Mittwoch, 15. April 2015, 23:10 Uhr

Filmkritik "Nur eine Stunde Ruhe": Das Chaos beginnt mit einer Jazzplatte

Am Donnerstag startet die neue französische Kinokomödie ‘Nur eine Stunde Ruhe’. Unsere notorische Kinogängerin Katrin hat den Film schon gesehen und weiß schon vorm Kinostart mehr.

Filmkritik "Nur eine Stunde Ruhe": Das Chaos beginnt mit einer Jazzplatte

Michel Leproux (Christian Clavier, ‘Monsieur Claude und seine Töchter‘) hat es wirklich nicht leicht: ein gut bezahlter Beruf – er ist Zahnarzt – eine wunderschöne Frau Nathalie (Carole Bouquet ), eine riesige Wohnung mit sehr geschmackvoller Einrichtung, und Zeit für einen Bummel auf dem samtäglichen Flohmarkt hat er auch noch. Aber dann!

Mit einer Jazzplatte unter dem Arm, die Michel schon ewig gesucht hat, kehrt er nach Hause zurück. So ein Glück und eine Stunde Zeit, sich die Platte gleich anzuhören, die nimmt er sich. Denkt Michel. Seine Vorfreude reicht bis zum Auflegen der Platte: dann bricht immer wieder der ganze Kosmos an Wahnsinnigkeiten über ihn herein – die Filme mit Louis de Funès lassen grüßen.

Die Geliebte, Elsa (Valérie Bonneton) will ihn unbedingt sprechen. Erst sitzt sie im Cafe gegenüber, dann steht sie plötzlich vor der Tür. Elsa ist in einem aufgelösten Zustand, weiß Michels Frau Nathalie etwa von der Affäire? Und während sie so vor der Wohnung stehen und Michel eigentlich nur möchte, dass Elsa endlich verschwindet, rennen immer wieder Hausbewohner mit Partyzubehör an den beiden vorbei: denn heute ist großes Nachbarschaftsfest auf dem Hof.

Doch das ist längst nicht alles: während die beiden so lala ihre Affäre im Treppenhaus beenden, rennt immerzu ein Mann mit Bauschutt aus der Wohnung und zurück. Dort hämmert schon ein weiterer Handwerker. Ein Pole, und der legt das ehemalige Kinderzimmer des Sohnes in Schutt und Asche. Der Sohn, von „Beruf“ Globalisierungsgegner, über 30, finanziell von den Eltern abhängig, wohnt aktuell ein Stockwerk höher.

Filmkritik "Nur eine Stunde Ruhe": Das Chaos beginnt mit einer Jazzplatte

Frisch dazugezogen ist dann noch eine neunköpfigen Flüchtlingsfamile. Nachdem Michel die Affäre Elsa endlich in den Fahrstuhl verabschiedet hat, stattet der Vater dem verzogenen Sohn einen Besuch ab. Mit dem Ergebnis, dass die Flüchtlingsfamilie anschließend in seine Wohnung umzieht.

Der Handwerker hat dann plötzlich ein Wasserrohr getroffen, die Gattin liegt in der Badewanne und trägt später ihr Schärflein dazu bei, das Haus weiter unter Wasser zu setzen. Putzfrau Maria (großartig: Rossy de Palma) zieht so enervierend laut die Nase hoch, dass man es bis in den hintersten Winkel der bürgerlichen Wohnung hört. Der Wasserschaden in der Wohnung eins tiefer treibt den sehr übergriffigen polnischstämmigen Mieter Pavel (Stéphane De Groodt) in Michels Wohnung. Dann wird erstmal geklärt, warum der Handwerker vorgibt Pole zu sein. Soviel Zeit und Mut zur Wahrheitsfindung muss schon sein!

Filmkritik "Nur eine Stunde Ruhe": Das Chaos beginnt mit einer Jazzplatte

Michels Frau muss aber auch ganz dringend sofort mit ihm reden: ein Geheimnis, dass schon seit 20 Jahren auf ihr lastet und sie ganz schwermütig hat werden lassen, muss raus. Und zwar jetzt. Bis Michel endlich dazu kommt, die heiß ersehnte Jazzplatte zu hören, geschehen lauter absurde, chaotische – und natürlich sehr komische Dinge, die dem kleinen Zahnarzt wirklich alles abverlangen.

Fazit: überdrehte, überbordende und temporeiche Komödie mit französischen Charme! (KW)

Fotos: DCM