Sonntag, 08. März 2015, 15:28 Uhr

Überflieger Jesper Munk: "Wenn ich lauter singe wird es dreckig"

Gut eineinhalb Jahre nach dem überall gefeierten Debüt ‘For In My Way It Lies’ erschien am Freitag mit ‘Claim’ das neue Album des “Bluesrock-Wunderknaben“ Jesper Munk.

Der 22jährige Halbdäne aus München gehört zweifellos zu Deutschlands größten musikalischen Talenten und weckt durch seine großartige und fast unvergleichliche Stimme und sein virtuoses Gitarrenspiel Erinnerungen an die frühen Black Keys, Alex Turner von den Arctic Monkeys und The Last Shadow Puppets, Gary Clark Jr. oder den großartigen Jack White.

klatsch-tratsch.de Blues-Expertin Geraldine hat sich mit dem angehenden Superstar in Berlin getroffen und war ganz hin und weg!

Wo gehst du in Berlin aus?
Ich bin ehrlich gesagt gar nicht so ein “Ausgeher”, aber den tollsten Abend hatte ich in einer Bar in Kreuzberg. Ich weiß nur leider den Namen nicht mehr. Die Bar hat nämlich ein Klavier und das fand ich so nett. Ich stell mir dann immer vor, dass dann ein Stammgast ab einem gewissen Alkoholspiegel dort anfängt zu spielen. Herrlich!

Redet man über Jesper Munk, heißt es in den Medien immer “Wunderknabe”. Kannst du mit dem Begriff überhaupt etwas anfangen?
Ich ehrlich gesagt gar nicht, ich finde es nett gemeint. Meiner Meinung nach ist das eine unrealistische Darstellung, weil ein “Wunderknabe” z.B. jemand wie Mozart war, der konnte ganz, ganz viel mehr als ich, auch mein Bsasist hat ein besseres Ohr als ich. Ich bin nicht hypermusikalisch, ich mach einfach nur meinen Sound und wenn er mundet, dann ist es gut. Aber “Wunderknabe” ist was anderes.

Was hörst du privat für Musik? Hörst du z.B. auch klassische Musik?
Selten, ich würde klassische Musik gern mehr hören, guter Anstoß, Danke. Ich höre hauptsächlich Musik in der Richtung, wie ich sie auch selbst mache. Blues, Soul, Punk, etc.

Du bist erst 22, singst und spielst wie ein Alter Blues-Veteran! Unglaublich! Wo hast du das her?
Das ist so witzig, manche sagen das als Kompliment und manche als Kritik und im Endeffekt bin ich mit der Stimme geboren, ich habe dafür keine Leistung erbracht, vielleicht ist das ein Grund, dass ich relativ früh mit dem Rauchen begonnen habe. (lacht)

Wie kann man so etwas als Kritik äußern bzw. was ist der Vorwurf?
Manchen kommt es prätentiös rüber, sprich “du versuchst gerade etwas darzustellen”, doch das ist Schmarrn. Ich sing einfach wie ich singe. Wenn ich lauter singe wird es dreckig, so ist es halt.

Du hast es also Blues-Musiker sogar in die ‘Bravo’ geschafft. Glaubst du wegen Deines Aussehens, wegen Deiner Musik, oder Deiner Stimme?
Schwer zu sagen was es im Endeffekt war, der Redakteur hat sich das selbst ausgesucht und ich fand es auch sehr nett wie er den Artikel geschrieben hat. Er hat sehr viel persönliches Interesse gezeigt. Ich glaube, dass ihm meine Musik einfach gefällt. Ich kann es dir nicht sagen, normalerweise landest du in der “Bravo”, weil du gut aussiehst, aber ich hab sie noch nie gelesen, kein Plan warum. (lacht)

Jetzt kommt das zweite Album ‘Claim’ raus. Es klingt wieder unglaublich international und auch richtig fett, wenn man Songs wie z.B. ‘Smalltalk Gentleman’ oder ‘Courage For Love’, der ersten Doppel-A-Single hört. Erzähl uns was über die Entstehung. Und wie kommt man in ein Aufnahmestudio nach Los Angeles bzw. New York?
Chronologisch war es so, ich hab eine Studiosession einberufen in der Nähe von München, dort war es etwas ländlicher mit Hühnern und Schweinen, also sehr entspannt (lacht). Hab da ein paar Songs zusammengetragen und wollte mit meiner Band und befreundeten Musikern, welche auch noch dazu gekommen sind, brainstormen. Da ist dann auch schon ein Final Draft entstanden, also keine Demos, sondern Nummern, die wir dann auch produziert haben. Los Angeles und New York hat mir meine Plattenfimra Warner Music ermöglicht, bei der ich jetzt für das zweite Album gesigned bin. Zu Mocky, dem Feist Produzenten in Los Angeles, bin ich allein geflogen und bei John Spencer waren wir als Band, dazwischen hab ich dann auch noch mit Sepalot aufgenommen.

War das der Versuch, ein bißchen beim HipHop zu wildern? Und wie kam es überhaupt zur Zusammenarbeit mit dem Visionär Sepalot?
Ja, eher für seinen Song “Faith For Men” hab ich auf jeden Fall im Hip Hop gewildert (lacht). Die Produktionen mit Sepalot machen einfach extrem viel Spaß und er ist ein sehr empathischer Typ und ich glaube man merkt, dass mir das wichtig ist, wenn sich Menschen auf Menschen einstellen können. Das ist auch sehr hilfreich. Wir haben uns über unser Management kennengelernt. Seit dem starten wir immer wieder gemeinsame Projekte.

Produzent Mocky (Feist, Jamie Lidell) hat für dich eine amerikanischen Session-Band zusammengestellt, mit der Du einige Stücke aufgenommen hast. Wie muß man sich so einen Prozess vorstellen: Da sind neue Ideen, neue Leute und einer der singt und die Songs geschrieben hast: Du! Gibt es da nicht Reibungen?
Ehrlich gesagt überhaupt nicht, ich bin da auch ohne Scheuklappen und Denktabus an die Sache heran gegangen. Mocky selbst ist ein sehr empathischer Musiker. Das heißt er stellt sich sehr schnell auf seinen gegenüber ein, also auf dich als Mensch, Musiker und natürlich auch auf den Song. Er ist einfach auch ein “sau” sympathischer Kerl (lacht). Dies trifft auch auf seine Musiker Joey, Aaron und Nick, mit denen er zusammenarbeitet, welche auch auf der Platte sind zu.

Ist es nicht immer ein Risiko mit unterschiedlichen Produzenten zusammenzuarbeiten?
Es kann ein Risiko darstellen, wenn man sich gegen ein eklektisches Album wehrt, also wenn man versucht, etwas homogenes herauszubringen und dann bemerkt, dass die Unterschiede vielleicht doch größer sind als man es davor eingeschätzt hatte. Sprich: beim Mastering-Prozess bringe ich diese Sound-design-mäßig nicht auf einen Nenner. Aber darauf muss man sich einstellen, da es vier verschiedene Musiker, vier verschiedene Studios etc. sind. Nur das Mastern blieb in einer Hand und zwar bei Ludwig Mayer, ein grossartiger Kerl, er hat so ein extrem gutes Gehör.

Bei welchem Label warst du davor?
Red Wine Tunes, das ist ein sehr künstlerfreundliches und großartiges, kleines Indie Label in München.

Was hat sich für dich verändert seitdem du bei einem Majorlabel bist?
Ich kann von der Musik leben, (denkt nach). Ja, ich kann von der Musik leben und es ist ein geiler Job.

Der Album-Titel ‘Claim’ ist ja nicht gerade einfallsreich.
“Claim” ist für mich der Anspruch und die Forderungen, die ich an mich selbst stelle, an andere Menschen, an verschieden ethische Maxime, verschiedene Einstellungen und Umgangsformen. Ich würde sagen es ist das Fazit aus eineinhalb Jahren Musik machen.

Du gehst ab 10. April auf Tour. Wer ist dein Publikum?
Das Publikum ist bunt gemischt. Das ist das schöne daran, ich habe vom 17 bis 70 jährigen alles dabei.

Wer ist in Deiner Liveband?
Clemens Graf Finck von Finckenstein und Sasseh Söllner Bob, mein Vater ist nicht mehr dabei. (Anmerkung: Jespers Vater war zwei Jahre dabei. Die Red).

Was sind deine musikalischen Träume?
Ich hab ein bißchen ein Problem mit Erwartungshaltungen, weil Stolz oder Enttäuschung aus so einer entsteht.

Wo können Groupies Dich nach der Show treffen? Ist Jesper Munk schon vergeben?
In einer Bar, nein ich bin nicht Single ich bin seit drei Jahren vergeben.

Fotos: klatsch-tratasch.de/Hannah Aspropoulos