Sonntag, 26. April 2015, 22:58 Uhr

Das ist Graham Candy: Popstar mit der schrägsten Stimme des Planeten

Der Neuseeländer Graham Candy hat elf Zeitzonen hinter sich gelassen, um seinen Traum zu verwirklichen und in Berlin Musik zu machen. Nachdem er mit Alle Farben’s ‘She Moves (Far Away)’ Goldstatus erreichte, hat das Wunderkind mit der einzigartigen Stimme nun seine neue EP mit im Gepäck: ‘Holding Up Balloons’.

Das ist Graham Candy: Popstar mit der schrägsten Stimme des Planeten

Der einprägsame Titeltrack ist richtungsweisend für die weiteren ehrlich optimistischen, sonnengetränkten Songs, die sogar das kälteste Herz zum Schmelzen bringen. Auf dieser Basis ist es Candy ein leichtes mit seinem breiten Stimmumfang zu punkten und der Welt zu zeigen, was er wirklich drauf hat.

Graham Candy hatte nicht die leiseste Ahnung was ihn erwarten würde, als er seine Heimat Neuseeland verließ und in den Flieger nach Berlin stieg. Der Junge, der im Sommer die Schule schwänzte, um von Freunden erste Akkorde auf der Gitarre zu lernen und seine eigenen Songs zu schreiben, machte sich auf, seinem Traum durch elf Zeitzonen hinterherzujagen. “I’ve been up, I’ve been down / I’ve been searching all around,” singt er in ‘Holding Up Balloons’, dem Titelsong seiner neuen EP. Es scheint als hätte Candy in Berlin das gefunden, wonach er gesucht hat.

Ein Jahr ist es nun fast her, dass der 23-jährige Musiker zusammen mit DJ Alle Farben ‘She Moves (Far Away)’ in den Riverside Studios in Kreuzberg aufgenommen hat. Der Track fängt die euphorische Stimmung der Berliner Sommer Open Airs perfekt ein und Candys ehrliche Stimme schafft es mit sonnengetränktem Optimismus jeden zu berühren, der die Stadt schonmal besucht hat. Der Song erreichte Goldstatus in Deutschland mit über 170.000 verkauften Einheiten, war europaweit in den Charts und brachte Graham Candy innerhalb weniger Monate von Akustikgigs in kleinen Auklander Kneipen zu Konzerten in Tausenderhallen.

Es gibt aber keine Anzeichen dafür, dass der Erfolg ihn verändert hat: „Es ist alles so schnell passiert“, sagt Candy. „Die Gold-Platte liegt immer noch irgendwo in meinem Zimmer rum.“

Das ist Graham Candy: Popstar mit der schrägsten Stimme des Planeten

Die neue EP – aufgenommen mit seinen Produzenten von ABBY (feeling valencia), mit denen er schon seine von Kritikern gefeierte Single ’13 Lords’ geschrieben hat – ist seine Möglichkeit der Welt zu zeigen, wieviel mehr in ihm steckt: Die nackten Klangwelten des Openers ‘Worth It All’ fesseln den Hörer mit einer Reife, die man eigentlich nur von Musikern kennt, die doppelt so alt sind wie Candy. Ein weiterer Song ‘Addictive Personality’ zeigt mit feiner Hip-Hop-Note eine dunklere Seite, die wir vom Ausnahmetalent mit dem sonnigen Gemüt bisher nicht kannten. Inspiriert ist der Song größtenteils von der Liebe zu Live-Auftritten: „Wenn mir etwas gefällt, will ich es immer wieder haben.“

Aber es sind nicht alle Titel so düster. ‘Holding Up Balloons’ besticht mit optimistischer Brillianz und der sorgenfreien Stimmung eines perfekten Popsongs, obwohl es im Song um Liebeskummer geht. ‘Don’t You Worry’ schimmert mit jugendlicher Seele – ein waghalsiges Liebeslied ohne Klischees. Hier hat Candy in anspruchsvollen, herzzerreißenden Lines die Chance seine gesanglichen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und uns gleichzeitig mit einem Kichern am Ende zu zeigen, dass er sich selbst nicht allzu ernst nimmt.

Das ist Graham Candy: Popstar mit der schrägsten Stimme des Planeten

Neben seiner Achterbahnfahrt durch die Musikbranche schaffte sich der Neuseeländer auch Zeit für seine zweite Leidenschaft – die Schauspielerei. 2012 stand er neben der Oscar-nominierten Schauspielerin Keisha Castle-Hughes im Film Queen of Carthage vor der Kamera. Außerdem sorgte seine darstellerische Leistung in den Musicals Footloose und Spring Awakening für begeisterte Kritiken.

Der Unterschied zwischen Schauspiel und Musik? „Es ist eine Art Flucht, aber es ist nicht echt“, sagt Candy. „Beim Schauspielern gebe ich vor jemand anderes zu sein, bei der Musik kann ich ich selbst sein.“ Und es war tatsächlich der Kontakt mit Musicals, der ihn Anfang 20 seine Stimme entdecken ließ. Ja, diese Stimme.

Durch Markanz und Ehrlichkeit hebt Candys Stimme ihn sofort von seinen Zeitgenossen ab. Stellt man ihn mit Gitarre und Mikro in einen Raum, kann man förmlich zusehen, wie sich das Publikum in ihn verliebt. Candys Stimme üasst sich jedem Genre, von Dance-Tracks bis hin zu akustischen Singer-Songwriter-Nummern, problemlos an und klingt dabei immer noch als ob er eine versteckte Tür zur seine Seele öffnen würde.

Als Teenager, wurde Graham Candy auf Grund seiner ständigen Fehlstunden zum Direktor seiner Schule gerufen. Er solle sich aufs lernen konzentrieren damit er einen sicheren Plan B habe, wurde ihm gesagt. Candys Antwort: Er brauche keinen Plan B; sein Plan A stehe schon fest: Sänger werden.

Wie es aussieht wird der Glaube an sich und seinen Plan A belohnt.

Fotos: Michel Passin