Montag, 30. März 2015, 19:35 Uhr

Ulrich Tukur über seine Rolle als der putzige Professor Grzimek

Ulrich Tukur beneidet den von ihm gespielten Bernhard Grzimek um dessen Live-Sendungen. “Seine Auftritte im Fernsehen – wie er da so saß mit bunter Krawatte und modischer Brille und seine ‘Ach, übrigens…-Anekdoten erzählte – hatten ja schon etwas sehr Betuliches, Bürgerliches und mitunter unfreiwillig Komisches”, sagte Tukur der Deutschen Presse-Agentur.

“Aber es ist eben alles live gewesen – was ich so liebe. Da ist das Fernsehen wie Theater. Das ist nicht ungefährlich, da kann allerhand passieren”, meinte der 57-Jährige. “Sehr vieles was wir jetzt im Fernsehen erleben, ist zum Sterben langweilig, abgesichert bis ins Letzte von fantasielosen, ängstlichen Redakteuren, totes Zeug.”

“Das hat gelebt damals”, sagte Tukur über Grzimeks Auftritte in der TV-Reihe ‘Ein Platz für Tiere’ (1956-1987). “Es ist rührend, wie er, wenn es schief lief, versuchte zu retten, was zu retten war. Das ist teilweise zum Schreien komisch, und es ist wunderbar menschlich.”

Mehr zu Ulrich Tukur: Nächster Tatort-Fall wird Experiment ohne Beispiel

Christine Strobl, Geschäftsführerin ARD Degeto und Redakteurin von ‘Grzimek’ sagte dazu: “Es gibt Stoffe, bei denen man sich fragt, warum sie noch nicht filmisch umgesetzt wurden. ‘Grzimek’ ist so einer – ein Film, den man schlichtweg machen muss.
Denn kaum ein Stoff eignet sich für einen packenden und zugleich gesellschaftlich relevanten Feiertagsfilm so gut wie die Lebensgeschichte von Bernhard Grzimek. Jeder kannte ihn. Er hat uns die Tierwelt in die Wohnzimmer gebracht. Er war Veterinär, Forscher, Tierfilmer, Fernsehmoderator – und beruflich wie privat eine vielschichtige Persönlichkeit.”

So kam beispielsweise Sohn Michael bei einem tragischen Flugzeugabsturz im Alter von nur 24 Jahren ums Leben, wofür Grzimeks Ehefrau Hilde ihrem Mann fortan schwere Vorwürfe macht. 1980, sieben Jahre vor seinem Tod, ereilt ihn ein weiterer herber Schicksalsschlag, der alte Schuldgefühle wachruft und neue entstehen lässt: Sein Adoptivsohn Thomas (Jerry Hoffmann) begeht Selbstmord.

Grzimeks Arbeit ging immer vor, die Familie hatte deshalb oft das Nachsehen. Dazu sagte Ulrich Tukur: “Der Film zeigt ein Familiendrama vor der Kulisse des wiedererstehenden Deutschland, wie man es sich bewegender und abgründiger kaum vorstellen kann. Und er zeigt den Kampf eines Mannes für eine bessere Welt, der in seiner engsten Umgebung viel Schaden
anrichtet und am Ende erschu?ttert erkennt, dass auch er die Vernichtung der Natur durch den Menschen nicht aufhalten konnte.”

An Karfreitag läuft der fast dreistündige Film ‘Grzimek’ mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle um 20.15 Uhr in der ARD.

Fotos: ARD Degeto/UFA Fiction/Kevin Sawyer, HR/Kurt Bethke