Dienstag, 24. Februar 2015, 17:15 Uhr

Ottfried Fischer über sein Leben mit dem "Arschloch Parkinson"

Wie lebt es sich mit der Krankheit Parkinson? Eigentlich ganz gut, wenn man sie nicht zu ernst nimmt, findet zumindest der Schauspieler Ottfried Fischer. “Ich weiß nur, dass ich mir vorgenommen habe, mir von diesem Arschloch Parkinson nichts gefallen zu lassen”, sagt der 61-Jährige, der sich tapfer gegen manche Einschränkungen oder Müdigkeitsattacken stemmt.

Wie er damit klar kommt, zeigen Andrea Schramm und Jana Matthes in ihrem Dokumentarfilm “37 Grad: Ottfried Fischer und sein Freund Parkinson” am Dienstag (24. Februar) um 22.15 Uhr im ZDF.

Vor gut sieben Jahren hatte Fischer seine Krankheit öffentlich gemacht. An seinen Vorsatz von damals hat er sich gehalten: Er werde seiner Arbeit treu bleiben, hatte er im Februar 2008 erklärt. Dennoch hat sich seitdem vieles verändert. 2009 musste er sich nach dem Tod seiner Filmmutter Ruth Drexel alias Resi Berghammer von seiner Paraderolle als ‘Bulle von Tölz’ verabschieden. Im November 2012 moderierte er zum letzten Mal die berühmte Kabarettsendung ‘Ottis Schlachthof’, knapp ein Jahr später war es auch mit seinem Part als kriminalistisch versierter ‘Pfarrer Braun’ vorbei.

Ein Leben ohne Fernsehen und Auftritte – für Fischer undenkbar. Deshalb macht er weiter: Er plant sein eigenes Bühnenprogramm und zieht eine neue Fernsehshow an Land, ‘Ottis Aquarium’ im Bezahlsender Heimatkanal. Er veröffentlicht seine Biografie ‘Das Leben ist ein Skandal’ und tanzt den “Otti Dance”. “Ob Krankheit oder nicht, der Geist ist einfach schnell und spitze und schlagfertig und lustig, manchmal wie ein Kind und manchmal wie so ein ganz verschmitzter kleiner Teufel”, bewundert der Regisseur Stephan Barbarino den ungebrochenen Willen seines Freundes.

Allerdings hadert auch Fischer hin und wieder – «Parkinson, du bist ein Arschgesicht, du nervst auch noch nach zehn Jahren», schimpft der Schauspieler. Ein Trost: Die Krankheit habe auch Vorteile, zum Beispiel die Entschleunigung. “Das, was wir im Beruf nie schaffen, das hat mich der Parkinson gezwungen, dass ich es schaffen musste, dass ich einfach gewisse Dinge langsamer angehen muss.”

Für andere ein Grund, sich zur Ruhe zu setzen, nicht so für den scharfzüngigen und humorvollen Kabarettisten mit dem eigenwilligen Charme. “Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen”, erklärt er im ZDF. “Du kannst Kindskopf sein bis ans Ende deiner Tage, so bleibe ich also der Welt erhalten, wie es mir passt und nicht wie es der liebe Freund Parkinson gerne hätte.” (dpa)

Fotos: ZDF/Christian Ernst