Dienstag, 03. März 2015, 19:31 Uhr

Madeon: Ist das der Nachfolger von Daft Punk?

Nachdem Madeon bereits 2012 mit The City und Finale seine erste EP mit ersten Tracks veröffentlichte, erscheint nun am 24. April sein Debüt-Album „Adventure“ in Deutschland. Prominente Gastmusiker sind darauf zu hören: Dan Smith von Bastille, Michael Angelakos von Passion Pit und Mark Foster (Foster The People). Die Hype Machine hat Madeon schon vier Mal auf den Thron gehoben.

In seiner Heimat wird er als würdiger Nachfolger des Pop-Duos Daft Punk gehandelt.

Wenn man Hugo Leclerq fragt, warum er so lange für sein erstes Album gebraucht hat – sein Debüt ‚Adventure’ erscheint fünf Jahre nachdem er angefangen hat, Tracks unter dem Namen Madeon zu veröffentlichen – ist die Antwort ziemlich verblüffend: „Ich habe darauf geachtet, nicht zu früh mit einem ganzen Album zu kommen“, sagt er.

„Ich wollte mir sicher sein, es zur richtigen Zeit und aus den richtigen Gründen zu tun. Das Verblüffende daran ist, dass Madeons Teenager-Jahre noch kaum zu Ende sind. Für einen Mann, der behauptet „keinerlei natürliche Neigungen zur Musik“ zu haben, hat seine Karriere eine ziemlich rasante Geschwindigkeit angenommen.

Mit gerade mal 20 Jahren hat er nicht nur eine Reihe von viel beachteten Singles veröffentlicht, Auftritte bei so ziemlich jedem großen Dance-Event von Las Vegas bis Ibiza bestritten und mit Pop Culture (seinem gefeierten Video, in dem er in dreieinhalb Minuten live 39 verschiedene Tracks von Künstlern von ELO bis Britney Spears gemischt hat) atemberaubende 28 Millionen Klicks auf YouTube erreicht (siehe Video unten).

Nein, auch sein Talent als Produzent wurde von einigen der größten Namen der Pop-Welt angefragt: Tracks von Muse, Ellie Goulding, der irischen Band Two Door Cinema Club oder Coldplay tragen seine Handschrift, außerdem hat er drei Songs aus Lady Gagas Album ‘Artpop’ produziert und mitgeschrieben.

„Dieser Blick in die Welt der Popmusik und der Superstars macht wirklich Spaß“, sagt er über die Arbeit mit der Letztgenannten. „Mir gefällt dieses unglaublich schöne und bewundernswerte Verlangen, das Größte und Beste der Welt zu sein. Das war es, was mich an Lady Gaga so fasziniert hat: Sie wollte immer schon eine Legende sein. Mit Coldplay ist es das Gleiche: wir werden die größte Band der Welt sein. Dazu braucht es etwas Mut und eine Menge Ehrgeiz; das finde ich faszinierend und schön. Ich finde es sehr anziehend, das zu beobachten.“

Das Schreiben und Aufnehmen des Albums war passenderweise ein einzigartiger Prozess: Auf der einen Seite sind da die prominenten Gastmusiker: Dan Smith von Bastille, Passion Pit und Mark Foster von Foster The People.

Die Single ‚You’re On’ schrieb Madeon gemeinsam mit Jimmy Napes (Sam Smith, Disclosure, Mary J Blige), was wieder seine unverhohlene Liebe zur Popmusik unter Beweis stellt: „Popmusik hat so viel Schönes, sie muss jeden erreichen können“, sagt er begeistert. „Es ist die ultimative Musik und die am wenigsten gekünstelte“.

Auf der anderen Seite steht Madeons einzigartiger Ansatz zum Songschreiben: „Oft mache ich es so, dass ich mich 24 Stunden lang im Studio einschließe. Ich wache morgens auf, trinke einen Tee und stelle mir dann eine Uhr auf 24-Stunden-Countdown. Ich verlasse den Raum nicht und ich muss drei komplett neue Songs produzieren. Das ist sehr intensiv, sehr körperlich, weil der Schlafentzug mitspielt. Der Schlafentzug schaltet ein paar Teile meines Gehirns aus und ich fühle mich, als ob ich schwebe. Das ist meine einzige Droge.”

Er habe nicht länger Ideen im Kopf, die dann über seinen Körper im Studio umgesetzt werden, es ist mehr so, als würde alles ein wenig miteinander verschmelzen. Dieser Ansatz ist vielleicht ein wenig sonderbar, aber andererseits ist alles an Madeons Karriere als Musiker von Anfang an sonderbar gewesen.

Madeon stammt aus Nantes und hatte seine ersten Berührungen mit elektronischer Musik im Alter von 10 Jahren, in Form einer Dokumentation über Daft Punk. Ein Jahr später begann er selbst Musik zu machen. „Ich war ein grauenhafter Schüler. Ganz schlimm. Der schlimmste. Ich flog von mehreren Schulen. Sie schmissen mich immer wieder raus und schickten mich auf die nächste Schule. Je mehr ich über Musik lernte, desto schlimmer war es in der Schule, also kam ich schnell auf die Idee, dass die Musik mein Job sein musste. Ich hatte nicht viele andere Möglichkeiten, also musste ich gut sein. Das war eine sehr… entschlossene Entscheidung.“ In der Dance-Szene mit ihren partyhungrigen DJs ist er der nachdenkliche, kluge und – soviel muss gesagt werden – sehr französische Typ

Fotos: CHIVTEAM, Tom Horton