Sonntag, 26. April 2015, 18:29 Uhr

Kosmo: Der Star-Produzent über sein erstes eigenes Album

Mit „Revelation“ veröffentlicht Kosmo sein erstes Produceralbum. Der Mann ist kein Unbekannter: Unter seinem alten Namen TiKay One konnte sich der Chemnitzer einen Namen als Producer in der deutschen Rapszene machen. Ganz nach dem Motto: Neuer Name, neues Glück will Kosmo jetzt mit seinem Album dick durchstarten.

Kosmo: Der Star-Produzent über sein erstes eigenes Album

klatsch-tratsch.de-Reporter Dennis hat sich mit ihm über die Namensähnlichkeit mit Kay One, Panikattacken und heimliche Mails an Major Lazor unterhalten.

Beim Namen TiKay One dürften sich viele an Kay One erinnert fühlen. Ist das der Grund warum du deinen Namen in Kosmo gewechselt hast?
Das hat natürlich nichts damit zu tun, obwohl die Verwechslung auch schon zu interessanten Facebook Fan-Nachrichten geführt hat. Den Namen TiKay haben mir meine Freunde mit 14 gegeben und seit dem hing er mir im Nacken wie ein kratziger Waschzettel. Ich fand ihn nie besonders schön und auch überhaupt nicht passend für die Musik die ich gern machen möchte. Einen guten Künstlernamen zu finden ist allerdings – vor allem in Zeiten der Globalisierung – gar nicht so einfach und deswegen hat das etwas gedauert.

Du hast dir vor allem als Producer einen Namen gemacht. Unter anderem für Casper, Kraftklub, Major Lazer. Wie kamen die Zusammenarbeiten zustande?
Kraftklub kommen ja auch aus Chemnitz und da die Szene hier sehr eng ist, lief man sich schnell über den Weg. Die Splash-Festival- und Phlatline-Crew haben da viel geholfen und durch die Jungs bekam ich auch Kontakt zu Casper. Die Sache mit Major Lazer lief eher zufällig übers Internet. Jemand Drittes hatte in einer Rundmail die Adressen nicht versteckt und so hab ich sie
ganz dreist anschreiben können. Diplo hörte dann unseren Remix, fand ihn gut und stellte das Acapella zur Verfügung. Ziemlich unspannend, aber wir (Donkong – Cop Dickie und Ich) haben uns riesig darüber gefreut.

Für dein neues Album „Revelation“ hast du dich über einen längeren Zeitraum regelrecht eingesperrt. Sogar von Inselerlebnis wurde gesprochen …
Ja, nach dem Casper-Album, für das ich mich viel mit Schlagzeug und Gitarren beschäftigt habe, wollte ich gern etwas anderes machen und bin in die Welt der Synthesizer abgetaucht. So sind viele der Songs aus Klangexperimenten entstanden. Klänge können ja Emotionen im Hörer hervorbringen und so entwickelt sich ein Frage-Antwort-Spiel zwischen mir und dem was aus den Boxen kommt. Nichtsdestotrotz verfolge ich ein bestimmtes Bild und so kann es auch mal ein ganzes Jahr dauern, bis man
alle Puzzleteile für den fertigen Song parat hat. Gute Sounds allein machen ja nicht gleich ein gutes Lied. So kam es auch zur Zusammenarbeit mit den anderen Künstlern. Sie konnten mir mit ihrer Begabung dort helfen, wo ich allein nicht weiter kam. Manchmal schlägt der Song dadurch auch eine ganz andere Richtung ein und so bekam z.B. “Youth” einen ganz neuen Refrain, nachdem Adam Tensta seinen Text dafür geschrieben hatte.

Während der Arbeiten am Album sind bei dir Angstattacken aufgetreten. In wieweit beeinflussen sie dein Leben?
Massiv. Ich fühle mich immer noch davon aus der Bahn geworfen, obwohl ich glücklicherweise seit mehreren Monaten keine Panikattacke mehr erleiden musste. Nach diesen setzt ja oft ein riesiges Erschöpfungsgefühl ein, weil der Körper viel Energie dafür verbrennt und so war ich irgendwann derart am Boden, dass ich mir Hilfe suchen musste. Bei solch körperlichen Beschwerden geht man anfangs ja auch nicht davon aus, dass es psychische Ursachen haben könnte und verpasst die ersten Anzeichen. Was dann passiert ist, dass sich die Gedanken wie im Strudel um die erlebten Symptome drehen und somit alles noch schlimmer wird, bis man hyperventilierend zusammen sackt und denkt sterben zu müssen. Keine angenehme Sache und ich bin froh, dass ich bisher ohne Medikamente dagegen ankämpfen konnte und keine ausgewachsenen Ängste entwickelt habe, die mich im alltäglichen Leben einschränken. Mir fallen jedoch seit dem sehr viele Menschen ins Auge denen es ähnlich geht und ich finde es schlimm, dass dieses Thema so totgeschwiegen wird.

Kosmo: Der Star-Produzent über sein erstes eigenes Album

Wie bist du eigentlich zum Produzieren gekommen?
Ich habe schon als Kind musiziert und als ich im Teenager-Alter auf meine erste große Liebe HipHop traf, war ich daran interessiert zu sehen wie Beats entstehen. So habe ich mir das dann autodidaktisch beigebracht und mich immer weiter darin vertieft.

Welches HipHop-Klischee nervt dich?
Mich nerven Menschen, die glauben, das HipHop nur “Yo” und Handbewegungen sind.

Welches stimmt?
Das “Yo” und Handbewegungen seltsamerweise dazugehören.

Was nervt Produzenten eigentlich besonders?
Am meisten nervt, dass man als Producer vor allem im elektronischen Bereich oftmals nur als Knöpfchendrücker angesehen wird und nicht als Musiker. Dabei verstehen viele Producer oft mehr davon, wie man einen guten Song schreibt als die Bands selbst. Ich glaube aber auch, dass diese Arbeitstrennung sehr wichtig ist und mir fällt es manchmal schwer die eigenen Songs aus beiden Perspektiven zu betrachten.

Kosmo: Der Star-Produzent über sein erstes eigenes Album

Mit wem würdest du gern zusammenarbeiten?
Da gibt es unendlich viele. Ich würde gern mit Nils Frahm zusammen arbeiten, weil ich in letzter Zeit viel Ambient gehört habe und seine Komposition ja auch in so eine Richtung gehen. Ich glaube die Kombination aus seinem Klavierspiel und meinen Drums wäre sehr interessant, um eine treibende und organische Nummer zu kreieren.

Was hast du für dieses Jahr noch geplant?
Ich sitze – wie bereits erwähnt – schon an neuen Songs und es wird wahrscheinlich eine zwei Track Single, allerdings brauche ich dafür noch den passenden Sänger. Kurt Cobain wäre super.