Donnerstag, 16. April 2015, 20:08 Uhr

Filmkritik "Top Five": Großes Bohei um einen unwitzigen Komiker

Heute startete in den deutschen Kinos ‘Top Five’ mit Chris Rock ein Komiker in der Krise. Comedian Andre Allen (Chris Rock, 50), „Leg dich nicht mit Zohan an“) war der Star der fiktionalen Komödien-Reihe ‘Hammy the Bear”.

Filmkritik "Top Five": Großes Bohei um einen unwitzigen Komiker

Um das Niveau dieser Meilensteine der Filmgeschichte zu verdeutlichen, ist es nur noch notwenig, sich das Ganzkörperkostüm der Hauptdarstellers vorzustellen. Andre Allen leidet jedenfalls. Das Image von Hammy dem Bären, klebt an ihm wie, naja, was wohl. Allen konnte Hammy nie nüchtern darzustellen, seine Kreativität kam aus der Flasche und genau das will Allen jetzt ändern. Es muss grausam sein für einen Komiker, der nur lustig ist, wenn der Alkohol- bzw. Drogenpegel stimmt. Aber Allen hat noch andere aktuelle „Minenfelder“: seine Verlobte, das Reality-TV-Sternchen Erica Long (Gabrielle Union) istgerade dabei, die Hochzeit mit großem Tam-Tam für die Reality-Show aufzuziehen und das nervt ihn immer mehr.

Andre Allen (und spätetens hier verschmelzen die Figur Allen und der Komiker Chris Rock) möchte jetzt große Kinokunst machen und hat auf seriöse Themen umgesattelt. Sein Imagewechsel soll der fertiggestellte Sklavenfilm ‘Uprize’ bringen, die PR-Maschinerie dazu ist in vollem Gange. Keine Witze mehr, sondern klare, wichtige Botschaften!

Filmkritik "Top Five": Großes Bohei um einen unwitzigen Komiker

Um die Vermarktung voranzubringen, trifft Allen sich mit eporterin Chelsea Brown (Rosario Dawson, 45, ‘Percey Jackson – Diebe im Olymp’), aber sie lässt sich nicht instrumentalisieren und ein Fan von Hammy ist sie auch nicht. Andre allen zieht alle Register, selbst als er seine Familie besuchen geht, hat er die Journalistin im Schlepptau. Wie zwei Stadtneurotiker ziehen Allen (!) und Brown durch New York, sich ständig streitend und irgendwann flirten sie auch in einem Schnapsladen.

Dass die beiden sich ausgerechnet über das Thema Alkohol näher kommen, stellt das Verhältnis zwischen der Journalistin und dem Schauspieler total auf den Kopf. Die Gretchenfrage in ‘Top Five’ lautet aber: was macht Talent aus? Was ist wirklich witzig? Übersteht Andre Allen/Chris Rock seine kreative Krise? Was, wenn es nicht klappt, vom Bärenkostüm in ‘Hammy the Bear’ wegzukommen?

„Hammy The Bear“ ist ja zur Marke geworden, selbst eine Biersorte wird mit einem Riesen-Pappaufsteller in einem Deli beworben – ausgerechnet Bier! Allen wird so wütend, das er zum Vandalen wird, er randaliert und nimmt den Laden auseinander, das seine Odyssee letztendlich im Knast landet, wo er selbstverständlich von anderen Insassen sofort als „Hammy the Bear“ erkannt und nachgeahmt wird. Es scheint so, dass er diesem Image einfach nicht entkommen wird, er ist zu einem lebendem Runnig-Gag geworden.

‘Top Five’ ist eine Herzensangelegenheit von Chris Rock: Er ist Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Regisseur in Personalunion. Fazit: überambitioniert, mäßig witzig – aber eine tolle Rosario Dawson als Reporterin einer New Yorker Gazette. (KW)

Fotos: Paramount Pictures Germany GmbH