Mittwoch, 11. März 2015, 23:41 Uhr

Filmkritik "Kingsman": Brutal-witzige Agentenparodie mit Colin Firth

Manchmal werden selbst absurd wirkende Drehbücher von der Wirklichkeit eingeholt: So wurde erst kürzlich bekannt, dass NSA und GCHQ, Geheimdienste aus den USA und Großbritannien, schon 2010 die Verschlüsselungscodes für Millionen von Mobiltelefonen gestohlen haben. So konnten sie Telefonate, SMS- und Datenverkehr überwachen.

In der amerikanisch-britischen Comic-Adaption ‘Kingsman: The Secret Service’ spielt nun Samuel L. Jackson den lispelnden Internet-Milliardär Valentine, der mit Hilfe von SIM-Karten die Erde kontrollieren will.

Da der Erzschurke kein Blut sehen kann, verschenkt er die Karten, die auf Knopfdruck Aggressionen hervorrufen und so die Gesellschaft von innen zerstören. Unterstützt wird der Bösewicht von seiner mörderischen Gehilfin Gazelle, die auf Beinprothesen aus Klingen durch den Film wirbelt.

Der sehr britische Gegenspieler dieses heimtückischen Duos ist Harry Hart – tadellos gekleidet und angeblich ein Schneider in der eleganten Londoner Savile Row; eine Rolle, die wie gemacht ist für den Oscar-Preisträger Colin Firth. Doch Harry Hart ist in Wirklichkeit ein Mitglied der Spionageorganisation Kingsmen, einer modernen Bruderschaft. Seine bevorzugte Waffe ist ein High-Tech-Regenschirm in dieser ultrabrutalen, aber ausgesprochen witzigen Hommage an die frühen Bond- und an britische Agentenfilme wie ‘Mit Schirm, Charme und Melone’.

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Hart rekrutiert Eggsy, einen Taugenichts mit Potenzial, aus den Londoner Slums für das Elite-Trainingsprogramm der Kingsmen. Während Eggsy jedoch noch darum kämpft, das Auswahlverfahren zu überleben, plant Valentine bereits sein Massaker. Taron Egerton verkörpert augenzwinkernd, aber überzeugend Gary ‘Eggsy’ Unwins Verwandlung vom ungehobelten Herumtreiber und Dieb zum Gentleman-Spion.

Bisher spielte der für 81 Millionen Dollar produzierte Film in wenigen Wochen weltweit mehr als 200 Millionen Dollar ein. In den USA öffnete ‘Kingsman’ auf dem zweiten Platz hinter dem erotischen ‘Fifty Shades of Grey’, eine persönliche Bestleistung für Hauptdarsteller Colin Firth (‘Mamma Mia!’, ‘The King’s Speech’).

Für Regisseur Matthew Vaughn (‘X-Man: First Class’) ist ‘Kingsman’ der zweite Ausflug in die Comicwelten von Mark Millar, dessen Buch ‘Kick Ass’ er ebenfalls bereits verfilmt hat. Und wie ‘Kick-Ass’ wurde ‘Kingsman’ unabhängig finanziert und von Vaughns Firma Marv Films produziert. Damit umging der Regisseur die Sensibilitäten der großen Studios und musste sich in seiner Gewaltorgie (in wenigen Einstellungen explodieren wohl mehr als 200 Köpfe) nicht einschränken.

Die atemlosen, brutalen Actionsequenzen sind allerdings überraschend unblutig, dafür aber unterhaltsam. Gazelle etwa durchtrennt mit ihren Klingen-Füßen Gliedmaßen so elegant, als seien sie Salamischeiben. Schade dennoch, dass der Film mit einem vulgären Gag über Analsex endet. In einem Interview verteidigte sich Vaugh – Ehemann von Claudia Schiffer – damit, dass er Frauen so mehr Macht geben wollte. (Uli Hesse, dpa)

Fotos: FOX