Sonntag, 01. März 2015, 18:42 Uhr

Graziella Schazad: Es gibt sie noch, die handgemachte Popmusik

Das Echo auf Graziella Schazads Debütalbum ‘Feel Who I Am’ von 2010 war enorm: Nahezu jeder, der ihren handgemachten, organischen Pop live sah, war vom Können und der Ausstrahlung der damals 27-Jährige hingerissen.

Auf ‘India’, dass an diesem Wocheende erschienen ist, zeigt sich die anspruchsvolle Musikerin jetzt sogar noch deutlich reifer: “Die neue Platte hat mehr Soul – nicht im Sinne des Genres, sondern des Gefühls. Die Songs sind vielschichtiger, haben mehr Tiefe.” Inhaltlich geht es der Tochter einer deutsch-polnischen Mutter und eines afghanischen Vaters zwar nach wie vor um die Auseinandersetzung mit ihrer schwierigen Familiengeschichte, aber 2015 schwingt eine Kraft mit, die man so von Schazad noch nicht gehört hat.

Gleichzeitig ist die Instrumentierung auf ‘India’ komplexer ausgefallen als die des Vorgängers – ohne jedoch überladen zu wirken. Und obwohl Graziella Schazad durchaus düstere Momente auf dem Album verhandelt, ist »India« keine schwere Platte. In allen Kompositionen zeigt sich eine Künstlerin, die ihre Schwächen mit ihrem Publikum teilt und dadurch zu sich selbst findet – oder wie der NDR zuletzt titelte: „Starke Songs von einer starken Frau“.

Fotos: Lisa Drewes, Lukasz Chrobok