Freitag, 27. März 2015, 22:28 Uhr

Erschütternd unterhaltsam: "In meinem Kopf ein Universum"

Am 9. April startet in den deutschen Kinos der Film ‘In meinem Kopf ein Universum’. Ein Drama mit der Emotionalität von ‘Mein linker Fuss’ und dem Humor von ‘Ziemlich beste Freunde‘. Im Rahmen unserer losen Preview-Reihe stellen wir den bewegenden Film vor.

Und darum geht’s: Mateus liebt die Sterne. Oft lehnt er nachts am Fenster und blickt in die Tiefen des Universums. Und immer stellt er sich die eine Frage: “Wie kann ich den anderen zeigen, dass ich nicht zurückgeblieben bin? Wie kann ich beweisen, dass ich fühle und denke wie jeder andere?”

Mateus leidet unter einer zerebralen Bewegungsstörung und ist nicht im Stande seinen Körper zu kontrollieren. Obwohl er nicht mit seiner Umwelt kommunizieren kann, nimmt er doch alles um sich herum wahr: Die abstoßenden Bemerkungen seiner Schwester. Das Lächeln der wunderschönen Anka. Die liebevolle Fürsorge seiner Mutter. Und die üppigen Brüste der netten Nachbarin. Doch der Tag wird kommen, an dem er es allen zeigen wird…

Bei den Filmfestivals in Montréal, Seattle und in Chicago wurde der Film von Kritikern und Publikum begeistert gefeiert und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. auch den begehrten Publikumspreis der Filmkunstmesse in Leipzig. ‘In meinem Kopf ein Universum’ ist ein bewegendes Drama, das zu Tränen rührt, zum Nachdenken anregt und den Zuschauer auch zum Lachen bringt. Basierend auf einer wahren Geschichte zeigt der Film das Leben des gelähmten Mateus, der durch seine Selbstironie, Lebensfreude und Abenteuerlust in die unglaublichsten Situationen gerät.

Der polnische Regisseur Maciej Pieprzyca sagte über seinen Film: “Das Drehbuch zu ‘In meinem Kopf ein Universum’ basiert auf einer wahren Geschichte und wurde von Przemek inspiriert, der mit einer zerebralen Bewegungsstörung geboren wurde. Er lebt bis heute in einer Einrichtung für geistig behinderte Menschen.”

“Obwohl er seinen Körper nicht kontrollieren kann, stellte sich heraus, dass sein Geist völlig wach und gesund war. Jahrelang sagte man, er sei ein „Gemüse“, bis sich zeigte, dass er sich nur nicht verständigen konnte.”

Die Geschichte von Mateus, beziehungsweise von Przemek, stelle vor allem grundlegende Fragen über das Leben, den Tod, Glaube, Liebe, Normalität und Verständnis, so der Regisseur weiter. “Im Leben gibt es selten eindeutige Momente von Traurigkeit oder Freude, es ist eher ein Zwischenzustand dieser Gefühle. Das Leben ist gleichermaßen komisch und tragisch, deswegen ist der Film auch eine Tragikomödie.”

Die Filmsprache liegt zwischen Spielfilm und Dokumentarfilm. “Viele Szenen wurden in einer Klinik für geistig-behinderte Menschen gedreht und viele Rollen wurden von Patienten dort übernommen. ‘In meinem Kopf ein Universum’ ist vor allem eine Geschichte mit einer positiven Botschaft: Gib niemals auf, stelle dich den Hindernissen und Einschränkungen und genieße dein Leben, wie es ist. Glück findet man oft in den unwahrscheinlichsten Momenten. Ich hoffe, dass Mateus‘ Geschichte von vielen Zuschauern auf der Welt auf diese Weise verstanden und miterlebt wird.”

In der Hauptrolle ist übrigens Dawid Ogrodnik zu sehen, ein körperlich gesunder Schauspieler, der als Mateus eine herausragende Leistung liefert. Das US-Magazin ‘Variety’ schrieb dazu: “Der Film drückt weder auf die Tränendrüse, noch nähert er sich dem Thema kühl-wissenschaftlich, sondern ist überraschend unterhaltsam.”

Dawid Ogrodnik, geboren 1986, ist das Schauspieler-Nachwuchstalent Polens. Im Jahr 2013 stand er fu?r ‘You Are God’ von Leszek Dawid vor der Kamera. Der Film über die legendäre polnische Band ‘Paktofonika’ war einer der größten Erfolge für das polnische Kino und der Durchbruch für Ogrodniks Karriere als Schauspieler. Auf dem Festival des polnischen Films in Gdyina wurde er fu?r diese Rolle mit dem Preis für den besten Nebendarsteller ausgezeichnet. Im Jahr 2014 spielte er den Saxophonisten Lys in dem Arthouse Erfolgsfilm ‘Ida’ von Pawel Pawlikowski, der auf zahlreichen Filmfestivals ausgezeichnet wurde und zuletzt den Europäischen Filmpreis gewann und für den Ausländischen Oscar nominiert wurde. Derzeit filmt er ’11 Minut’ von Regisseur Jerzy Skolimowski.

Fotos: MFA, Esquire