Donnerstag, 23. April 2015, 19:59 Uhr

Filmkritik "Der Lack ist ab": Pointiert, treffsicher und liebevoll

Schauspieler Kai Wiesinger (49, „Kleine Haie“, „14 Tage lebenslänglich”) ist unter die Regisseure gegangen und profiliert sich nun mit „Der Lack ist ab“. In loser Reihenfolge erzählen die kurzen web-Filme pointiert über das Leben als Paar und Elternteil jenseits der 40.

Filmkritik "Der Lack ist ab":  Pointiert, treffsicher und liebevoll

Gezeigt werden die Episoden ausschließlich auf MyVideo. Quasi “festangestellt” sind immer Hanna (Bettina Zimmermann) und Tom (Kai Wiesinger), die bekanntlich nicht nur in der Serie ein Paar sind. In jeder Episode, die keine Titel haben, gibt es Gastrollen mit so prominenten und illustren Namen wie Silke Bodenbender, Anja Kling und Ben Becker (toll seine Vorstellung als Macho UND „dicht am Wasser gebaute“-Heulsuse).

In „Der Lack ist ab“ wird nicht versucht Auf-Teufel-komm-raus lustig sein zu wollen – und genau da macht den Witz der Serie aus. Schön an diesem Format sind auch die kurzen Wege in die „Problemstellung“ der Situation. Einfach rein in die Szene; es gibt keine Einführung der Personen, wer mit wem und warum, das findet sich ausschließlich über den Dialog. Die Episoden finden – mit seltenen Ausnahmen – immer in der Wohnung des Paares statt. Das Setting ist somit gesetzt.

Die Dialoge sind web-affin geschrieben, ein Aus- und Wiedereinstieg für alle, die die Serie unterwegs sehen möchten, ist jederzeit möglich.

Nun ein Beispiel: Drei Freundinnen auf dem Sofa in Sektlaune (Bettina Zimmermann, Silke Bodenbender und Anja Kling) reden über Vor- und Nachteil des Stillens, den Verlust von Spannkraft der Brüste im besonderen und durch das Alter sowieso. Brrr, diese Winklappen, wo ein Trizeps sein sollte und weswegen sich schon seit Jahren vorgenommen wird, endlich mit dem Sport anzufangen. Modern sind alle drei Frauen, zumindest wollen sie es sein, auch wenn schon mal Wissenslücken zum Thema „Milfs“ vorhanden sind. In „Der Lack ist ab“ gibt es auch Nachhilfe in Sachen Jugendsprache.

Filmkritik "Der Lack ist ab":  Pointiert, treffsicher und liebevoll

Ist es angemessen, wenn Frau, Ü-40, von Jüngelchen lecker und sexy gefunden wird? Just an diesem Punkt des Sofa-Talks steht der Gatte Tom in der Tür und macht das Thema sofort zu einem Männerthema: dass es ok ist und schlichweg Sache der Natur, wenn Lustgreise sich knackige 22-jährige angeln – wegen der Weitergabe der Gene zur Arterhaltung natürlich. Und wie reagieren die drei angeschickerten Mädels wohl auf diese Frechheit?

„Der Lack ist ab“ knöpft sich den Alltag von Paaren mit und ohne Kinder vor. Erzählt wird vom Umgang mit den Freunden und der Familie und das sehr witzig, pointiert, treffsicher und liebevoll.

Fotos: ProSieben/SAT.1