Sonntag, 29. März 2015, 12:59 Uhr

Gabriel Rios: Plauderei mit dem belgischen Enrique Iglesias

Gabriel Rios (36) könnte man den belgischen Enrique Iglesiasnennen. Dann würde man den smarten Puertoricaner, der der Liebe wegen nach Belgien zog, aber wahrscheinlich nur auf seine Optik und die damit verbundene Wirkung, auf seine vor allem weiblichen Fans, reduzieren.

Doch der gute Mann kann tatsächlich singen und sogar noch Gitarrespielen – #TeamMultitasking. Mit seinem neuen Album ‘This Marauder’s Midnight’ möchte Gabriel jetzt auch außerhalb seiner Wahlheimat Belgien groß rauskommen. Dort ist er nämlich schon längst ein anerkannter Künstler, der sogar schon eine Nominierung bei den MTV Europe Music Awards vorweisen kann. klatsch-tratsch.de-Reporter Dennis hat sich mit ihm über das Lebensgefühl in Chinatown, Ersatzgroßeltern und schräge Busfahrten durch Berlin unterhalten.

Um dein neues Album zu machen, bist du nach New York gezogen. Warum?
Ich war eine Weile in Europa gewesen und wollte in ein englischsprachiges Land mit einer großen Live-Musik-Szene. Ich wollte an einen Ort, an dem ich alle paar Wochen mit meiner Gitarre auftreten kann, um meine neuen Songs live zu testen. Dort lernte ich auch meine Band kennen, die mich live mit Cello und Bass begleiten. Dieser minimalistische Sound hat uns und auch das Publikum sehr fasziniert. Ich denke das Albumkonzept war, dass wir nichts aufgenommen haben, was wir drei live nicht hätten spielen können. Wir wollten das es so klingt, als ob wir drei allein in einem leeren Raum spielen.

Und warum gerade Chinatown?
Für ein Interview mit einer belgischen Zeitung habe ich dort mal vor Jahren Bilder gemacht. Ich weiß noch, dass ich im Interview gesagt habe, dass ich niemals an einem so unglaublich belebten Ort leben könnte. Einige Jahre später bin ich dann nicht nur nach Chinatown, sondern sogar noch in den Block gezogen, indem damals die Bilder entstanden. Ich habe einfach auf eine Anzeige bei Craigslist geantwortet und da war ich dann. Es ist schon verrückt, wie deine Einstellung dich einen Ort wahrnehmen lässt. Trotz der ganzen Hektik um mich war ich total entspannt. Jeder geht dort seinen Geschäften nach. Es fühlt sich an, als sei man in einem anderen Land, in dem man nichts versteht. Das ist sehr befreiend. Meine Unterkunft war nur ein paar Blöcke von der Rockwood Music Hall entfernt, in der ich alle paar Wochen einen Auftritt hatte. Eigentlich habe ich die Lower East Side nie verlassen, weshalb es sich gleichzeitig so angefühlt hat, als ob ich in einer Kleinstadt wohnen würde.

Du bist ursprünglich der Liebe wegen nach Belgien gezogen, wo du immer noch hauptsächlich lebst. Seid ihr denn noch zusammen?
Nein, wir sind aber immer noch gute Freunde. Ich bin sogar der Patenonkel von ihrem Sohn.

Was hast Du mit dem ersten Geld gekauft, das du mit Musik verdient gekauft hast?
Ich glaube ich habe davon meine Miete bezahlt.

Verbindest Du etwas Bestimmtes mit Deutschland?
Ja, ich bin mit einem dieser Doppeldeckerbusse durch Berlin gefahren. Die ganze Geschichte und die Architektur in der Stadt sind beeindruckend. Die Tatsache, dass durch diese Stadt eine Mauer ging, gibt dem Ganzen etwas Surreales. Ich saß damals oben auf einem Oben-ohne-Doppeldecker und es fühlte sich an, als ob ich durch eine Traumlandschaft fahren würde. Es war, als ob ich durch das Gehirn der Stadt reisen würde, wo ich Erinnerungen, menschliche Erfahrungen gepaart mit Architektur zusammengefasst in einer Stadt erkunde. Und nein, ich war nicht auf Drogen (lacht).

Was war dein seltsamstes Fan-Erlebnis?
Ein älteres Paar, das regelmäßig zu meinen Konzerten kam, ist mittlerweile wie meine Großeltern für mich geworden. Wir haben uns immer nach meinen Konzerten getroffen und sind richtig gute Freunde geworden. Sie kommen fast zu allen meinen Konzerten und bringen mir häufig kubanischen Zigarren und Schokolade mit. Ich halte sie aber nicht für seltsam, sondern finde es eher komisch, wie nah man eigentlich fremden Menschen kommen kann.

Was machst du so in deiner Freizeit?
Ich boxe dreimal in der Woche und schaue mir viele Filme an. Ohne Filme könnte ich nicht leben.

Was hast du für dieses Jahr noch geplant?
Ich will reisen und für meine Fans spielen. Das ist alles, was ich will. Dieses Jahr kommt das Album so ziemlich überall raus, deshalb gibt es sehr viele Auftrittsmöglichkeiten. Deutschland ist das erste Land, in dem wir das Album promoten. Ich bin total von den deutschen Fans begeistert, weil die wirklich zuhören.

Fotos: Sony