Donnerstag, 05. März 2015, 18:39 Uhr

Jannik Schümann schockt: Einmal Amerika und als Mädchen zurück

Mädchenschwarm Jannik Schümann (22) kehrt demnächst mit eine bemerkenswerten Rolle in ‘Mein Sohn Helen’ auf die Bildschirme zurück. Der Film erzählt die Geschichte von einem Jungen, der sich im falschen Körper fühlt. Tragisch, aber auch komisch.

Als Tobias Wilke (Heino Ferch) den 17-jährigen Finn (Jannik Schümann) nach dessen einjährigem Auslandsaufenthalt vom Flughafen abholen will, steht ihm statt seinem Sohn eine Tochter gegenüber… Finn, der jetzt Helen genannt werden will, erklärt, sich schon immer als Mädchen im Jungenkörper gefühlt zu haben.

Das Austauschjahr bei seiner Tante in den USA zu zeigen. In der Zeit in San Francisco ist sein Entschluss endgu?ltig gereift, sich ab sofort als Mädchen zu kleiden, um den gesetzlich vorgeschriebenen „Alltagstest“ bestehen und bei Eintritt der Volljährigkeit eine geschlechtsangleichende Operation vornehmen lassen zu können.

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Für sein Umfeld beginnt nun der Härtetest. Nach dem ersten Schrecken sieht sich der aufgewühlte Vater mit einer Vielzahl von Fragen konfrontiert: Wie kann es sein, dass er nichts gemerkt hat? Hat seine vor zwei Jahren tödlich verunglückte Frau, deren Verlust Tobias noch nicht überwunden hat, etwas gewusst? Aber auch Helen muss sich schmerzlichen Fragen stellen: Wird es ihr gelingen, bei ihrem Entschluss zu bleiben? Selbst auf die Gefahr hin, die Menschen, die ihr am meisten bedeuten, zu verlieren?
Gemeinsam begeben sich Vater und Tochter auf eine Reise, die sie gleichermaßen zueinander und zu sich selbst führt: ein komisches, liebevolles Ringen um Wahrheit und Selbstbestimmung.

Jannik sprach im ARD-Interview über diese herausfordernde neue Rolle.

Welche Gedanken gingen Ihnen durch den Kopf, als Sie zum ersten Mal das Drehbuch gelesen haben?
Ich musste meine Gedanken erst einmal ordnen, als ich das Drehbuch zum ersten Mal las. Es gab so vieles, dass mir durch den Kopf schoss: von WOW – die ARD wagt sich an ein solches Thema heran, ENDLICH – eine komplette schauspielerische Herausforderung. So etwas habe ich noch nie gespielt. Zum Glück habe ich mit Gregor (Regie) 2012 „Spieltrieb“ gedreht. Eine Vertrauensbasis bestand also schon – das war sehr wichtig für diese intime Rolle und auch der Grund, warum ich keine Sekunde darüber nachgedacht habe, ob ich es mache oder nicht. Außerdem sehe ich diese Rolle als ein sehr großes Geschenk für einen Schauspieler.

Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet und wie schwierig war es, immer wieder von Finn auf Helen zu switchen?
Ich habe fünf Monate vor dem Drehstart im Oktober 2014 aufgehört, Sport zu treiben, denn ich musste Gewicht und Muskelmasse für die Rolle des Transgenders verlieren. Parallel habe ich angefangen, mich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen und Referenzfilme, Transgender-Biografien, Frauen im Alltag studiert. Außerdem habe ich mit einem Coach zusammengearbeitet, der mir geholfen hat, mich komplett in eine Frau hineinzuversetzen. Das Wichtigste war, einen bestimmten Helen-Gestus zu finden und vor allem den Unterschied zwischen einem Jungen und einem Mädchen zu erkennen. Am Ende war ich so trainiert, dass es für mich viel komplizierter war, Finn vor der Kamera zu sein.

Wie lange mussten sie täglich in der Maske sitzen?
Bei all den vergangenen Dreharbeiten hatte ich Mitleid mit meinen weiblichen Kollegen, die schon mindestens eine Stunde vor meiner Abholzeit mit Lockenwicklern in der Maske sitzen – dieses Mal musste ich leiden. Jeden Morgen wurde mindestens eine Stunde Maskenzeit einkalkuliert. Es ist natürlich sehr aufwendig, einen Jungen in ein Mädchen zu verwandeln. Angefangen hat es mit dem täglichen Rasieren, dann das Make-up und endlich die Perücke. Diese Zeit brauchte ich allerdings auch, um mich von Jannik zu Helen zu transformieren. Ich kam als andere Person aus dem Maskenmobil.

Regisseur Gregor Schnitzler (Foto unten) äußerte sich natürlich auch zu seinem  Film. Er sagte dazu: “Man neigt ja in Deutschland dazu, im Kern dramatische Themen in ihrer ganzen Schwere zu inszenieren. Ich finde die englische Herangehensweise, tragische Dinge ins Komische zu ziehen, oftmals menschlicher und befreiender. Menschlichkeit wird nicht mit dem Holzhammer eingeprügelt, sondern entsteht zwischen den Zeilen. Ich wollte unbedingt, dass sich das Publikum mit Finn/Helen identifiziert, mit ihrer Problematik. Und das geht in einem Film mit komödiantischen Elementen leichter: mal fühlt das Publikum intensiv mit ihr und mal hat das Publikum den nötigen Abstand, um über die Situation zu lachen.”

Im Mittelpunkt seiner Inszenierung stand die Authentizität und Glaubwürdigkeit des Films: “Obwohl die Geschichte erfunden ist, so gibt es doch viele Versatzstücke und Momente, die von wahren Geschichten inspiriert sind. Um mich vorzubereiten, habe ich viel zum Thema gelesen, mit Transgendern gesprochen und Psychologen interviewt.”

Der Film ‘Mein Sohn Helen’ mit Heino Ferch als Vater läuft am 24. April um 20.15 Uhr in der ARD

Fotos: ARD Degeto/Britta Krehl