Freitag, 06. März 2015, 8:45 Uhr

ESC-Vorentscheid: Das passierte nach dem Eklat um Andreas Kümmert

Am Donnerstag (5. März) wurde in Hannover der Vorentscheidzum ‘Eurovision Song Contest’ ausgetragen – und sorgte für eine Überraschung. Vom Publikum wurde der 28-Jährige Andreas Kümmert zwar als eindeutiger Sieger auserkoren, der am 23. Mai am Finale in Wien teilnehmen sollte.

Doch der aus ‘The Voice of Germany’ bekannte Sänger lehnte die Wahl ab.

“Ich bin überwältigt von Euch allen, von Deutschland. Dafür, dass Ihr meine Musik toll findet, mich unterstützt habt”, so Kümmert, bevor er verkündete, das Ergebnis nicht akzeptieren zu können. Ohne Nennung eines Grundes gab er seine Stimme an die Zweitplatzierte Ann Sophie, die kurz zuvor den Titel ‘Black Smoke’ interpretiert hatte. Als diese daraufhin fragte, ob das Publikum dies überhaupt wolle, antwortete Moderatorin Barbara Schöneberger: “Die wollen das. Du fährst jetzt nach Wien.”

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Über die Entscheidung des eigentlichen Gewinners wurde viel spekuliert – offiziell bestätigt ist bislang aber nichts. Das Team um den Sänger begründete seinen Rückzug mit dem Medienrummel, der ihm zu schaffen mache. Siggi Schuller von Universal-Music erklärte gegenüber der ARD, dass “die Lampe, die da angeht, zu groß ist.” Kümmert selber äußerte sich lediglich, dass er nicht in der Verfassung sei, die Wahl anzunehmen. Den Abend hatte er mit hohem Fieber bestritten, da er mit einer Erkältung zu kämpfen gehabt habe. Der Sänger hate nach seiner Erklärung die Bühne verlassen und ratlose Gesichter hinterlassen.

In einer Mitteilung der Plattenfirma heißt es weiter: “Dass Andreas nicht an seinem Traum festhält, hätten wir nicht für möglich gehalten. Er hat alles gegeben, beschäftigt sich aber auch viel mit sich selbst und seinen Dämonen. Dass er sich selbst um den Lohn seiner harten Arbeit bringt, macht uns traurig. Aber wir werden jetzt ganz in Ruhe eine Platte mit ihm machen.”

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In einer Pressekonferenz nach der Show erklärte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber: “Warum machen wir diese Show? Künstler treten hier auf, weil sie gewinnen wollen. Ein anderes Konzept haben wir nicht. Wie sind wir zu Kümmert gekommen? Es war seine Idee beim ESC dabei zu sein, seine Demo-Bänder waren sensationell. Aber wenn jemand dann sagt: ‘Ich kann das nicht’ und so stark ist zu sagen, dass er nicht mehr weitermachen will, dann muss man es akzeptieren. Druck auszuüben macht keinen Sinn. Andreas Kümmert wird jetzt darüber nachdenken, was passiert ist. Ich unterstelle ihm mal, dass er sich die größten Vorwürfe macht. Für ihn ist das am schlimmsten.“ Es sei ein ungewöhnlicher Sieg, erklärte Schreiber weiter, “aber Ann Sophie sollte jetzt im Mittelpunkt stehen.“

Moderatorin Barbara Schöneberger sagt, sie nehme es dem Sieger ab, “dass er einfach nicht tiefer in die ESC-Maschinerie eintauchen will. Er hat vermutlich Angst davor. Es wäre schlimmer, wenn es in drei Tagen passiert wäre, so haben wir es in der Show verarbeitet. Ich hatte das Gefühl, dass es es wirklich nicht möchte und wollte ihm das Gefühl geben, dass er raus kann.“

Von Andreas Kümmert gab es bis jetzt keine weitere Erklärung. Die Zweitplatzierte Ann-Sophie zeigte ebenso Verständnis. Bei der Pressekonferenz sagte sie u.a.: “Wenn sein Herz ihm gesagt hat, dass er das nicht machen kann, dann war es der richtige Schritt. Manchmal wissen wir einfach nicht, was wir wollen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie schwer es ist, wenn man Herz und Leidenschaft für etwas hat, aber mit dem Drumherum nicht klarkommt. Aber ich freue mich auch für ihn, dass er auf sein Herz gehört hat.” Sie freue sich jedenfalls riesig, dass sie nach Wien dürfe. “Es ist ein Traum, der wahr wird. Der 60. Geburtstag und ich darf dort singen. Ich hoffe sehr, dass Deutschland zufrieden ist. Ich habe großen Respekt vor Andreas und bin ihm dankbar.“

Fotos: Willi Weber/NDR