Freitag, 06. März 2015, 17:07 Uhr

Madonna: "Rebel Heart" ist da - Unsere Plattenkritik

Madonna hat heute ihr Album ‘Rebel Heart’ veröffentlicht, auf dem auch eine Kollaboration mit Mike Tyson zu finden ist. Die Platte stand von Anfang an unter keinem guten Stern, allerdings dürfte sie so auch die beste Publicity bekommen haben.

Im Dezember tauchten bereits Demos ihrer neuen LP im Internet auf, anschließend wurden 14 weitere Tracks ins Netz gestellt. Die Veröffentlichung ihrer Single ‘Living for Love’, die sie zuletzt bei den ‘BRIT Awards’ performte, musste aufgrund des Leaks vorverlegt werden, ursprünglich war sie für den Valentinstag gedacht. Die Pop-Queen bezeichnete den Leak auf Twitter als “künstlerische Vergewaltigung” und “eine Art des Terrorismus”. Nun ist heute (6. März) ihr 13. Studioalbum offiziell erschienen und die Liste der Kollaborateure kann sich wirklich sehen lassen: Nas, Nicki Minaj und Boxer Mike Tyson sind auf der Platte vertreten. Mitproduzieren durfte die Crème de la Crème: Kanye West, Diplo, Avicii.

Madonna ist bekannt dafür, dass sie bei ihren Alben mit der Musik-Mode geht – und immer gerne provoziert. So wie damals im fernen Jahr 1989, als sie im Video zum Song ‘Like A Prayer’ durch eine Kirche tanzte. Inzwischen ist Madonna 56 Jahre alt. Für Schlagzeilen vor dem Start des neuen Albums ‘Rebel Heart’ sorgte statt kontrollierter Provokationen diesmal ein gemeiner Sturz von der Bühne bei der Verleihung der Brit Awards. Böse Zungen behaupteten zwar gleich, das könne auch eine geplante Aktion gewesen sein. Doch Madonna widersprach in einem TV-Interview: “Es war ein Alptraum, weil ich gern großartig bin.”

Die gute Nachricht für alle Fans: Madonna klingt auf ‘Rebel Heart’ wie Madonna. Das ist nicht selbstverständlich. Man könne nur relevant bleiben, wenn man sein Leben regelmäßig auf die Spitze der Rasierklinge treibe, sagte sie jüngst dem US-Magazin ‘Time’. So wirkte es bei manchen ihrer neueren Alben auch, als würde sie sich nur aus Angst vor dem Stillstand kopfüber in modische Klänge stürzen – oder ihre eigene musikalische Identität opfern, damit auf dem Cover der Name des aktuellen In-Produzenten prangt.

Besonders zuletzt auf dem Album ‘MDNA’ wirkte Madonna gelegentlich wie in eine fremde Klangwelt implantiert. Auch der überdrehte Vorgänger ‘Hard Candy’ war eher eine Art musikalische Verjüngungsaktion.

Doch bei ‘Rebel Heart’ ist es anders. Das lange Album mit 19 (!) Titeln ist ein bisschen wie eine musikalische Autobiografie, weil in den Songs immer wieder mal ein Hauch der alten Madonna-Musik durchscheint. Bei ‘Living For Love’ etwa fühlt man sich an die Zeiten von ‘Ray Of Light’ erinnert. ‘Ghosttown’ und ‘HeartBreakCity’ sind klassische Pop-Balladen. Auch in den Kollaborationen mit Kanye West, Nicki Minaj oder dem Produzenten Avicii löst sich Madonna nicht auf.

Für den Charme des Albums sorgt vielleicht auch, dass Madonna ungewöhnlich viel von sich preisgibt. Im Song ‘Unapologetic Bitch’ verarbeitet sie ziemlich aggressiv die Trennung von ihrem jüngeren Ex. Madonna singt darüber, dass sie sich nicht gern fotografieren lässt oder ans Aufhören denkt. Die Frau, die in ihrer Karriere ein Feuerwerk an Skandalen abfeuerte, wirkt auf einmal verletzlich.

Doch Madonna wäre nicht Madonna, wenn sie zu einem neuen Album nicht auch eine Botschaft hätte. Diesmal gehört der Protest gegen die Diskriminierung mit dem Älterwerden dazu. “Niemand würde sich trauen, etwas erniedrigendes über Menschen mit dunkler Hautfarbe zu sagen oder auf Instagram etwas erniedrigendes über Schwule posten. Aber wenn es um mein Alter geht – da kann mir jeder etwas herablassendes sagen”, beklagte sie in einem Interview mit dem Musik-Magazin ‘Rolling Stone’. “Was ist der Unterschied dazwischen und Rassismus oder jeder anderen Diskriminierung?” Frauen sei Verhaltensnormen ab einem gewissen Alter eingetrichtert worden. “Aber ich folge keinen Regeln. Ich habe es nie getan – und ich fange auch nicht damit an.”

Deutschlandkonzerte von Madonna: 4. November: Köln, Lanxess Arena; 10. November: Berlin, O2 World (Bang/dpa)