Sonntag, 05. April 2015, 13:15 Uhr

Hanno Koffler über seinen neuen Film "Härte", Karate und Musik

Am 23. April startet in den deutschen Kinos Rosa von Praunheims Drama ‘Härte’. In der Hauptrolle TV- und Kinostar Hanno Koffler. Der Film ist die wahre Geschichte des Spitzensportlers Andreas Marquardt (zweites Foto).

Hanno Koffler über seinen neuen Film "Härte", Karate und Musik

Der wurde zum brutalen Zuhälter, verbüßte acht Jahre im Knast und durch eine Therapie arbeitete er seinen jahrelangen Missbrauch als Kind durch seine Mutter auf. Jetzt engagiert er sich für missbrauchte Kinder. Erzählt wird die Geschichte von ihm und seiner Freundin Marion, die jahrelang als eine von vielen für ihn auf den Strich ging und als einzige bis heute zu ihm hält.

Als Kofflers Freundin ist Luise Heyer zu sehen, seine Mutter wird von der wunderbaren Katy Karrenbauer gespielt. klatsch-tratsch.de-Kinoexpertin Geraldine hat Hanno Koffler getroffen.

Hanno Koffler über seinen neuen Film "Härte", Karate und Musik

Du hast in Wien am Reinhard Seminar studiert, wie lange warst du denn da?
Ich war fünf Jahre in Wien, da ich zu der Zeit gerade Vater geworden bin und am Burgtheater engagiert war.

Wo gehst du mehr auf, als Filmschauspieler oder Theaterschauspieler?
Im Moment sehe ich mich mehr im Film, weil ich mit dem Theater pausiere, aber ich vermisse es sehr und würde gerne wieder Theater spielen.

Gäbe es da eine bevorzugte Rolle?
Im Theater? Da gibt es so viele tolle Rollen, es geht dann auch viel darum, mit wem man dann zusammenarbeitet.

Mit wem würdest du z.B. gerne arbeiten?
Herbert Fritsch macht sehr ungewöhnliches Theater und hat mich auf der Bühne sehr berührt. In Braunschweig habe ich mit Daniela Löffler, einer jungen Regisseurin, zusammengearbeitet, mit ihr würde ich z.B. auch gerne wieder was machen, da gibt es echt einige Leute mit denen ich gerne kollaborieren würde.

“Härte” ist kein gewöhnlicher Film. Er ist eine Mischung von Interviews und Spielszenen. Was hat dich denn daran fasziniert?
Diese authentische Geschichte von Andreas Marquardt, und dass dies auf einer wahren Begebenheit basiert und wie damit umgegangen wurde. Das Opfer einer tragischen Missbrauchssituation wird klassisch zum Täter und dann diese Wandlung am Ende, dass er alles hinter sich lässt und seine zweite Chance ergreift. Ja, eine sehr aussergewöhnliche Geschichte.

Hanno Koffler über seinen neuen Film "Härte", Karate und Musik

Für den Film, in dem es um die eiskalte Berliner Kiez-Größe Andreas Marquardt geht, hast du einige Monate Karate trainiert. Im Film musst du deine Freundin schlagen, sieben Jahre lang ist dein Charakter von der eigenen Mutter missbraucht und vom Vater malträtiert worden. Wie wichtig war Marquardt, nach dessen Biografie der Film entstand, in der Vorbereitung? Und wo holt man sich die Inspirationen her für die Rolle eines versauten Lebens, das aus Demütigung und Angst in Verachtung, Selbsthass und Brutalität umschlägt?
Ich mache schon länger Kickboxen. Karate-Unterricht bei Andy war dann nochmal eine Focussierung auf die Rolle, auch weil es wichtig war mit ihm Zeit zu verbringen. Man geht im Film immer über Grenzen. Es hatte nichts mit Inspiration zu tun, mich hat es einfach gereizt diese Rolle zu spielen. Ich habe mich mit Andy gemeinsam vorbereitet in dem ich mit ihm viel über dieses Thema geredet habe und er selbst ist sehr schonungslos und sehr offen diesbezüglich. Das nimmt einen manchmal ganz schön mit. Er war auch vor Ort und es hat natürlich auch ihn sehr berührt, das zu sehen, das wieder zu durchleben. Es war unglaublich intensiv.

Was war das für ein Punkt, an dem du gesagt hast, diese Rolle will ich unbedingt spielen und was hat den Ausschlag dafür gegeben?
Ich fand die Geschichte einfach spannend.

Hanno Koffler über seinen neuen Film "Härte", Karate und Musik

Rosa von Praunheim zählt zu den bekanntesten schwulen Filmemachern. In dem Film ‘Rosakinder’, einer Hommage von fünf Regisseuren, wird Praunheim als “Gottvater des schlechten Geschmacks” bezeichnet. Und Tom Tykwer sagte: “Seine Filme sind manchmal idiotisch, aber ergreifend.” Was ist das Besondere an ihm?
Ich habe Rosa über diese Arbeit kennengelernt und der Film “Rosakinder” ist übrigens ganz toll. Rosa ist eine ungewöhnliche Persönlichkeit, jemand der sich eine Frische im Denken erhalten hat und vor allem einen unglaublichen Blick auf die Dinge und Menschen hat. Er stellt Fragen, die einen aus der Reserve locken. Ich habe Rosa kennengelernt und er hat sich vorgestellt mit dem Satz “Hallo ich bin die Tunte Rosa und ich bin acht”. Das ist einfach wunderbar. (lacht)

“Härte” startet am 23. April. Es ist noch nicht raus, ob er – angesichts seiner Konstruktion als Dokudrama wie man es aus dem Fernsehen kennt – ein großes Publikum finden wird. Was wünscht du dir?
Das ist nie klar und das kann man auch nicht beeinflussen. Ich würde mir zuerst mal wünschen, dass sich die Leute den Film ansehen und sich auf das Thema einlassen. Ich glaube, dass der Film seinen eigenen Sog entwickelt, dem man sich nicht entziehen kann. Das Schöne ist, dass dies zwar ein unglaublich hartes Thema ist, jedoch von einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte getragen wird. Der Film entlässt einem nicht mit einem schlechten Gefühl. Das dies ein einzigartiger Film ist, sage ich nicht nur so!

Hanno Koffler über seinen neuen Film "Härte", Karate und Musik

Nicht auch mal Lust in einer internationalen Produktion mitzuwirken?
Das kommt auch da, auf die Geschichte an und auch darauf wer das macht etc., aber klar auf jeden Fall. Es gibt tolle Regisseure da draußen, mit denen man gerne zusammenarbeiten würde, aber es gibt einfach so viele. Allein in Deutschland gibt es so großartige Leute, mit denen ich noch nicht gearbeitet habe. Es kommt einfach immer auf das Projekt und die Kombination an.

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Was sind deine nächsten Projekte?
Diese Jahr werden noch ein paar Filme rauskommen. Ich hab z.B. mit einer jungen Regisseurin zusammen gearbeitet, die letztes Jahr in England Film studiert hat, der Film heisst “Die Treppe aufwärts”, dann gibt es eine ARD Produktion, die aber auch ins Kino kommen wird, mit Daniel Harrich. Ich schreibe auch gerade mit Stephan Lacant, dem Regisseur von “Freier Fall”, an einem gemeinsamen Drehbuch, das wird, glaube ich, ein ganz toller Film.

‘Freier Fall’, der dich ja noch viel bekannter gemacht hat, ist ja eigentlich noch nicht zu Ende erzählt. Wird es eine Fortsetzung geben? Regisseur Stephan Lacant hatte das ja in einem interview mit uns noch offen gelassen…
Es gab tatsächlich Gespräche, aber mehr kann auch ich nicht sagen…

Welche Filme schaut Hanno Koffler privat am liebsten und in welchem würdest du gerne mal mitwirken?
Oooohh, alles, wirklich alles querbeet.

Machst du eigentlich noch Musik mit deinem Bruder Max?
Nein, ich mach nur noch für mich allein gerne Musik.

Vermisst du die Musik nicht manchmal?
Doch, aber es war ein langer Prozess und mittlerweile kann ich ganz gut damit leben.

ZUR PERSON: Hanno Koffler gründete 1994 mit seinem Bruder Max Koffler die Band Kerosin, in der er Schlagzeug spielte. Das Kinodebüt gab er 2003 in ‘Anatomie 2’. Es folgten weitere Kinofilme unter der Regie von Marco Kreuzpaintner: ‘Ganz und gar’ und ‘Sommersturm’.

Während seines Schauspielstudiums am Wiener Max-Reinhardt-Seminar übernahm er u.a. Rollen in Shakespeares ‘Hamlet’ und in ‘Ein Sommernachtstraum’ unter der Regie von Klaus Maria Brandauer. 20134 spielte Hanno an der Seite von Max Riemelt in dem Kinodrama ‘Freier Fall’, ein Jahr später neben Götz George in ‘Besondere Schwere der Schuld’.

Fotos: Missing Films, klatsch-tratsch.de/Hannah Aspropoulos