Sonntag, 01. März 2015, 19:11 Uhr

Karma Kouture: Die erste Drag-Queen der US-Hip-Hop-Szene

Hip Hop galt sehr lange als Machodomäne, in der es Künstler, die nicht dem harten Stereotypen entsprechen, schwer haben sich durchzusetzen. Über Jahre sind sämtliche Tabus gefallen und zur Normalität geworden.

Mit dem Thema Homosexualität tut sich das Rap-Business aber immer noch schwer. Karma Kouture aus Orlando könnte möglicherweise ein weites Umdenken einleiten, denn der 22-Jährige ist eine Dragqueen. Die erste Single des rappenden Frauspielers mausert sich gerade auch außerhalb von seiner Hometown Orlando zum Clubhit. klatsch-tratsch.de hat sich mit dem Newcomer unterhalten.

Wie bist du mit HipHop in Berührung gekommen?
Das war schon sehr früh in meiner Kindheit. Mein Vater hat ganz viel Jay-Z, Tupac oder auch Missy Elliott gehört. So ab der vierten Klasse war ich auch total von HipHop gefesselt. Ich weiß noch, wie ich damals meine Mutter angebettelt habe mir die Alben von Ludacris und Nelly zu kaufen (lacht). Die habe ich dann wirklich hoch und runter gehört. Auf dem Pausenhof haben wir dann immer gefreestylt. Ich habe mich immer ein bisschen zurückgehalten, weil ich dachte, ich könne nicht rappen.

Wie passen denn Rap und Travestie zusammen?
Das ist definitiv ein Aufeinanderprallen der Welten. Damit kreiere ich etwas Neues. Beide Welten sind komplett verschieden, aber sie gleichen sich in vielen Punkten. Die Rap- und die Schwulenwelt neigen beide dazu in gewissen Punkten sehr einseitig zu funktionieren. HipHop tendiert beispielsweise in eine homophobe Richtung. Auch wenn die Leute sagen sie hätten kein Problem mit Schwulen, aber sobald sich ein Rapper als homosexuell outet, ist das eine große Sache. Künstler wie Ilovemakonnen oder auch Young Thug wurden von den Medien regelrecht schikaniert, als es darum ging, ob sie schwul sind oder nicht. Dabei sollte der Fokus doch eigentlich auf ihrer Musik liegen. Aber auch die Drag-Kultur ist teilweise ziemlich festgefahren. Auch wenn viele Drag-Queens in der Szene Grenzen durchbrechen, gibt es für sie immer noch teils heftigen Gegenwind, weil sie einfach anders sind. Die ältere Generation will, dass die neuen Queens traditionell bleiben. Meiner Meinung nach ist es aber so, dass die jungen Queens sich trauen von dieser Erwartungshaltung abzugehen und neues versuchen. Ich nehme beispielsweise beide Welten und mixe sie zu etwas neuem.

Wie waren die Redaktionen bisher auf Dich als rappende Transe?
Bisher echt großartig. Vielen gefällt der Sound, den ich mache. Ich habe auch viel positives Feedback von Rappern aus meiner Gegend bekommen. Die haben mich sogar so ein bisschen unter ihre Fittiche genommen und mir ein paar gute Tipps gegeben. Natürlich gab es auch negative Reaktionen, die kamen aber von Leuten, die mich nicht als Künstler verstehen, aber das war zu erwarten.

Deine erste Single heißt „Im fish“. Was bedeutet das?
„Fish“ ist unter uns Transen eine Redewendung und bedeutet, dass eine Drag-Queen wie eine echte Frau aussieht. Für uns ist das ein großes Kompliment.

Zu deiner Musik kann man gut twerken. Wen hättest du gerne in Deinem Twerk-Team?
Wenn ich die freie Wahl hätte, dann würde ich Amber Rose und Black Chyna (Die Ex von Rapper Tyga und ehemalige Stripperin Anm. d. R. ) weil sie einfach die besten Twerkerinnen auf der Welt sind.

Bist du auch privat immer in Frauenkleidern unterwegs?
Nein, nur wenn ich auftrete. Manchmal gehe ich mit meinen Freunden im Fummel feiern, aber tagsüber renne ich in der Stadt nicht so rum (lacht).

Was unterscheidet Dich privat und Karma sonst noch außer der Kleidung?
Das sind zwei vollkommen unterschiedliche Leben. Im normalen Leben bin ein Akademiker, der arbeitet und sein Leben genießt. Als Karma verwandele ich mich zur göttlichen Entertainerin. Ich versuche beide Welten komplett zu trennen.

Deine Familie weiß nichts von deinem Doppelleben als Dragqueen. Warum eigentlich nicht?
Meine Familie ist sehr streng und religiös. Dadurch konnte ich mich nie richtig selbst ausdrücken. Ich wusste schon früh das ich schwul bin, aber ich konnte mich niemandem anvertrauen. Meine Mutter war am Boden zerstört, als ich mich dann irgendwann geoutet habe. Meine Sexualität ist eine Sache, von der jeder in meiner Familie weiß, aber darüber wird nicht gesprochen. Deshalb konnte ich ihnen damals auch nichts von meiner Drag-Sache erzählen. Jetzt wo meine Karriere langsam ins Rollen kommt, wird mir bewusst, dass sie es früher oder später erfahren werden. Ich warte noch auf den richtigen Moment, um es ihnen zu sagen.

Wie muss man sich das vorstellen, wenn Dragqueens im Club aufeinander treffen? Ist da mit Zickenkrieg oder doch eher mit Weltfrieden zu rechnen?
Queens können zwei Gesichter haben. Auf jede Queen, die nett zu dir ist, kommen zehn, die dir ein Messer in den Rücken jagen würden. Viele wollen – vor allem den jüngeren – nicht weiterhelfen, viele sind hintenrum und versuchen die anderen runter zumachen. Es ist ein geben und nehmen. Ich bin aber davon überzeugt, dass wenn man etwas erreichen möchte, Positivität und Respekt anderen gegenüber gefragt sind.