Mittwoch, 11. März 2015, 22:50 Uhr

Nach Monster-Plagiats-Strafe: "Blurred Lines" hat 16 Mio Dollar eingespielt

Eine Millionenstrafe haben Richter im Plagiatsprozess gegen Pharrell Williams (41) und Robin Thicke (38) – wir berichteten – verhängt: Weil sie ihren Hit ‘Blurred Lines’ von einem Lied der Soul-Sängers Marvin Gaye abgekupfert haben sollen, verurteilte ein kalifornisches Gericht die beiden wegen Copyright-Verletzung.

Das Strafmaß: rund 7,3 Millionen Dollar (etwa 6,8 Millionen Euro). Das Geld müssen Williams und Thicke der Familie von Gaye zahlen, urteilten die Geschworenen in Los Angeles nach US-Medienberichten gestern.

Die Geschworenen gaben damit Gayes’ Kindern Recht, die angegeben hatten, dass Teile von ‘Blurred Lines’ dem Song ‘Got to Give It Up’ von Gaye aus dem Jahr 1977 zu sehr ähnelten. Nona Gaye sagte nach dem Urteilsspruch, dass sie sich nun von den Ketten befreit fühle, die ihnen Williams und Thicke anhängen wollten, wie die Zeitung ‘USA Today’ berichtete. Er sei “extrem enttäuscht”, kommentierte Sänger Williams der Zeitung zufolge. ‘Blurred Lines’ habe er aus eigenem Herzen, Verstand und Seele heraus geschaffen.

Der Musiker hatte die Vorwürfe in dem Plagiatsprozess stets zurückgewiesen. “Ich habe das 70er-Jahre-Gefühl übermitteln wollen. Wenn du manchmal auf deine Arbeit zurückblickst, dann siehst du das Echo anderer Leute”, hatte er vor Gericht gesagt. Gaye sei “einer von denen, zu dem wir so sehr aufschauen”, betonte der Sänger. “Das Letzte, was du als Künstler machen möchtest, ist etwas von jemandem zu nehmen, den du liebst”. Robin  Thicke seinerseits gab an, am Schreiben des Songs, der ihn zu einem Weltstar machte, gar nicht wirklich beteiligt gewesen zu sein.

Während des Prozesses war zum Vorschein gekommen, dass der 2013 veröffentlichte Song ‘Blurred Lines’ (auf Deutsch etwa: verschwommene Linien) den Musikern und beteiligten Plattenfirmen über 16 Millionen Dollar eingebracht haben soll. Die Gaye-Erben hatten ursprünglich eine Entschädigung von mehr als 25 Millionen Dollar gefordert!

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Copyright-Streits sind in der Musikbranche nicht ungewöhnlich. Erst vor kurzem hatte der britische Shooting-Star Sam Smith zugeben müssen, dass sein Song ‘Stay With Me’ dem Hit ‘I Won’t Back Down’ von Tom Petty aus dem Jahr 1989 allzu sehr ähnelt. Die beiden einigten sich allerdings außergerichtlich.

Die Frage ist bei solchen Streits immer: Bis wohin ist ein Song eine Hommage an einen anderen Künstler und ab wann handelt es sich um Copyright-Verletzung? Die jetzige Gerichtsentscheidung und Millionenstrafe habe die Musikwelt zum Staunen gebracht, sagte der Komponist und Produzent Gregory Butler der ‘Los Angeles Times’. “Sie haben es illegal gemacht, auf frühere Stücke Bezug zu nehmen. Aber es wird nie jemand mit so etwas radikal Neuem daherkommen, dass man gar keine Anlehnungen an frühere Stücke finden kann.”

Auch der Medienanwalt Joe Escalante kritisierte die Entscheidung in der ‘Los Angeles Times’: “Möglicherweise versetzt diese Entscheidung die Gaye-Familie in gute Laune, aber es ist ein dunkler Tag für die Kreativität und wird am Ende den Musikfans schaden.” (Barbara Munker und Christina Horsten, dpa)

Fotos: SonyMusic, Universal Music