Mittwoch, 29. April 2015, 21:39 Uhr

Produzentenlegende Frank Farian: "Boney M. war die Vorlage für Lady Gaga"

Die beeindruckende Zahl von 800 Gold- und Platinauszeichnungen kann Frank Farian sein eigen nennen. Er machte unter anderem Boney M., Milli Vanilli, No Mercy, La Bouche und Eruption berühmt und erreichte mit ihnen in den internationalen Charts Top-Positionen.

Produzentenlegende Frank Farian: "Boney M. war die Vorlage für Lady Gaga"

Mit Terence Trent`Arby und Meat Loaf produzierte er je ein Album. Nicht umsonst ist Frank Farian deshalb auch der erfolgreichste Produzent der deutschen Musik-Geschichte. Kurz gesagt, der Mann ist eine echte Legende!

Er selbst erreichte als Schlagersänger 1976 mit der deutschen Version des Songs ‘Rocky’ Platz 1 der deutschen Single-Charts. Seine Anfänge waren jedoch ganz bescheiden: Farian arbeitete zunächst als Koch und machte seine ersten musikalischen “Schritte” in Elversberg. Dort hatte er im Dachgeschoss seiner Wohnung ein kleines Studio. Das war einmal: Heute gehört ihm in Miami ein großer Studiokomplex, bestehend aus fünf Studios, inklusive eines Videostudios. Hört man den Namen Frank Farian, fällt jedem Musikkenner aber auch gleich der Skandal um das nicht selbst singende Pop-Rap-Duo ‘Milli Vanilli’ ein.

Produzentenlegende Frank Farian: "Boney M. war die Vorlage für Lady Gaga"

Der Schwindel flog 1990 kurz nach der Grammy-Verleihung auf und der Musikproduzent entschuldigte sich danach öffentlich bei der ganzen Welt. Dieses “Debakel” war aber noch lange kein Grund für Frank Farian, den “Kopf in den Sand” zu stecken. Der heute 73-Jährige feierte in den 90ern nämlich weiterhin Erfolge, unter anderem mit dem Eurodance-Duo ‘La Bouche’ (‘Be My Lover’) und der Popgruppe ‘No Mercy’ (‘Where Do You Go’). Und bis heute ist er der Musik treu geblieben…Vor Kurzem ist das 40-jährige Jubiläumsalbum seiner Erfolgsgruppe Boney M. mit dem Titel ‘Diamonds’ erschienen.

Grund genug für klatsch-tratsch.de-Autorin Clelia Schena, mit dem Produzenten über die schönsten Momente seiner Karriere, Boney M., die heutige Musikszene, den Skandal um Milli Vanilli, seinen Streit mit Dieter Bohlen und nigelnagelneue Projekte zu plaudern! Und wir haben  noch jede Menge Interessantes zu Tage gefördert…

(Unsere Fotos zeigen Frank u.a. mit Ex-Lebensgefährtin Milli und seinem langjährigen Weggefährten, Freund, Vertrauten und Produzent Ferdinand Förster.)

Produzentenlegende Frank Farian: "Boney M. war die Vorlage für Lady Gaga"

Sie haben zweifelsfrei deutsche Popgeschichte geschrieben. Kein deutscher Act fuhr nach Boney M. jemals solche Welterfolge ein, mal abgesehen von Milli Vanilli. Was waren die schönsten Momente Ihrer unglaublichen Karriere?
Der schönste Moment war, nach der großen Erfolgslosigkeit (und schieben wir mal meinen Song ‘Rocky’ beiseite) als ich nach 15 Jahren mal einen richtigen Hit gelandet habe. Das war ein wunderschöner Moment. Und dann kam natürlich auch das unglaubliche Jahr 1978, als Boney M. die Nummer 1 auf der ganzen Welt waren und die erfolgreichste Gruppe in England. Und dann die Reise nach Moskau, auf dem Roten Platz ein Video drehen, 10 Konzerte und die ganze Welt hat Boney M. wirklich gehuldigt. Es gibt auch noch einen schönen Moment, als der Papst bei seinem Besuch 1979 mit seinem roten Hubschrauber in Irland landete und eine Million Menschen, die dort auf ihn gewartet haben, auf einem großen Feld stehen und live “Rivers of Babylon” singen. Das sind unglaubliche emotionale Momente.

Erst kürzlich wurde das Jubiläumsalbum von Boney M. “Diamonds” veröffentlicht und da ist ja das neue Lied “Song Of Joy” drauf. Wie kam es zu der Idee zu diesem Song?
Man sieht ja in der Presse diese Religionskriege im Irak und überall auf der Welt. Ich habe dann die Idee gehabt mit diesem “Song Of Joy” und habe mir gedacht, dass man dieses Problem auch musikalisch ein bisschen anpacken muss. “We don’t need to rumble, rumble”, singt ja die tiefe Stimme und das heißt wirklich: Wir brauchen keine Kämpfe. Boney M. kann keine Liebeslieder singen. Das haben wir nie getan. Wir haben immer bestimmte Themen aufgegriffen. Ob es das Thema von “Rasputin” war oder “Ma Baker”, das sind alles wahre Geschichten. Genauso bei “El Lute”. Unsere Texte haben immer einen sozialen Hintergrund gehabt und so soll es auch bleiben.

Legen Sie dann generell den Fokus mehr auf den Text? Denn die Musik ist ja für jemand, der die englische Sprache vielleicht nicht so gut versteht, sehr Sommerhit-verdächtig…
Bei mir kommt immer als erstes die Story. Die Texte sind wichtig, also was wir singen. Und wenn dann so eine Textidee da ist, ich sage jetzt mal wie bei “Daddy Cool”, da lässt sich dann schnell irgendwie etwas mit der Gitarre draufspielen. Ich mache ja meine Songs mit der Gitarre und mit meiner Stimme. Oder auch bei “Rasputin”, da springt die Melodie schon aus dem Text raus. Und so ist es auch bei dem neuen Song. Ich packe die Songs immer vom Text her an, nie von der Melodie.

Das Produzieren von Musik ist heute ja denkbar einfach geworden. Jeder, der ein bisschen Ahnung von Technik hat, bastelt Sounds in seinem Wohnzimmer zusammen. Und dann werden die Videos vom Ergebnis üblicherweise auf Youtube gestellt. Wie finden Sie das?
Ich habe schon vor Jahren gesagt und auch ein bisschen vor dieser Entwicklung gewarnt: Man kann nicht nur schnell mit drei Fingern auf den Computer draufdrücken und dann springt da irgendeine Melodie oder ein Rhythmus raus. Es ist nicht gut, wenn die Leute nicht von der Pike auf lernen, irgendein Instrument zu spielen. Ich bin kein Freund von Computern. Ich benutze sie nur, wenn ich sie unbedingt brauche. Ich bin eigentlich ein Computer-Depp (lacht) und habe erst vor einem halben Jahr meine erste Mail geschrieben. Und ich sage immer noch: Man muss ein Instrument lernen wie Piano, Gitarre oder Geige und wenn das nicht mehr passiert, dann schlittern wir auf eine arme musikalische Zeit zu.

Diese Frage geht eigentlich auch in diese Richtung: Man hat so den Eindruck, dass es die echten Welthits, so wie früher, eigentlich nicht mehr gibt…
Genau das wollte ich gerade betonen. Diese Zeit, als die Musiker “hungrig” waren und in den 50ern oder 60er-Jahren ihren Rock n’ Roll gespielt haben, gibt es nicht mehr. Ich denke mal an die Beatles: Sie hatten kein Geld, aber sie konnten gut spielen und so etwas bleibt ja heute auf der Strecke. Die guten Hits aus dieser Zeit sind alle entstanden, weil die Leute “hungrig” waren. Solche großen Songs wie aus den 50ern, 60ern, 70ern, 80ern…damit wird es für die Zukunft problematisch werden, weil die Leute denken, sie drücken drei Mal auf den Computer drauf und da kommt ein guter Song dabei raus. Das wird nicht passieren.

Produzentenlegende Frank Farian: "Boney M. war die Vorlage für Lady Gaga"

Jetzt zu Milli Vanilli: Was haben Sie eigentlich gedacht, als Fabrice Morvan und Robert Pilatus plötzlich ankamen und sagten, sie wollen selber singen. Das war ja von Ihnen eigentlich nie als Konzept vorgesehen.
Ja, das ist genau richtig. Die kamen ins Studio, als die Produktion längst fertig war. Wir hatten eine Musik produziert, “Girl You Know It’s true” und meine Freunde haben darauf gesungen und gerappt. Dann kommen plötzlich Robert und Fabrice ins Studio. Ich kannte ja Robert schon vorher. Er hatte bei mir irgendwann einmal bei einer Gruppe als Buschmann auf einem Elefanten gesessen. Ich habe dann gesagt: Robert, wie siehst du denn aus? Er war nämlich total gestylt wie Terence Trent D’Arby und das mal zwei, weil der Fab ja sein Freund war, der neben ihm stand. Da habe ich wirklich gedacht: Wow, du siehst ja richtig gut aus! Daraufhin sagte er: Wir sind Breakdancer und machen ab und zu in Videos mit und wir suchen einen Job. Dann habe ich geantwortet: Ich habe aber keinen Job für dich. Dann sagte Milli [Die Lebensgefährtin und Assistentin von Frank Farian, Anm. der Redaktion]: “Doch, du hast doch den Song ‘Girl You Know It’s True’. Du gehst doch mit deinen Freunden damit sowieso nicht auf die Bühne.” Und da habe ich geantwortet: Ja, du hast ja Recht. Dann kam die Idee, das Video zu machen. Und dann hat sich das Ganze verselbständigt: Robert nimmt das Mikrofon und macht so, als wenn er der Sänger wäre und ich wollte das am Anfang auch stoppen. Und da sagte Milli: “Halt die Klappe, das funktioniert und das wird ein großer Hit werden.” Sie hatte auch Recht. Und dann kam die Forderung der beiden nach dem ersten Album und den ersten drei Nummer 1-Hits in Amerika, dass sie selbst singen wollten.

Aber: Erstens – Wenn sie gute Sänger gewesen wären, wäre es so auch nicht gegangen. Mit dem zweiten Album und den veröffentlichten Singles daraus wäre das nämlich aufgefallen. Das wäre ja ein total anderer Sound gewesen. Und zweitens konnten sie überhaupt nicht singen. Fab Morvan hatte einen extrem französischen Akzent in seiner Stimme. Ich habe trotzdem beide Stimmen im Studio getestet und es war grausam. Robert sagte dann zu mir: Lass den Brad [Howell, Anm. der Redaktion] das machen und den John [Davis, Anm. der Redaktion], der Rapper war. Und damit war die Sache gegessen. Wir haben dann das zweite Album produziert. Ich wollte schließlich aber aus diesem Dilemma aussteigen. Und ich habe dann entschieden, dass das das letzte Album ist und schlug vor: Lass uns einen Deal machen, dass wir da gut aussteigen. Dann ist es aber bei einer Tour in Amerika eskaliert. Tausende von Menschen haben da Rob und Fab live auf der Bühne gehört. Und bei Fab mit dem französischen Akzent haben die Leute natürlich sofort erkannt: Diese Stimmen können nicht Milli Vanilli sein. Dann schmissen die beiden ihren Road-Manager raus und der hat schließlich der New York Times in einem Interview gesagt: “Diese zwei kleinen Monster haben noch nie einen Ton gesungen.” Und dann war ich gefragt, bin nach New York und habe “den Stecker gezogen”.

Das war ja dann 1990, als es kurz nach der Grammy-Verleihung publik wurde. Was haben sie in dem Moment empfunden, als es raus kam?
Ich war total erleichtert. Ich habe es mit der Plattenfirma in New York abgestimmt, bin dann dahin geflogen und habe ein Interview gemacht. Ich glaube mit der Reuters-Nachrichtenagentur. Der Journalist hat nur drei Sätze gefragt und ich habe dann geantwortet und dann war das Interview schon beendet (lacht) und ich war wirklich erleichtert. Und außerdem habe ich mich bei allen Fans entschuldigt.

Die beiden mussten ja den Grammy wieder zurückgeben. Obwohl Sie erleichtert waren, hat das nicht auch ein bisschen weh getan?
Wissen Sie, ich bin nicht so geil auf Platinplatten oder Auszeichnungen. Bei mir hängt keine goldene Schallplatte im Studio, niemand sieht eine. Niemand soll wissen, dass wir insgesamt 800 haben. Da bin ich etwas bescheidener. Ich direkt habe ja keinen Grammy bekommen, deswegen hat es mir auch gar nicht leid getan und ich habe es auch als richtig empfunden, dass der Grammy von den zwei Jungs zurückgegeben wurde.

Wo Sie das gerade ansprechen, wo bewahren Sie Ihre 800 Preise dann auf?
Na, die liegen im Keller (lacht). Meine erste goldene Schallplatte von ‘Rocky’, die habe ich an der Wand hängen, weil ich darauf besonders stolz war. Aber ansonsten hängt bei mir keine Auszeichnung an der Wand.

Produzentenlegende Frank Farian: "Boney M. war die Vorlage für Lady Gaga"

Es scheint ganz so, als ob Marketing heute das A und O ist, um einen Hit zu landen. Im Prinzip haben Sie das mit Boney M. ja schon vor 40 Jahren vorweggenommen. Da haben Sie ja eigentlich nichts dem Zufall überlassen. Klamotten, Performance und dazu 1A-Stimmen wie Liz Mitchell und Marcia Barett. Für Leute, die nicht richtig singen können, wie Macie Williams, wie man auch aus der kürzlich gesendeten Fernsehdokumentation über Boney M. erfahren konnte…
Ich habe das ja aus dem Unterbewusstsein gemacht und habe mich auch sehr informiert, wie die Amerikaner und die Engländer vorgehen. Die machen immer große Shows, außer jetzt mal bei den Beatles. Aber ich habe festgestellt, dass die Leute mit den Augen hören. Ein gut aussehender Sänger oder eine Sängerin hat eine bessere Chance als ein schlecht aussehender Sänger oder eine Sängerin. Ich habe von Anfang an gemerkt, dass man um die Musik herum auch eine Show machen muss. Ich selbst bin 1962 als Sänger mit anderen Bandmitgliedern aufgetreten und hatte rote oder grüne Ku-Klux-Klan-Kapuzen auf dem Kopf. Dazu hatten wir noch eine Papierwand. Wir standen dann mit der Beleuchtung dahinter. Man hat nur den Schatten von uns mit diesen Kapuzen gesehen. Das habe ich schon in den 60er-Jahren gemacht und es wurde dann mit Boney M. von mir fortgeführt. Und zu einer Lady Gaga: Dahinter steckt nicht nur ein schwedischer Produzent, die haben auch die Boney M.-Musik als Vorlage genommen. Außerdem hat man ihr auch erklärt, wie Boney M. auf der Bühne ausgesehen hat. Und da hatte auch Lady Gaga die Idee, das man große Kostüme benötigt und immer wieder einen Wechsel in der Show bringen muss. Die Leute hören ja mit den Augen. Das ist mein Spruch, den ich schon seit über 30 Jahren habe.

Heute reicht ja Autotune, um jeden zum Star zu machen. Damit kann man dann bei schlechten Sängern oder Sängerinnen die Töne so hinzaubern, das es so aussieht, als könnten sie tatsächlich singen…
Da haben Sie vollkommen Recht. Und ein guter Sänger mit Autotune klingt dann genauso, wie jeder andere auch (lacht)…

Produzentenlegende Frank Farian: "Boney M. war die Vorlage für Lady Gaga"

Ist das nicht Beschiss auf weitaus höherem Niveau?
Das ist Betrug am Fan. Das ist Betrug am Publikum, weil ein Nichtsänger dann ja gute Töne rausbringen kann. Und davon rede ich ja: Die Bearbeitung durch einen Computer bis hin zum Gesang geht nicht mehr, das ist doch keine richtige Musik! Und man wird deshalb irgendwann sagen: Die klassischen 50er-, 60er-, 70er-, 80er-Jahre der Popmusik werden auch die nächsten 200 Jahre überstehen. Aber Autotune bleibt eben eine Computerstimme.

ABBA und Boney M. teilten sich Ende der 70er quasi monatelang die Top 10-Chartplätze. Wie fanden Sie eigentlich diesen Wettstreit mit ABBA?
Wir haben keinen Wettstreit ausgeführt (lacht). Wir waren einfach da und die zwei Jungs von ABBA waren genauso gut wie der Farian und Farian war genauso gut wie ABBA. Wir waren die schwarzen ABBAs und die ABBAs waren die weißen Boney M.s (lacht). Und wir haben uns natürlich die Charts aufgeteilt. Aber das war reiner Zufall.

Machen Sie eigentlich heute noch Musik und wenn ja, was sind Ihre neuesten Projekte?
Ich mache natürlich nach wie vor Musik. Gestern war ich mal wieder 10 Stunden im Studio und habe die ersten Demos meiner neuen Gruppe gemischt. Eine wirklich handgemachte Gruppe ohne Autotune und eine Sängerin mit einer unglaublichen Stimme. Sie ist 15 Jahre alt und ihre Bandmitglieder, mit der sie schon zwei Jahre in den USA auftritt,sind 16, 17 und 18 Jahre alt. Die gesamte Gruppe kam über Freunde zu mir, es ist also keine gecastete Band. Und das ist auch meine neue Gruppe, auf der mein Fokus liegt. Und was man schon im Voraus sagen kann: Diese Band und diese Sängerin werden ihren Weg machen.

Kann man schon den Namen der Gruppe verraten?
Nein, denn mit dem Namen, den sie jetzt haben, bin ich nicht einverstanden. Ich mag den Namen nicht so sehr. Der wurde einfach aus irgendwas “rausgerissen”. Ich habe dann gesagt: Wenn ihr jetzt mit Farian arbeiten wollt, muss erstens der Name stimmen, zweitens der Look. Aber die Stimme ist gewaltig. Und darauf lege ich größten Wert.

Produzentenlegende Frank Farian: "Boney M. war die Vorlage für Lady Gaga"

Das hört sich ja schon sehr vielversprechend an. Wann kann man da mit den ersten Songs rechnen?
Es kommt bald eine Single raus. Wir machen auch ein Album, die Foto-Session dazu und auch das erste Video hier in Miami. Ich denke, im Herbst wird die Single und auch das Album erscheinen.

Ihre Tochter singt doch auch?
Die hat vor Jahren schon mal bei dem Projekt ‘Daddy Cool Kids’ gesungen. Dann gab es aber ein bisschen Ärger mit der Mutter und da habe ich es sein gelassen. Ich arbeite aber auch an einer neue ‘Daddy Cool Kids’-Gruppe: Drei 10-jährige, 11-jährige Mädels und ein Junge dazu, ein Rapper. Das ist auch eines meiner Projekte. Da habe ich ja schon einmal etwas veröffentlicht aber das ging dann “in die Hose”. Wenn der Streit zwischen Vater und Mutter da ist, kann so etwas eben nicht funktionieren, das ist klar. Aber meine Tochter ist jetzt 18 und ist natürlich mittlerweile eine wunderschöne junge Frau. Gerade gestern habe ich sie im Studio gehabt und habe sie gefragt, ob sie wieder Lust hätte, Musik zu machen. Und ihre Antwort war: “Nichts lieber als das.” Ich werde jetzt ein bisschen mit ihr im Studio arbeiten, um zu sehen, wie sich ihre Stimme in den letzten sechs, sieben Jahren entwickelt hat und dann werden wir weitersehen.

Welche drei aktuellen internationalen Pop-Acts sind für Sie die besten der letzten zehn Jahre und warum?
Oh, jetzt fragen Sie mich etwas. Hier in Amerika ist es natürlich Beyoncé, Destiny’s Child – das war und ist natürlich “mein” Sound, der mir wirklich gut gefällt. Pink finde ich sehr gut. Es gibt natürlich noch andere wunderbare Sängerinnen. Aber ich schaue im Moment nicht so nach anderen Künstlern, weil ich eigentlich “mein eigenes Ding” mache. Ich war jetzt auch lange Zeit mit dem Aufbau meiner mittlerweile fünf neuen Studios in Miami beschäftigt.

Verfolgen Sie dann auch noch die deutsche Musikszene? Bekommen Sie da überhaupt was mit aus Florida?
Ich bekomme von der Musik in Deutschland sehr wenig mit. Was ich mitbekomme ist, dass die deutsche Hip Hop-Szene sehr lebendig ist. Und auch was die Sounds angeht, ist alles sehr gut. Dann ist natürlich die obligatorische Volksmusik nach wie vor erfolgreich aber ich schaue nicht speziell nach Deutschland. Ich habe immer nach England und Amerika geschaut und da meinen Fokus gesetzt. Auch früher schon in den 60er-Jahren. Otis Redding und alle wie sie hießen. Das war meine Musik. Ich habe mich nie nach deutschen Künstlern gerichtet.

Trotzdem eine Frage zu einer deutschen Künstlerin, über die Sie ja vielleicht gestolpert sind und zwar Helene Fischer. Haben Sie deren Entwicklung mitverfolgt? Die ist ja in Deutschland sehr angesagt…
Ja, das weiß ich. Und der Produzent Erich Liessmann ist auch ein Freund von mir. Und der dazugehörige Toningenieur hat 1976 bei mir angefangen (lacht). Und daher weiß ich das auch. Natürlich hat sie einen riesengroßen Erfolg. Ich sehe das. Aber ich weiß nicht, ob Helene Fischer den Anschluss an die internationalen Charts bekommt, das wage ich ein bisschen zu bezweifeln. Könnte aber möglich sein. Sie ist eine sehr gut aussehende Frau. Vor allem hat sie auch eine sehr gute Stimme. Aber wie so etwas in Englisch klingt, muss ich zuerst hören, um es zu bewerten. Seit ein paar Wochen kriege ich in Amerika erst deutsches Fernsehen und habe da auch eine Show mit ihr gesehen. Auf jeden Fall ist sie eine sehr talentierte Künstlerin in allen Bereichen. Sie ist gut auf der Bühne, sie spricht gut, sie singt sensationell und die Songs, die sie singt, sind perfekt gemacht. Also ein perfektes “Produkt”.

Haben Sie das “Kriegsbeil” mit Dieter Bohlen eigentlich mittlerweile beigelegt? Sie sind doch ohnehin die “größere Nummer” im internationalen Geschäft. 2004 hatten Sie ja in Ihrem Buch “Stupid dieser Bohlen” mit ihm “abgerechnet”…
Ich kenne Dieter schon seit 1985. Er war ja bei der gleichen Plattenfirma, bei der ‘Hansa’ in Berlin. Wir kannten uns ja wirklich sehr lange, bis zu dem Buch [‘Hinter den Kulissen’, Anm. der Redaktion], das er dann geschrieben hat. Und in seinem Buch hat er mich nicht gut behandelt. Ich habe ihm dann eine passende Antwort gegeben. Wir haben das Kriegsbeil mittlerweile begraben. Er hat sich, über seinen Anwalt, bei mir entschuldigt und gesagt, dass es ihm leid tue und ich immer sein Vorbild war. Und dabei haben wir es dann belassen. Er macht ja mittlerweile auch was ganz anderes. Er ist im Fernsehen sehr erfolgreich. Das wäre “nie mein Bier gewesen”, so etwas zu tun. Ich bin lieber im Studio. Er hat auch immer gesagt: “So oft, wie du im Studio arbeiten kannst, das könnte ich nicht.” Aber mir macht das eben Spaß, weil die Leidenschaft und der Ehrgeiz da ist, in England und Amerika in die Charts zu kommen. Und ich hatte über 40 Hits in England und Amerika in den Top 20. Das ist das, was ich immer angestrebt habe und das habe ich auch erreicht und damit bin ich mit meinem Leben sehr zufrieden.

Wenn Ihnen heute das Angebot gemacht würde, in der Jury einer Castingshow wie ‘Deutschland sucht den Superstar’ zu sitzen, würden Sie also auf jeden Fall ablehnen…
Diese Gelegenheit war ja 2002 oder 2003 da, weil wir den “Namen” von ‘Pop Idol’ in England hatten. Lange bevor ‘Deutschland sucht den Superstar” überhaupt gegründet wurde, war ich da ja mit involviert. Ich habe aber von Anfang an gesagt, dass ich in keiner Jury sitzen möchte. Auch als verschiedene TV-Anstalten Angebote gemacht hat, habe ich immer gesagt: Ich bin nicht der Mann für so etwas und habe außerdem auch gar keine Zeit dafür, in so einer Jury zu sitzen. Ich muss im Studio sitzen und Songs produzieren und neue Künstler akquirieren. Das könnte also mit mir niemals funktionieren. Und der Dieter hat die richtigen Sprüche drauf, also ist alles o.k.

Haben Sie eigentlich vor, einmal ein eigenes Best of-Album mit Songs aller Ihrer erfolgreich produzierten Acts zu veröffentlichen?
Habe ich schon einmal gemacht. Und zwar in den 90er-Jahren aber es wird bald wieder eines kommen: ‘Frank Farians Best Of’, wo dann Meat Loaf, Terence Trent D’Arby und Far Corporation, die ich in den 80ern ja auch produziert habe und Boney M. und alle weiteren Künstler drauf sind. Damit die Leute dann auch das Spektrum sehen können, was ich in den 40 Jahren gemacht habe. Das wird wieder aufgelegt und auch noch mit neuen Songs ergänzt.

Fotos: Privat, SonyMusic, WENN.com