Freitag, 10. April 2015, 11:50 Uhr

Christoph Waltz: "Social Media hat nichts mit sozialem Austausch zu tun"

Christoph Waltz gelang mit seiner Rolle des SS-Offiziers Hans Landa in Quentin Tarantinos ‘Inglourious Basterds’ 2009 der Durchbruch. Zwei Oscars, zwei Golden Globes und zahlreiche weitere Auszeichnungen später ist die Schauspielerei für den 58-Jährigen noch immer ein reiner Broterwerb geblieben.

Christoph Waltz: "Social Media hat nichts mit sozialem Austausch zu tun"

Das und mehr verriet Christoph Waltz im aktuellen Interview mit dem Magazin GQ. Warum er außerdem wenig von der Selbstinszenierung seiner Kollegen hält und wie er das Böse im Film und der Realität begreift, verriet er auch.

So vergleiche man Waltz gerne mit den großen Selbstinszenierern wie Peter Lorre, Oskar Werner, Helmut Berger und Klaus Maria Brandauer. Auf de Frage “Empfinden Sie solche Projektionen nicht seltsam?” sagte er: “Nein, weil ich sie kaum mitbekomme. Es geht nicht völlig spurlos an mir vorüber, es bringt mich eher in Verlegenheit. Die größte Gefahr an dem Ganzen ist die Veräußerlichung des Privaten. Viele Menschen glauben, sie werden ihren berühmten Idolen ähnlicher, wenn sie das auch tun, wenn sie eine Art Öffentlichkeit erzeugen.” Das Internet habe da immensen Schaden angerichtet, so waltz weiter. “Leute, die nicht wissen, was innerlich und was äußerlich ist, dafür gibt es nicht umsonst psychiatrische Indikationen. Es ist insgesamt eine soziale Katastrophe. Die Social Media haben mit sozialem Austausch nichts zu tun.“

Mehr zu Christoph Waltz: “Das kann morgen alles schon wieder vorbei sein”

In Tim Burtons ‘Big Eyes’ spielt der Östereicher Walter Keane, einen charmanten Hochstapler, der die Bilder seiner Frau Margaret als die eigenen ausgibt. Es ist eine wahre Geschichte. Dazu sagte Waltz: “Das ist eine wahnsinnig schwierige Sache. Es geht mittlerweile nur noch um wahre Geschichten, jede ist wahr, überall steht: nach einer wahren Begebenheit. Ich kann es nicht mehr hören. Keine Geschichte ist wahr, denn für jede Person sieht diese angebliche Wahrheit ja anders aus. Diese Sache mit den Keanes, die letztendlich in einer Gerichtsverhandlung kulminiert, wirft doch folgende Frage auf: Wie kann ein Mensch, der sich im Gericht 1967 dermaßen vergaloppiert, noch zehn Jahre zuvor ein vernünftiger, ruhiger, verlässlicher Zeitgenosse gewesen sein. Doch nicht wirklich, oder?“

Christoph Waltz: "Social Media hat nichts mit sozialem Austausch zu tun"

Foto: WENN.com, GQ