Dienstag, 14. April 2015, 23:08 Uhr

Spandau Ballet plaudern hier über ihren Film "Soul Boys Of The Western World“

Mit Hits wie „True“, „Gold“ und „Through The Barricades“ erlangten Spandau Ballet in den Achtzigern Weltruhm. Ab Donnerstag gehen die britischen New-Romantic-Helden nach sechs Jahren Pause erstmals wieder auf Tour.

Spandau Ballet plaudern hier über ihren Film "Soul Boys Of The Western World“

Parallel dazu stellen die fünf immer noch ansehnlichen Männer ihre DVD-Dokumentation „Soul Boys Of The Western World“ höchstpersönlich in deutschen Kinos vor. klatsch-tratsch.de-Autorin Katja Schwemmers hat mit Sänger Tony Hadley (54), Songwriter Gary Kemp (55) und Saxofonist Steve Norman (55) über Bandstreitigkeiten, ihre Rivalen Duran Duran, Thomas Gottschalk und ihr Lied für Berlin gesprochen.

Meine Herren, welche Erinnerungen verbinden Sie mit Deutschland?
Steve Norman: Nur die Besten! Deutschland war immer Teil unserer Bandgeschichte. In den Musicland-Studios von Giorgio Moroder in München haben wir damals die Alben „Parade“ und „Through The Barricades“ aufgenommen und wilde Partys mit Bon Jovi, Freddie Mercury und einigen anderen gefeiert, die ebenfalls dort abhingen. Das war eine unvergessliche Zeit.

Gary Kemp: Nicht zuletzt verdanken wir ja Deutschland unseren Bandnamen. Ein Freund von uns sah die gekritzelten Worte „Spandau Ballet“ an der Wand einer Toilette eines Berliner Nachtclubs. Als er uns davon erzählte, dachten wir, das wäre der perfekte Name.

Es gibt in Ihrer neuen DVD-Dokumentation „Soul Boys Of The Western World“ eine Sequenz, wo Sie über Berlin sprechen. Haben Sie wirklich dort gespielt in der Nacht, als die Mauer fiel?
Gary Kemp: Nein, nicht genau in jener Nacht. Aber unseren letzten Gig im Jahr 1989 haben wir in Berlin gespielt und das erste Konzert in den Neunzigern ebenfalls. Die Tour hieß „Through The Barricades“ – wie die Single und das Album. Der Titel war ein signifikantes Statement für die Zeit damals.

Tony Hadley: Ja, denn überall begannen, Mauern einzubrechen. Da war ein Gefühl von Hoffnung spürbar. Das Stück war mehr als ein Lied über zwei getrennte Liebende. Es hatte Symbolkraft.

Es war Ihr „Wind Of Change“?
Gary Kemp: (lacht) Das kann man so sagen! Es ist schon faszinierend, wie viele wichtige Momente „Through The Barricades“ begleitet hat. Das erste Mal habe ich das Stück 1986 ganz allein vor 200.000 Zuschauern bei einem Nelson-Mandela-Tribute-Konzert zu seinem 70. Geburtstag gespielt. Dann wurde es oft gespielt, wenn es um den Nordirland-Konflikt ging. Dann zum Mauerfall. Und in der Dokumentation hat der Regisseur den Song für den Moment benutzt, als wir nach 18 Jahren des Streits wieder zusammenfanden als Band. Man sieht uns im Probenraum, und ich spiele „Through The Barricades“. Das Lied ist zweifelsohne so etwas wie das Kernstück von Spandau Ballet.

Spandau Ballet plaudern hier über ihren Film "Soul Boys Of The Western World“

In den Neunzigern sahen Sie sich wegen Tantiemenstreitigkeiten ausschließlich vor Gericht. Hatte die Reunion-Tour von Spandau Ballet im Jahr 2009 etwas Heilendes?
Tony Hadley: Oh ja. Die Konzerte haben für Frieden in unseren Köpfen gesorgt und uns die Sicherheit gegeben, dass das Publikum uns immer noch mag. Das war eine verdammte Erleichterung!

Steve Norman: Es gab nie ein Treffen, wo wir den Streit vollends aus dem Weg räumen konnten. So richtig aufgearbeitet haben wir das erst jetzt für die DVD-Dokumentation. Jeder von uns wurde über die Krise einzeln befragt, so offen und ehrlich waren wir noch nie. Es förderte viele unbequeme und schmerzliche Wahrheiten zu Tage. Aber es half. Deshalb wird der Film auch bei unseren Konzerten eine Rolle spielen.

Wo haben Sie so plötzlich das ganze Material der New-Romantic-Zeit aufgetrieben?
Steve Norman: Der Typ, der die Aufnahmen in Steve Stranges berühmten Londoner Nacht-Clubs – dem „Billy’s“ und dem „Blitz“ – Anfang der Achtziger gemacht hat, hat sie in einer Kiste wiedergefunden. Ansonsten hätten wir aus der Zeit so gut wie nichts gehabt. Weil es damals kaum Kameras und Paparazzi gab. Und wenn doch TV-Teams vor Ort waren, mussten die vor der Tür auf uns warten.

Gary Kemp: Wir haben dann noch eine Schwarz-Weiß-Doku über unseren ersten Besuch in New York City aufgetrieben. Unseren Auftritt in der legendären „Soul Train“-Show in Amerika hatte ich noch nie vorher gesehen. Das war wahnsinniges Glück, dass wir die Aufnahmen gefunden haben, sonst hätte die Doku keinen Sinn gemacht. Es ist aber auch aus musikhistorischer Sicht ein interessanter Film: Es ist wunderschön, die Bilder des punkigen London der Siebziger anzusehen, ohne die auch „New Romantic“ nie passiert wäre.

Auf dem Cover der DVD machen Sie in Robin-Hood-ähnlichen Outfits dem New-Romantic-Look alle Ehre!
Tony Hadley: Als wir die Fotos 1981 in New York machten, fragten sich die Passanten: Wer sind bloß diese Typen? Wir fühlten uns damals wie fünf Aliens, die man im Big Apple ausgesetzt hatte!

Gary Kemp: Die Klamotten sehen deshalb so großartig aus, weil wir sie voller Selbstbewusstsein trugen. Musik und Mode war immer unsere Passion. Damals gab man mit Kleidung noch ein Statement ab. Heutzutage gibt es nicht mehr viel Individualität. Wenn ich noch einen Mann mit Bart sehe, muss ich brechen. (lacht)

In Ihrer Dokumentation sieht man auch Thomas Gottschalk. Wie kommt’s?
Gary Kemp: Er hat uns im Rahmen von „Thommys Pop-Show“ eine Goldene Schallplatte überreicht. Das ist 30 Jahre her. Es war der Abend bevor wir die Band-Aid-Single „Do They Know It’s Christmas?“ aufgenommen haben. Wir feierten mit Duran Duran die ganze Nacht in Deutschland durch und standen am nächsten Morgen völlig fertig vor Bob Geldof im Studio in London.

Spandau Ballet plaudern hier über ihren Film "Soul Boys Of The Western World“

Dabei waren Duran Duran in den Achtzigern doch offiziell Ihre Rivalen?
Tony Hadley: Es gab schon Wettbewerb zwischen beiden Bands. Duran Duran hatten zuerst die großen Hits, und wir spürten großen Druck, da nachziehen zu müssen. Spätestens mit „True“ haben wir das dann geschafft und waren auf der sicheren Seite. (lacht)

Gary Kemp: John Taylor von Duran Duran war bei unserer DVD-Premiere in Los Angeles. Wir hatten ihn bestimmt 20 Jahre nicht mehr gesehen! Es war auch für ihn großartig, die Ausschnitte aus den Achtzigern, von Band Aid und Live Aid, zu sehen. Er konnte sich auch gut mit unserer Krise identifizieren, denn er ist ja auch mal bei Duran Duran ausgestiegen, weil es interne Probleme gab. Jedenfalls hat er bei der Premiere in den höchsten Tönen von Spandau Ballet geredet und danach auch noch etwas über unseren Film auf der Duran-Duran-Webseite geschrieben. Er hat jetzt sogar das Vorwort für unser Programmheft der Tour geschrieben. Wer hätte das in den Achtzigern für möglich gehalten? Man kann also sagen, dass das Kriegsbeil nun ganz offiziell begraben ist. (lacht)

Spandau Ballet hatten immer einen erwachsenen Sound und waren trotzdem Teenie-Idole. Wie erklären Sie sich das?
Tony Hadley: Wir hatten das Beste aus beiden Welten! (lacht)

Gary Kemp: Am Anfang waren wir die kredibile Kultband, dann die umkreischte Teenieband, aber wir hatten immer einen Sound, der wie ein Markenzeichen ist. Den brauchst du auch, um erfolgreich zu sein. Unsere Musik machte uns einzigartig, deshalb haben wir bis heute überlebt.

Spandau Ballet plaudern hier über ihren Film "Soul Boys Of The Western World“

Erinnern Sie sich noch an den Moment, als Sie „True“ geschrieben haben?
Gary Kemp: Sehr gut sogar! Wir trommelten alle Leute ins Studio, spielten die fertige Aufnahme vor und sangen lauthals mit. Es war ein großartiger, emotionaler Moment. Wir wussten, dass „True“ uns alle Türen öffnen würde. In Amerika schafften wir es damit sogar ins „Black Music“-Radio. Deshalb haben wir den Film auch „Soul Boys Of The Western World“ genannt. Vielleicht hörte man in dem Lied zum ersten Mal, wie sehr uns nicht nur David Bowie und die Sex Pistols beeinflusst hatten, sondern auch die Soulmusik, die wir als Kids immer hörten.

Spandau Ballet können sich glücklich schätzen, Sie als Sänger zu haben, Mr. Hadley. Wie halten Sie Ihre Stimme fit?
Tony Hadley: Indem ich sie ständig benutze! Ich tue ja die ganze Zeit nichts anderes als zu singen! Vor ein paar Monaten war ich noch als Solist mit Orchester auf Tour. Jetzt geht es wieder los mit Spandau Ballet. Live vor Publikum zu singen, ist für uns alle das, warum wir das machen.

Doppel-CD: „The Very Best Of Spandau Ballet: The Story“ (Parlophone/Warner, bereits erschienen)
DVD: Spandau Ballet „Soul Boys Of The Western World“ (Eye See Movies, VÖ: 22.4.)

Kino Events:
15.4. (20 Uhr) CinemaxX Hamburg-Dammtor (in Anwesenheit von Spandau Ballet)
19.4. (18 Uhr) CinemaxX München-Isartorplatz (in Anwesenheit von Spandau Ballet)
22.4. (20 Uhr) CinemaxX Hannover, Bremen, Berlin, Regensburg, Stuttgart Liederhalle und Kiel

Soul Boys Of The Western World Tour:
16.4. Leipzig, Haus Auensee
17.4. Hamburg, CCH
18.4. Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle
20.4. Berlin, Tempodrom
21.4. Frankfurt, Alte Oper
22.4. München, Philharmonie im Gasteig
6.8. Schwetzingen, Schlossgarten


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Fotos: Warner Music, Scarlet Page, John Shaw