Mittwoch, 25. März 2015, 12:52 Uhr

24. Echo in Berlin: Glamour trotz Germanwings-Katastrophe?

Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg, Deichkind: Zur 24. Echo-Verleihung werden am Donnerstag wieder viele Musiker auf Bühne und rotem Teppich in Berlin erwartet. In mehr als 30 Kategorien wird der Musikpreis vergeben – auch in diesem Jahr wieder ein Anlass für die Branche, sich selbst zu feiern.

Inwieweit die Gala wegen des Absturzes des Germanwings-Flugzeugs am Dienstag verändert werden sollte, war zunächst unklar. Informationen dazu sollen heute bekanntgegeben werden. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie, Florian Drücke, schrieb bei Twitter: “In Gedanken sind wir bei den Angehörigen und Freunden der Opfer des verunglückten Fluges.”

Wie schon im vergangenen Jahr geht Helene Fischer als Favoritin auf einen der Preise ins Rennen. Sie ist viermal nominiert, unter anderem könnte ‘Atemlos durch die Nacht’ zum Hit und ‘Farbenspiel’ zum Album des Jahres gekürt werden. Ebenfalls viermal nominiert: Andreas Bourani (‘Auf uns’). Er könnte beispielsweise in der Kategorie Künstler Rock/Pop national gewinnen.

In einer anderen Kategorie steht die Gewinnerin schon fest: Sängerin Nana Mouskouri darf sich über eine Auszeichnung für ihr Lebenswerk freuen. Udo Lindenberg wird mit dem Echo für sein soziales Engagement geehrt. “Udo Lindenberg setzte bereits in den 70ern mit der Kampagne ‚Rock gegen Rechts‘ ein Zeichen für Toleranz und gegen Neonazismus“, so Dr. Florian Drücke. „Nahezu beispiellos in der deutschen Musikszene ist sein frühes Eintreten für die Überwindung der deutschen Teilung. Mit Songs wie ‚Mädchen aus Ostberlin‘, ‚Rock’n‘Roll Arena in Jena‘ und ‚Sonderzug nach Pankow‘ bezog er politisch klar Stellung und sprach sich leidenschaftlich für die Maueröffnung aus. Darüber hinaus tritt Udo Lindenberg entschlossen für Umweltschutz, gegen Atomenergie und weltweit für Friedenspolitik ein. Mit seiner 2006 gegründeten Udo Lindenberg Stiftung unterstützt er zudem diverse Hilfsprojekte in Afrika.“

Musiker wie Gentleman, Campino, Andreas Gabalier und die deutsche Eurovision-Song-Contest-Kandidatin Ann Sophie werden während der Show auftreten. Die Veranstalter hatten Wochen vor der Gala die Nominierten in den unterschiedlichen Kategorien verkündet. So treten in der Königsdisziplin – dem Album des Jahres – AC/DC, Helene Fischer, Herbert Grönemeyer, Pink Floyd und die Künstler der Serie «Sing meinen Song» an.

Für Zündstoff könnte die doppelte Nominierung der umstrittenen Deutschrockband Frei.Wild sorgen. Vor zwei Jahren war die Südtiroler Gruppe (‘Still’) nach Protesten von der Nominierungsliste gestrichen worden. Mitbewerber hatten der Gruppe eine Nähe zur rechten Szene unterstellt und mit Boykott gedroht. Die Band hatte extremistische Tendenzen bestritten. Bereits 2014 war Frei.Wild dann erneut nominiert – lehnte aber eine Teilnahme bei der Gala ab.

Moderiert wird die Show in diesem Jahr von Barbara Schöneberger. Sie freue sich auf einen lustigen Abend mit vielen tollen Bands, super Showacts und mit glücklichen Gewinnern, erzählte sie im Interview wenige Tage vor der Show.

Die Deutsche Phono-Akademie – das Kulturinstitut des Bundesverbandes Musikindustrie – verleiht den Musikpreis. Einen Echo mit nach Hause nehmen kann in den meisten Kategorien nur, wer auch in den Charts erfolgreich war, denn nominiert sind nach Angaben des Bundesverbandes Musikindustrie die Bestplatzierten der offiziellen deutschen Top-100-Album-Charts. Eine Jury wählt dann aus den fünf Bestplatzierten je Kategorie ihre Favoriten.

Zum ersten Mal wird in diesem Jahr auch das Engagement eines Künstlers in den Sozialen Medien geehrt – mit dem ‘Best Interactive Act’. Das Erste überträgt die Gala am Donnerstag um 20.15 Uhr live. Übrigens: Nicht nur Musiker sind beim Musikpreis willkommen. Auf der Gästeliste stehen auch Film- und Fernsehstars wie Til Schweiger, Anna Maria Mühe und Cindy aus Marzahn. (dpa)

UPDATE: Als Reaktion auf das Unglück sagte Germanwings seine Teilnahme ab. Die Airline ist Sponsor beim Echo. Acht bis zehn Vertreter der Fluggesellschaft hätten ihren Besuch gestrichen, sagte ein Sprecher. Auch alle Promotion- und Marketing-Aktionen seien gestoppt worden.

Fotos: ARD/Jens van Zoest, wenn.com