Montag, 23. März 2015, 21:41 Uhr

Matthias Schweighöfer: Kumpel, Charmeur, Pendant und Geschäftsmann

Frauen schwärmen für Matthias Schweighöfer. Männer würden gerne mal mit ihm um die Häuser ziehen. Der Strahlemann ist einer der erfolgreichsten deutschen Filmstars – und wirkt trotzdem immer noch wie der nette Junge von nebenan.

34 Jahre alt, schlaksige 1,80 Meter groß, blondes welliges Haar, fester Händedruck – und vor allem der intensive, neugierige Blick aus den strahlenden grau-blauen Augen! Schweighöfer selbst stellt sich im Gespräch über seinen neuen Film ‘Der Nanny’ (Kinostart 26. März) grinsend als “Megastar” vor und schlägt vor, dass man sich gerne auch duzen kann.

Schon seit fast zwei Jahrzehnten ist Schweighöfer im Filmgeschäft. Er ist Schauspieler, Regisseur und Mitbegründer einer eigenen Filmproduktionsgesellschaft. Und zusammen mit TV-Entertainer Joko Winterscheidt und zwei weiteren Freunden hat er ein eigenes Modelabel. Das Spezialgebiet des Familienvaters aber sind seine Filmkomödien – von den Fans als sympathisches Popcorn-Kino geliebt, von der Kritik als seichte Wohlfühlfilme geschmäht.

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Mit eigenen Regiearbeiten wie ‘Vaterfreuden’, ‘Schlussmacher’ und ‘What a Man’ räumte Schweighöfer an den Kinokassen ab – und stieg damit im Unterhaltungsfach zum Konkurrenten für seinen einstigen Mentor Til Schweiger (‘Keinohrhasen’, ‘Honig im Kopf’) auf. Für ‘Der Nanny’ stand Schweighöfer bereits zum vierten Mal nicht nur vor, sondern ebenfalls auch hinter der Kamera.

Stört ihn die Kritik an seiner Arbeit? “Mir ist das ehrlich gesagt schnurzpiepe”, meint der Filmemacher im Interview der Nachrichtenagentur dpa. “Viele Kritiken sind oft kleinkariert. Aber Filmkritik und Publikumsgeschmack sind nicht immer deckungsgleich.” Die Zuschauer eines Schweighöfer-Films sollen beschwingt aus dem Kino gehen, so Schweighöfer.

Schwierige, anstrengende Themen wie Beziehungs- und Selbstfindungsprobleme oder im neuen Film ‘Der Nanny’ den Alltag der vernachlässigten Kinder eines geldgierigen Baulöwen will er witzig verpackt auf die Leinwand bringen. Da wird der hibbelige Regisseur, der kaum stillsitzen kann, auf einmal ernst. “Die Gratwanderung zwischen Tiefgang und Oberflächlichkeit ist sehr wichtig”, betont er. Und: “Je kommerziell erfolgreicher man ist, desto mehr Arthouse kann man sich leisten”, so der Produzent Schweighöfer.

“In meinem nächsten Film ‘Der geilste Tag’, den Florian David Fitz inszeniert, spiele ich einen sterbenskranken Mann, der vor seinem Tod den geilsten Tag seines Lebens erleben will. In dem Film geht es um das, was das Leben lebenswert macht.” Derzeit koproduziert Schweighöfer außerdem die Komödie ‘Highway to Hellas’. Darin spielt Christoph Maria Herbst einen Bankangestellten, der auf einer griechischen Insel Kreditsicherheiten überprüfen soll.

Schweighöfer bewundert die Leichtigkeit der auch in Deutschland erfolgreichen französischen Komödien. “Großartig war ja zum Beispiel der französische Film ‘Ziemlich beste Freunde’, witzig und mit Tiefgang. Da frage ich mich, ob man so etwas in Deutschland hinkriegen würde.”

Am Filmset schätzt Schweighöfer ein familiäres Umfeld. Deshalb dreht er am liebsten mit Schauspielern, mit denen er auch privat befreundet ist, wie zum Beispiel Milan Peschel, Florian David Fitz und Joko Winterscheidt. Arbeitszeit ist eben auch Lebenszeit. Und so viel Zeit wie nur möglich verbringt Schweighöfer natürlich mit seinen beiden Kindern. Ihnen hat er auch seinen neuen Film ‘Der Nanny’ gewidmet.

Der mit seiner Familie in Berlin lebende Schweighöfer wurde am 11. März 1981 in Anklam in Mecklenburg-Vorpommern geboren und stammt aus einer echten Schauspieler-Familie. Vater Michael Schweighöfer spielt am Deutschen Theater Berlin. Mutter Gitta Schweighöfer ist auf der Theaterbühne ebenso zu Hause wie bei Film und Fernsehen. Und beide sind in kleinen Rollen auch immer wieder in den Kinofilmen ihres Sohnes zu sehen.

Schweighöfer wuchs nach der Trennung seiner Eltern in Frankfurt (Oder) und Chemnitz auf. Sein Kinodebüt gab er mit 16 Jahren in Andreas Dresens ‘Raus aus der Haut’. Im Jahr 2000 ließ er sich als Ben in ‘Verbotenes Verlangen – Ich liebe meinen Schüler’ von seiner Lehrerin verführen und bekam dafür den Förderpreis des Deutschen Fernsehpreises. Die Ausbildung an der Berliner Schauspielschule Ernst Busch brach Schweighöfer ab – und drehte lieber den Film ‘Soloalbum’, mit dem ihm 2003 der Durchbruch auf der Kinoleinwand gelang. Inzwischen zählen zu Schweighöfers Trophäen auch Bambi, Grimme-Preis, Goldene Kamera und der Publikumspreis des Deutschen Filmpreises.

In Til Schweigers Kinoerfolgen ‘Keinohrhasen’ (2007) und ‘Zweiohrküken’ (2009) begeisterte Schweighöfer das Publikum als tollpatschiger Boulevardfotograf. Dann trat Schweighöfer in die Fußstapfen seines Mentors und drehte eigene Filme. “Mittlerweile haben wir nicht mehr so viel miteinander zu tun. Ich habe ihn lange nicht gesprochen – und wir haben auch noch nie wirklich über meine Filme geredet.”

Nicht nur in komischen Rollen überzeugt der Schauspieler. Viel Lob erhielt Schweighöfer für seine Darstellung in dem TV-Film ‘Mein Leben – Marcel Reich-Ranicki’ (2009) über das Schicksal des jüdischen Literaturkritikers. Auch als leidenschaftlicher ‘Schiller’ (2005) im gleichnamigen Fernsehfilm zog er die Zuschauer in seinen Bann.

“Die Filmwelt hat sich sehr verändert”, bedauert Schweighöfer. “Heute unterschätzen Produzenten und Regisseure oft die Arbeit von Schauspielern. In den USA dagegen ist der Schauspieler der Film. Bei mir bekommt zum Beispiel jeder Schauspieler nach Drehende ein Geschenk: eine Flasche Wein oder Wodka oder Blumen.” Schauspieler seien es gar nicht mehr gewohnt, ein Dankeschön für ihre Arbeit zu erhalten.

Am Filmset sei er dafür ein echter Pedant, erzählt der ehrgeizige Regisseur, der in ‘Der Nanny’ dieses Mal nicht den Herzensbrecher, sondern einen fiesen Bauspekulanten spielt. Doch natürlich wird auch diese Filmfigur zum Schluss zum Guten bekehrt. Denn auf eins kann man sich bei einem Schweighöfer-Film verlassen: Es gibt immer ein Happy End. (Elke Vogel, dpa)

Fotos: Warner Bros.