Samstag, 07. März 2015, 19:02 Uhr

Howard Carpendale über sein Album, sein Leben und Til Schweiger

Mit einer Coverversion des Beatles-Songs ‘Obladi Oblada’ feierte Howard Carpendale 1969 seinen ersten Erfolg in Deutschland. Als zwei seiner bekanntesten Hits können unter anderem ‘Ti Amo’ (1977) und ‘Hello Again’ (1984) genannt werden. Und während andere Künstler nach so langer Zeit bereits von der Bildfläche verschwunden sind, ist der 69-jährige Sänger so präsent wie eh und je.

Sein am 6. März veröffentlichtes neues Album ‘Das ist unsere Zeit’ ist mittlerweile sein sage und schreibe 35. Studiowerk. Davon gibt es dann auch gleich zwei Versionen: Eine Standardversion mit 12 Titeln und eine Deluxe Edition mit 12 Tracks und drei Coverversionen, die via Facebook-Voting von den Fans ausgesucht wurden (‘In The Ghetto’ von Elvis Presley, ‘You Win Again’ von den Bee Gees und ‘Say You, Say Me’ von Lionel Richie).

Ab dem 28. Oktober geht es außerdem auf eine große Hallentour, die bis Februar/März 2016 dauern soll. Alle, die den Südafrikaner live erleben wollen, werden also ausreichend Gelegenheit dazu haben.

klatsch-tratsch.de-Autorin Clelia Schlena sprach mit dem sympathischen Sänger über sein Album, seine Träume und Ziele, den Begriff des Schlagers, das Schlager-Genre allgemein, Til Schweiger und den Tod von Udo Jürgens.

Auf Ihrem neuem Album, die sich mit dem Thema “Zeit” beschäftigen, fällt eine Art “Botschaft” auf: Nämlich, dass man in der Gegenwart leben und sich nicht zu viele Sorgen um die Zukunft machen sollte. Ist das auch Ihr eigenes Lebensmotto?
Das wäre sicherlich die idealste Form, zu leben und nicht die Vergangenheit und Zukunft eine wichtige Rolle spielen zu lassen. Die Momente, die man gerade erlebt, die soll man auch genießen und zwar jede Sekunde, die vorbeigeht. Aber um das zu erreichen, muss man sehr bewusst leben und nicht in Automatismus fallen, was wir alle tun. Gestern Abend hat Stefan Raab in seiner Sendung (‘TV Total’) gesagt, dass wir weniger Konzentration haben als ein Goldfisch. Wir schaffen manchmal nur acht Sekunden. Menschen vergessen manchmal sogar, was sie gestern gemacht haben. Und das liegt schon sehr daran, dass wir sehr automatisch leben. Wir genießen nicht unseren Kaffee oder Tee, sondern machen alles schnell und gehen zur nächsten Arbeit über. Im Idealfall sollte man in der Gegenwart leben und ich würde es auch gerne schaffen. Manchmal kriege ich es hin aber man ist sehr schnell abgelenkt.

Wie ist die Idee für dieses Album gekommen? Was hat Sie dazu inspiriert?
Es ist falsch zu denken, dass es einen Plan gab, über die “Zeit” zu schreiben. Es gibt vielleicht drei Titel darauf, in denen das Wort “Zeit” vorkommt. Die Entscheidung für die Zeile “Das ist unsere Zeit” ist sehr bewusst. Ich finde es toll, dass es eine Zeile ist, die andere Menschen mit involviert. Ich merke es bei den Reaktionen auf Facebook: Die Leute freuen sich sehr. Sie haben das Gefühl, wir sind ein großes Team. Wir werden bis Mitte nächsten Jahres eine lange Tournee haben und die Leute, die auf die Konzerte kommen, die sind sehr begeistert. Die sehen das als “unsere Zeit”: Der Howard geht wieder auf Tournee und wir gehen zu sehr vielen Konzerten mit. Außerhalb davon finde ich, dass es in unserer Welt nicht schadet, wenn man mehr von “wir” redet als von “ich”. Da ist ein sehr egoistisches Gefühl da draußen im Moment. Es geht um Geld verdienen und andere Probleme – man braucht nur die Nachrichten zu hören.

Dieses Album ist wie schon ihr letztes (‘Viel zu lang gewartet’, 2013) im Rahmen eines Songwritercamps mit jungen Musikern entstanden. Wie muss man sich den Entstehungsprozess einer ihrer Songs dazu konkret vorstellen?
Es ist nicht so besonders, wie es sich anhört. Früher habe ich mit Joachim Horn zusammengesessen und wir haben komponiert. Heute haben wir 15 Leute, die aus anderen Musikbereichen kommen und gerade weil die das tun, haben sie sehr viele kreative Ideen, wie meine Musik sich weiterentwickeln und ändern kann. Es ist mir sehr wichtig, dass meine Musik nach 50 Jahren nicht genauso klingt wie vor 30 Jahren. Ich möchte gerne diese Entwicklung durchmachen, die für mein Gefühl fast Pflicht ist für jeden Künstler. Man wird älter und man muss auch authentisch bleiben. Mein Geschmack ist ohnehin anders als vor 30 Jahren, also muss ich Leute finden, die das, was ich vermitteln möchte auch transportieren können.

Ist die Idee dabei vielleicht auch, dass Sie dadurch auch einen modernen Sound kriegen?
Es gibt alles einen etwas jüngeren Touch. Meine ganze Crew – nicht nur die, die schreiben, sondern die die arrangieren, die mein Management machen – die sind alle schon ein ganzes Stück jünger als ich und mir war damals nicht bewusst, wie sehr ich das brauchte. Das ich jetzt in dieser Situation bin, ist für mich einer der größten Vorteile überhaupt gegenüber den 10 Jahren davor. Da hatte ich ein Team, das ich schon seit vielen Jahren kannte. Und da ist es wie in einer alten Ehe. Irgendwann gehen ein bisschen die Ideen aus.

Auf Ihrem Album gibt es auch den Titel “Rest deines Lebens”, der sich mit der Frage beschäftigt, ob ein Mensch sein Leben auch wirklich sinnvoll genutzt hat, also auch wirklich “gelebt” und alle seine Träume verwirklicht hat. Sie haben ja schon 2008 mal gesagt, dass sie “musikalisch und gesanglich eigentlich schon alles erreicht haben”, was Sie sich vorgenommen hatten.
Das war das Gefühl, das mit meinem Aufhören und Comeback zusammenhing und durch dieses neue Team habe ich entdeckt, dass es ganz andere Sachen gibt, die ich nicht ausprobiert habe. Ich möchte sagen, dass mir diese [jetzige] Zeit beruflich – auch wenn ich 2008 unglaublich erfolgreiche Tourneen hatte – mehr Freude macht als je zuvor. Und mit 69 so was sagen zu können, ist schon ein Geschenk.

Haben Sie heute trotzdem noch Träume oder Ziele, die Sie noch verwirklichen möchten?
Bis Februar/März nächstes Jahr haben wir wirklich genug zu tun. Dann werde ich mich hinsetzen und sehen, wie es weitergeht. Vielleicht kommt Til Schweiger und sagt, wir wollen jetzt einen Film machen über…nicht Alzheimer, sondern irgendetwas anderes. Was die Schauspielerei betrifft, würde ich wahnsinnig gerne noch einen ernsthaften guten Film drehen. Ich glaube, ich habe den schwierigsten Punkt bei einem Schauspieler schon längst hinter mir. Ich bin heute in der Lage, Dinge zu tun, ohne mich zu fragen, ob das blöd aussieht. Ich mache es einfach. Und das ist ein ganz wichtiger Teil von der Schauspielerei. Diese Hemmung, die muss man erst überwinden. Und so weit bin ich. Jetzt würde ich unter einem guten Regisseur ganz gerne wissen, wie weit ich eigentlich gehen kann. Da hätte ich schon Spaß dran.

Noch mal zurück zu dem Begriff der “Zeit”. Viele beschweren sich ja über die heutige Schnelllebigkeit und machen dafür unter anderem auch die Entwicklungen in der Technik verantwortlich. Wie sehen Sie das?
Die Schnelllebigkeit hat überhaupt nichts mit der Technologie zu tun, es wirkt nur so. Wir sind alle selber in der Lage, unser eigenes Timing zu bestimmen und müssen nicht, wie ich, jedes Mal, wenn das Handy klingelt ran gehen.

Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit, also wenn Sie gerade nicht auf Tour sind oder im Studio stehen?
Dann bin ich gerne mit meinen Freunden zusammen und spiele gerne Golf. Ich sitze selten gelangweilt zu Hause.


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In einem früheren Interview hätten Sie geäußert, dass Sie offenbar schon immer Probleme hatten, Ihre Musik als “Schlager” einzustufen, weil für Sie das Wort eher negativ behaftet war. Sehen Sie das mittlerweile anders?
Das war nicht meine Äußerung, sondern die anderer Leute. Ganz ehrlich gesagt, meiner Meinung nach interessiert es das Publikum nicht. Man sieht an dem Erfolg von Helene Fischer: Die wollen nur Musik haben, bei denen sie Spaß haben und mitsingen können und das ist vollkommen o.k. Ich hoffe, dass man meine Musik unter “gute Musik” fasst und das ist mein Ziel. Was ein Schlager ist, ist mir ohnehin seit vielen Jahren ein Rätsel. Auch die Beatles haben Schlager gemacht und es hat keinen gestört. Es gibt gute Musik und schlechte Musik – ich würde lieber danach beurteilen. Wenn jemand mein neues Album aber als ein Album voller Schlager empfindet, steht das denen auch vollkommen zu.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Schlagers mit Ihrer jahrelangen Erfahrung von den 70er-Jahren bis heute? Auch was junge Schlagertalente, wie beispielsweise Helene Fischer, anbetrifft?
Ich werde einen Teufel tun, etwas schlecht zu machen, bei dem Millionen von Menschen Spaß daran haben. Musik ist eine Geschmackssache und die Leute sollen für sich entscheiden. Das einzige, was mir auffällt: Diese Branche ist im Moment sehr frauenlastig geworden. Es gibt sehr wenig Männer, die man in diese Kategorie tun kann, eigentlich gar keinen. Und es ist schon interessant zu sehen und da muss man sich fragen: Wie kommt es, das deutschsprachige Frauen gerade im Moment sehr viel Erfolg haben? Es wird seinen Grund haben. Ich glaube nicht, dass ein Mann im Moment in dieser Form erfolgreich sein kann. Es hat schon irgendwas zu tun mit allem: Mit Aussehen, Optik, schöner Kleidung und der Produktion, die dahintersteckt.

Was sagen Sie dann zu Andreas Gabalier?
Andreas Gabalier passt in gar keine Kategorie von diesen, von denen wir reden. Er macht eine Mischung aus Volks- und, wie er sagt, Volks-Rockmusik. Ein guter Künstler und er hat eine Nische gefunden, die niemand bisher richtig besetzt hat.

Vor Kurzem gab es ja die Idee eines Politikers der Jungen Union, eine Schlager-Quote im Radio einzuführen. Was halten Sie davon?
Zitieren Sie mich einfach so: “Der weiß gar nicht, wovon er redet.”

Im Dezember ist ja leider Udo Jürgens, ein großer Künstler, von uns gegangen. Wie haben Sie seinen Tod aufgenommen und welche Bedeutung hatte er für Sie persönlich?
Erst einmal war ich schockiert, völlig klar. Das geht einem sehr nah, wenn man weiß, dass jemand aus der Branche, der die gleichen Erfahrungen gemacht hat, wie man selbst und dann noch mitten in einer Tournee, verstirbt. Ich habe neulich vor zwei, drei Tagen meine Brieftasche aufgemacht und da waren zwei Karten für ein Udo Jürgens-Konzert drin. Das ist schon ein sehr komisches Gefühl. Er hat ein wunderbares Leben gehabt und er hat uns allen im Prinzip die Türen geöffnet, um Konzerte zu machen. Er war der erste, der wirklich in dieser Form gearbeitet hat: Mit Konzerten, die zwei/zweieinhalb Stunden dauern. Ich habe immer sehr viel Respekt für seine Karriere gehabt. Wer auch immer es ist: wenn er 50 Jahre mit dem, was er macht überlebt, dann hat er irgendwas richtig gemacht.

Fotos: Electrola