. Die ganze New Jack Swing Area ist total mein Ding. Ansonsten viel amerikanischen Hip Hop, wie Asap Rocky, Kendrick Lamar und Drake. Aber ich bin da echt nicht eingeschossen auf irgendetwas ich kann mir auch einen guten Song von Nickelback anhören. Gute Musik an sich, kann ich feiern, dass muss kein bestimmtes Genre sein.“

Rap-Kollege Kollegah studiert neben seiner Karriere Jura, früher war es eher undenkbar das Rapper nebenbei einen akademischen Abschluss machen, heute ist das nichts mehr ungewöhnliches findet auch Summer Cem: „Die verschiedensten Menschen landen heutzutage beim Rap, deswegen kann man das nicht mehr auf die Bildung zurückführen. Sonst würde man ja sagen, nur Ungebildete werden Rapper. Ich finde das ganz im Gegenteil, deutscher Rap benötigt eine hohe Affinität zur deutschen Sprache. Du musst wortgewandt sein, um überhaupt diese Reime schreiben zu können.“ (TT)

Fotos: Denis Ignatov