Mittwoch, 18. März 2015, 12:16 Uhr

Warum es "andersdenkende" Musiker schwerer haben

In den deutschen Charts ist von rockigen Klängen über sanfte Töne bis hin zu schnellen Technobeats eigentlich alles vertreten. Kritiker beschweren sich häufig darüber, dass die Lieder immer ähnlicher werden und keine wirklichen Neuheiten mehr auf dem Markt zu finden sind. Außerdem würde sich die Musik zu wenig mit kritischen Themen auseinandersetzen.

Doch es gibt auch andere Künstler, die mit ihren Liedern in den Top 100 vertreten sind und die sehr wohl eine klare Botschaft mit ihrer Musik vermitteln wollen. Bestes Beispiel ist der Blues-Musiker Andrew Hozier-Byrne, der mit seinem Hit “Take me to church” ganz oben in den Charts mitspielt. Der Song setzt sich nicht nur mit den Themen Menschlichkeit und Sexualität auseinander, sondern kritisiert auch offen die Institution Kirche für deren Umgang mit ebendiesen Themen. (Weitere Informationen und ein ausführliches Interview mit dem Chartstürmer gibt es hier.) Andersdenkende Künstler wie er haben es in der Musikbranche manchmal schwer, weil das Management andere Vorstellungen von der Karriere und “ihrem” Star hat, als der Künstler selbst.

So kommt es eben nicht selten zu Zerwürfnissen zwischen den beiden Parteien. Oder aber der Musiker lässt sich beeinflussen und wird in Schubladen gezwungen, in die er oder sie selbst gar nicht hinein möchte.

Ebenso in den deutschen Musikcharts vertreten, wenn meistens auch nur kurzfristig, sind Castingshow-Teilnehmer, die mit ihren Siegersongs durchstarten oder es zumindest wollen. Doch leider müssen die meisten Künstler, die durch ein solches Format Bekanntheit erlangt haben, auch schnell erkennen, wie kurzlebig dieser Erfolg ist. Denn auch hier werden die eigenen Interessen des Musikers in der Regel hinten angestellt und in erster Linie erfolgt die Vermarktung eines gut durchgeplanten Konzeptes. Bewegt man sich dann später auf komplett anderen Pfaden, gehen die Fans schnell wieder verloren und mit ihnen auch der lang ersehnte Ruhm.

Dass die Männer und Frauen, die in Castingshows zu Gewinnern gekürt werden, dem Rummel um ihre Person oft gar nicht wirklich gewachsen sind und viel besser von ihrem Management geschützt werden müssten, hat man erst kürzlich wieder am Beispiel von “The Voice of Germany”-Gewinner Andreas Kümmert gesehen. Nachdem er den Vorentscheid zum Eurovision Songcontest erfolgreich für sich entschieden hatte, verkündete er noch während der laufenden Show, dass er sich nicht in der Lage fühle, diese Auszeichnung und die damit verbundene Teilnahme am Contest anzunehmen. Er sprach von inneren Dämonen, mit denen er zu kämpfen habe. Im Nachhinein wurden Stimmen laut, die behaupteten, das Management hätte ihn zur Teilnahme am Vorentscheid gezwungen, denn er selbst habe schon vorher gewusst, dass er sich dem Ganzen nicht gewachsen fühlte.

Ähnlich hätte es auch mit dem ehemaligen Teenie-Star Sasha enden können, wenn er nicht rechtzeitig die Reißleine gezogen hätte. Der Musiker fühlte sich in seinem Image als ewiger Mädchenschwarm und Schmusesänger gefangen und konnte sich selbst nicht mehr mit seiner Musik identifizieren. Auch deshalb flüchtete er sich in eine Art Alter Ego und hatte mit dem Projekt “Dick Brave and the Backbeatz” einige Jahre großen Erfolg. Im letzten Jahr gelang ihm auch als Sasha ein Comeback. Diesmal aber mit selbst geschriebenen Titeln und einem neuen Sound. (KTAD)

Fotos: Universal Music