Montag, 16. März 2015, 19:20 Uhr

Truckerfahrer Winni Biermann: Von der Autobahn ins Plattenstudio

Winni Biermann ist inzwischen der wohl bekannteste Trucker Deutschlands. Der Zufall wollte es, dass die Plattenfirma Sony von dem fernfahrenden Tenor Wind bekam und ihm zu dessen eigener Überraschung einen Plattenvertrag anbot. „Ein Lied fährt um die Welt“ ist der Titel des ersten Albums von Winni Biermann, das am 13. März erschien.

klatsch-tratsch.de-Fernfahrer-Expertin Geraldine hat sich mit dem singenden Sympathicus getroffen.

Wie wurdest du zum singenden Trucker?
Ich habe beim Weinfest in Bocholt gesungen, dort war ein Lokalreporter, der mich fragte, was ich beruflich mache. Ich meinte dann zu ihm, dass ich ein LKW /Trucker-Fahrer bin. Darauf meinte er, dass es nirgendwo einen Opern-singenden Trucker-Fahrer gibt, davon müsse er ein Video machen. Diese Idee kam nach einigen Gläsern Wein, ich dachte das sei ein Scherz, doch gesagt getan. Wir machten ein Video bei dem ich in meinem Truck klassische Stücke sang, er lud es auf Youtube an einem Donnerstag hoch und am nächsten Tag, war alles anders. Sat1, RTL, WDR etc. riefen bei uns Zuhause an. Kurze Zeit später rief morgens die Bild-Zeitung an, um ein Treffen mit Paul Potts und mir zu arrangieren. Nachmittags rief dann Wilma von Sony Music an um mir zu sagen, dass Sony einen Plattenvertrag mit mir haben möchte. Total verrückt.

Wie empfindest du den Vergleich mit Paul Potts?
Der Vergleich passt ganz gut, wir haben ja doch eine ähnliche Geschichte, nur dass ich in keiner Fernsehshow aufgetreten bin, das macht das Ganze noch verrückter.

Inwiefern hat sich dein Leben verändert, fährst du LKW nur noch zur Show?
Nein, ich übe meinen Beruf als LKW-Fahrer noch immer aus. Ich bin leidenschaftlicher Berufskraftfahrer und Hobbysänger. Ich muss ja von etwas leben. Geld kann man erst verdienen, wenn die Platten verkauft sind. Wenn ich davon leben könnte, wäre das natürlich ein Traum.

Würdest du dann weiter Truck fahren?
Klar, sonst ist ja meine Geschichte nicht mehr da. Winnie den singenden Trucker-Fahrer, gibt es nur mit Truck (lacht). Ich hab so einen Spaß daran, ich könnte schon wieder heulen vor Freude (Tränen in den Augen). Ich habe das Glück, Hobby und Beruf zu vereinen, es ist einfach der Wahnsinn. Singen ist für mich pure Lebensfreude.

Wie sieht ein Alltag bei dir aus?
Morgens zwischen 4 und halb 5 klingelt mein Wecker, dann mache ich mir meine Kaffeekanne fertig, fahre mit meine LKW los und fahre Baustoffe durch Nordrheinwestfalen

Wolltest du schon immer Trucker-Fahrer werden?
Ja, das ist meine Leidenschaft.

Was fasziniert dich daran?
Man ist für sich allein mit seinen Gedanken und kann dabei singen. Ich habe meinen USB Stick mit meiner Begleitmusik immer dabei und übe meine Lieder. Man ist unabhängig und in dem Moment ist man sein eigener Chef.

Wie viele Kinder hast du?
Drei Jungs, 12, 20 und 22. Der Älteste ist auch angehender Berufskraftfahrer. Der saß schon mit 2 Jahren im Babysafe neben mir im LKW und ist mit mir immer mitgefahren.

Deine Musikkarriere begann ja relativ spät, wolltest du schon als Kind singen und hast dich nur nicht getraut?
Ich habe immer gerne gesungen. Ich war bei jeder Karaokeveranstaltung dabei und sang bei jedem Anlass. Vor acht Jahren hab ich begonnen, im Männerchor im Quartettverein zu singen. Ich hätte mir das, was jetzt alles passiert, nicht erträumt. Ich hab noch immer jeden Freitag Chorprobe, da sind meine Jungs, 60 Männer (lacht). Ich werde nie meine erste Chorprobe vergessen, ich hatte Gänsehaut und feuchte Augen, denn in mir loderte so ein kleines Feuer … Ich ging nach Hause zu meiner Frau und sagte “Ich bin jetzt Sänger”. Meine Frau meinte nur “Leg dich hin und schlaf” Mein Vater war so stolz auf mich als ich im Bocholter Quartettverein sang. Das war wie ein Ritterschlag.

Was für Musik hörst du privat?
Ich singe mittlerweile nur Klassik, aber ich höre so gut wie alles. Ich höre auch Schlager, früher war ich Modern Talking-Fan, letztens hab ich Thomas Anders im Studio kennengelernt, weil wir den selben Produzenten haben. Er vor mir und sagte “Hi Winnie Biermann du bist ja bekannt wie ein bunter Hund” (lacht). Ich wusste gar nicht was ich sagen sollte. Naja, meine Leidenschaft sind Operetten.

Wer sind deine Idole?
Jonas Kaufmann, Fritz Wunderlich und Pavarotti.

Was wünschst du dir noch?
Das es so schön weitergeht, das mein Album ein voller Erfolg wird und das meine Familie und ich glücklich sind. (Tränen in den Augen).

Was darf man sich auf deinem Debütalbum erwarten?
Klassiker aus den 20 Jahren und 30 er Jahren, die ich mir selbst aussuchen durfte.

Was ist dein Lieblingslied?
“Ein Lied geht um die Welt” ist eines meiner Lieblingslieder (weint). Sony war von Anfang an darauf bedacht, dass ich das singe was ich will. Ich bin so glücklich und so dankbar für alles.

Fotos: Hannah Aspropoulos