Mittwoch, 15. April 2015, 14:09 Uhr

Florian David Fitz über den Medien-Thriller "Die Lügen der Sieger"

Am 18. Juni startet in den deutschen Kinos mit ‘Die Lügen der Sieger’ ein neuer Film mit Publikumsliebling Florian David Fitz in der Hauptrolle. In dem spannenden Polit-Thriller beleuchtet Regisseur Christoph Hochhäusler ein hochaktuelles Thema.

Florian David Fitz über den Medien-Thriller "Die Lügen der Sieger"

Nämlich um die Auseinandersetzung mit Macht, Lobbyismus und die Manipulation von Medien. ‘Die Lügen der Sieger’ entspinnt ein geschicktes Spiel um gezielte Indiskretionen, lancierte Halbwahrheiten, die Jagd nach der großen Enthüllungsstory und die mitunter zwielichtige Arbeitsweise von Lobbyisten. So wirft Hochhäusler einen Blick auf die Akteure jenseits der öffentlichen Bühne und offenbart, wie sie politische und journalistische Prozesse beeinflussen und steuern. Damit geht es in dem Film um nicht weniger als die Integrität unserer Entscheidungsträger und vor allem die Verlässlichkeit unserer Informationsquellen.

Florian David Fitz und Lilith Stangenberg sind als Journalisten auf der Spur einer brisanten Geschichte; Horst Kotterba als Wegbereiter ihres fragwürdigen Erfolgs sowie Ursina Lardi und Arved Birnbaum als politische Lobbyisten und zwielichtige Strippenzieher im Hintergrund.

In einem hochinteressanten Interview spricht Florian David Fitz über die modernen Medien von heute und seinen neuen Film.

Der Journalist Fabian Groys sagt im Film: „Man ist immer nur so gut, wie seine letzte Story“. Was meint der Schauspieler Florian David Fitz dazu?
Das lässt sich vermutlich auf alle kreativen Berufe anwenden. Natürlich wird man tendenziell an dem gemessen, was passiert ist. Aber ich glaube, irgendwo muss man sich da auch locker machen. Egal, ob man Schauspieler oder Journalist ist. Man kann sich nicht von dem verrückt machen lassen, was alles falsch laufen könnte. Nur dann erhält man sich diese Naivität, die Freiheit und einen gewissen Größenwahn, den es halt auch braucht, um überhaupt etwas auf die Beine zu stellen.

Ein ASL-Erkrankter in ‘Hin und weg’, ein Mathematiker in ‘Die Vermessung der Welt’, ein junger Mann mit Tourette-Syndrom in ‘Vincent will Meer’ und jetzt ein investigativer Journalist mit Diabetes. Nach welchen Kriterien wählst du deine Rollen?
Ich versuche, so gut wie möglich zu mischen. Natürlich freue ich mich über einen erfolgreichen Film, aber ich freue mich genauso, wenn ich mir eine schauspielerische Freiheit bewahre. In diesem Fall hat mich sowohl Christoph interessiert als auch das Genre. Und darüber hinaus, wie Christoph mit diesem Genre umgeht. Er macht ja nicht nur einfach einen Polit-Thriller, sondern einen Christoph Hochhäusler-Polit-Thriller. Das macht das Ganze noch ein bisschen spannender. Zudem interessiert mich sehr, wie unsere Realität in den Medien geschaffen wird. Und dann ist Fabian noch als zwiespältige Figur angelegt. Das ist immer spannend zu spielen.

Florian David Fitz über den Medien-Thriller "Die Lügen der Sieger"

Du meinst die Zwiespältigkeit zwischen journalistischem Anspruch und Erfolg?
Man sieht schon noch die Leidenschaft, die in Fabian steckt. Aber man sieht auch diese gewisse Routine, die mit diesem Job kommt. Im Laufe der Zeit wird man so hart gekocht von diesen ganzen Fakten, mit denen man täglich konfrontiert wird. Das ist wahrscheinlich ähnlich wie in der Politik, man fängt mit einem großen Herzen an und will die Welt verändern. Aber wenn man ein arbeitender Journalist sein will, dann muss man eben primär eine gute Story schreiben. Die sind sicher auch gut recherchiert, unterliegen dann aber meistens anderen Kriterien, als nur der Wahrheit so nahe wie möglich zu kommen. Wahrheit allein ist meistens noch keine Story.

Und daraus ergeben sich die Fragen aus diesem Film: Wie verlässlich sind diese „Knaller-Geschichten“, durch wen könnten sie manipuliert sein und vor allem, wie beeinflussen sie die öffentliche Meinung?
Es sind ja nicht nur die offensichtlich ‚Bösen‘, also die PR-Agentur, die beeinflussen, was die Wahrheit ist. Eine Informationder Medien wird auf vielen Ebenen gefiltert. Das beginnt schon damit, welche Informationen bei uns ankommen. Welche sind relevant und welche Information interessiert uns überhaupt. Letztendlich ist das unser eigener Filter als Leser.
Meistens wollen wir nur das hören, was unsere Weltsicht bestätigt. Die Medien sind unter Zugzwang. Das veralbern wir im Film ja auch, wenn Fabian sagt: „Wie können wir die 120. Rückengeschichte machen? Dann haben wir wieder eine super Auflage.“ Und natürlich gibt es noch den Filter: Wer hat Interesse daran, was bei uns ankommt? Es ist also nicht
nur so, dass eine Seite die öffentliche Meinung beeinflusst. Das ist sehr ernüchternd. Ich glaube, da will uns Christoph Hochhäusler die Illusion in allen Richtungen nehmen.

Florian David Fitz über den Medien-Thriller "Die Lügen der Sieger"

Das klingt, als hättest du diese Illusion vor dem Film noch gehabt.
Na ja, früher sicher. Ich habe die Artikel gelesen und als gegeben oder als Wahrheit angenommen. Wenn man aber irgendwo dabei war, oder echten Einblick hat und später über dieselbe Sache liest, dann sieht man, dass das auch nur Menschen mit einer Meinung sind. Und findet dann überrascht handwerkliche Fehler. Das lässt einen dann doch mit ein wenig mehr Distanz an zukünftige Artikel gehen. Und das ist ja auch gut so. Wir sollen ja nicht alles nachquatschen.

Wahrheit bei gleichzeitiger Neutralität geht also in den Medien nicht?
Ich glaube, dass ist einer unserer falschen Ansprüche. Wir wollen immer die Welt durchdringen und denken, es gibt am Ende des Tages den einen wahren und guten Kern und den könne man journalistisch darstellen. Da hat mir Christoph auf seine sehr eigene Art den Kopf gewaschen und gezeigt, dass es das nicht gibt. Man darf vielleicht diesen hehren
moralistischen Anspruch an die Medien gar nicht haben. Eigentlich kann man nur schauen, wie man mit ihnen umgeht.

Florian David Fitz über den Medien-Thriller "Die Lügen der Sieger"

Aber Ende vergangenen Jahres hast du in einem Interview gesagt: „Ich glaube an eine Mitte. Und ich glaube an Moral…“
Dass ich an Moral glaube, hat sich auch nach dem Film nicht geändert. Nicht Moralin sondern Moral – zwei ganz unterschiedliche Sachen. Wir zücken ja immer ganz gerne den angespitzten Zeigefinger und deuten auf andere: der hat Steuern hinterzogen, der hat seine Bundestagsmeilen für Privatflüge genommen, aber selber zahlen wir natürlich die Putzfrau schwarz und gucken wie wir die Steuern noch drücken können. Aber das meine ich nicht. Ich besetze den Begriff Moral nach wie vor positiv und meine damit den gewissen moralischen Kompass, den man in sich hat. Die Journalisten sind da natürlich in einer Zwickmu?hle. Sie sind am Ende des Tages hin und her gerissen zwischen Informationsund Sendungsbewusstsein und der Vorgabe, Unterhaltung zu produzieren und Leser zu generieren.

Nun kennst du ja die Medien von der „anderen Seite des Tisches“. Wie hast du dich auf die Rolle deines Gegenübers, also des Journalisten vorbereitet?
Als Schauspieler kennen wir die Medien schon ein bisschen besser als der normale Zeitungsleser, einfach weil wir mit Journalisten häufiger in Kontakt kommen. Das ist sehr lehrreich. Aber hauptsächlich hat Christoph dieses Projekt wahnsinnig gut recherchiert. Ich konnte auf einen sehr reichen Fakten-Hintergrund zurückgreifen. Wir durften zusammen
zum ‘Spiegel’ gehen. Die waren so freundlich und haben uns in ihr Hauptstadtbüro gelassen und wir konnten alle Fragen stellen, die wir so hatten. Mir ging es bei dem Besuch eher um das tägliche Miteinander in der Redaktion. Das war für mich wahnsinnig spannend und hat in der Vorbereitung sehr geholfen.

Interview: NFP. Fotos: AEDT/WENN.com, NFP/Heimatfilm