Samstag, 14. März 2015, 20:20 Uhr

Westbam erklärt, warum "Blurred Lines" nicht abgekupfert wurde

Diese Woche sorgte ein Monsterurteil in einem Plagiatsprozess gegen Produzent Pharrell Williams und Sänger Robin Thicke für weltweiten Wirbel. Schnell hieß es überall, die beiden hätten für ihren gemeinsamen Song ‘Blurred Lines’ bei Soulikone Marvin Gay (‘Got To Give it Up’) abgekupfert.

Doch so pauschal sollte man das nicht sagen, klingen doch die Melodien beider Songs völlig unterschiedlich.

Im Gespräch mit dem Hamburger Magazin ‘Der Spiegel’ erklärte einer, der es wissen muß, der Berliner Star-Produzent Westbam, warum das Urteil falsch ist und somit völlig falsche Signale sendet. Der 50-Jährige sei vor allem von der Urteilsbegründung überrascht gewesen: “Die Stimmung oder der Vibe von ‘Blurred lines’ erinnere an das Marvin-Gaye-Stück. Nicht etwa die Melodie oder der Gesang oder der Text. Aber ein Vibe – oder nüchterner: eine Produktionsidee – lässt sich nicht schützen.” Nächster Einwurf: Die Basslinien seien doch aber auch identisch. Dazu sagte der Star-DJ: “Das sind drei oder vier Töne, gespielt vom gleichen Instrument. (…) Niemand darf diese Töne oder Harmonien benutzen? Absurdes Theater”.

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Westbam erklärte weiter, die “Drums spielen den gleichen Groove, eine Kuhglocke kommt zum Einsatz, es gibt kleine Breaks auf der Snaredrum und der Hi-Hat”. Das Urheberrecht schütze “nur eine Songidee. Nicht eine Soundidee.” Auch er sei so vorgegangen.

Der Musiker fügte hinzu: “Im Übrigen sollten Marvin Gayes Erben vorsichtig sein.” Es könne sich nämlich schnell herausstellen, dass der Soulstar diesen Sound gar nicht erfunden habe. “Dieser Philly-Beat ist Anfang der Siebziger in Philadelphia entstanden, gut fünf Jahre vor Gayes Song.”

Ein sehr gutes Beispiel für Westbams Einlassung bietet u.a. der Vergleich der  Tracks von Faithless’ Welthit ‘Insomnia’ und Sashs ‘Encore Une Fois’. Beide Songs waren 1996 und Anfang 1997 Mega-Clubhits.

Das deutsche Dance-Musikprojekt bediente sich dabei auch eines Sounds, den man bei dem Track der britischen Band genauso gehört hat. Doch die Melodien sind völlig anders. Hier kann man die beiden Songs noch einmal im Original hören und sich selber ein Urteil bilden.

Foto: AEDT/WENN.com