Montag, 23. März 2015, 22:49 Uhr

RDGLDGRN: Afro-Beat trifft auf Indie-Hooks

RDGLDGRN treten in einer Zeit auf den Plan, in der die Populärkultur den Vokalen nur eine untergeordnete Rolle beimisst. Ein Glück, denn andernfalls hätte man sich bei der Antwort auf die Frage nach der aktuellen Lieblingsband direkt die Zunge verknotet und wäre gerade mal bis zum ‚D’ gekommen.

So aber weiß man gleich, logo, die heißen Red Gold Green. Rot, Gold und Grün – das Farbensemble Afrikas. Das Kolorit, auf das sich viele Künstler bezogen, die den Geist des Kontinents durch ihre Musik schwingen ließen. Das sich Lee Scratch Perry bereits in die Haare färbte, das Bob Marley als symbolischen Anstrich des Rastafari-Glaubens über sein Schaffen legte und in dem das Bandlogo der Bad Brains erstrahlt. Und den Bad Brains darf man vielleicht sogar eine geistige Patenschaft unterstellen, wenn man zu erklären versucht, was RDGLDGRN so großartig macht.

Zum einen kommen beide Bands aus Washington DC, einer Stadt, deren Musikszene natürlich durch das politische Grundklima der Stadt bedingt ist und die in den letzten Jahrzehnten immer wieder selbstbestimmte bis oppositionelle musikalische Entwürfe hervor gebracht hat. Zum anderen brachten und bringen beide Bands unterschiedlichste Soundwelten zusammen. Bei den Bad Brains waren es Hardcorepunk und Dub-Reggae, bei RDGLDGRN sind es gleich ganze Sonnensysteme von Genres.

Das Beatgerüst wird nicht selten auf den klassischen rhythmischen Pattern des Go-Go Funk errichtet und übrigens auf dem Banddebüt von einem anderen, nicht ganz unbekannten Local namens Dave Grohl eingetaktet. Sie inhalieren die Energie des Stadt-typischen Indierock- und Punksounds genau so wie deren Soul-Erbe.

Im RDGLDGRN-Sound trifft sozusagen Henry Rollins auf Marvin Gaye unter dem weiten Horizont hymnischster Pop-Euphorie. Sie würzen mit Afro-Beat, Singalongs und Indie-Hooks nach, kicken Rhymes und bewegen sich dabei eher auf dem Gesinnungshoch der Old School-Rap-Fraktion.

Einer der Vorzeigesongs, in dem all die Qualitäten dieser Band zusammen fallen, ist die erste Single “Doing The Most”. Von keinem Geringeren als Pharrell Williams produziert und miterdacht, invertiert diese Nummer nicht nur jeglichen Anflug von schlechter Laune, sie widersetzt sich auch jedem Schubladendenken. Ein Feuerwerk von Bläserakzenten, String-Harmonien, von treibenden Beats, perkussivem Furor, einer unwiderstehlichen Feelgood-Attitüde und einem augenblicklich zündenden Chorus. Inhaltlich ein Aufruf, wenigstens zeitweise dem Smartphone-bedingten Verfügbarkeitswahn zu entsagen und einfach zwei bis drei Mal weniger den kleinen Kasten aus der Tasche zu ziehen. Es sei denn, es geht darum, unter Kopfhörern diesen Track auf Dauerrepeat zu schalten. Das ist natürlich erlaubt und nur allzu verständlich.