Samstag, 02. Mai 2015, 16:09 Uhr

Tove Styrke packt aus: Über Kiddo, Hardcore-Fans und den USA-Tourstart

Tove Styrkes Karriere klingt wie der Traum jeder Vollblutmusikerin. 2010 bei der schwedischen Version von DSDS konnte sich die 22-Jährige nur auf den dritten Platz singen. Dennoch schaffte sie es mit ihrem ersten, selbstbenannten Album auch außerhalb ihrer Heimat in die Charts.

Tove Styrke packt aus: Über Kiddo, Hardcore-Fans und den USA-Tourstart

Ihre erste Single „Call My Name“ mauserte sich 2012 in Deutschland sogar zum Radiohit. Diesen Erfolg möchte die hübsche Blondine jetzt aber noch toppen und hat ihr neues Album „Kiddo“ in der Pipeline. klatsch-tratsch.de-Autor Dennis (Foto unten) hat sich mit Tove über ätzende Verniedlichungen, peinliche Songs auf dem Handy und ihrer Einstellung zu Liebe unterhalten.

Dein neues Album steht in den Startlöchern. Warum hast du es „Kiddo“ genannt?
Der Name hat mehrere Gründe. Das ist ein Begriff, zu dem ich eigentlich ein sehr gespaltenes Verhältnis habe. Bei uns in Schweden nennen einen oft ältere Menschen so, wenn sie zu einem herabblicken. So nach dem Motto: „Du armes Kleines“. Das hat mich immer gestört. Ich fand es aber eine coole Sache diesen Begriff zu nehmen und wie eine Art Superheldenname zu benutzen. Damit entreiße ich diesen Leuten diesen Begriff. Ein weiterer Grund warum ich den Namen gewählt habe ist „Kill Bill“. Das ist einer meiner Lieblingsfilme und eine der Hauptfiguren darin heißt Beatrix Kiddo. Das hat mich sehr inspiriert.

Bist du von Leuten früher auch so genannt worden?
Ja, und das machen einige Leute immer noch. Es ist lustig, ich bin kein Kind mehr, aber es kommt gelegentlich noch vor. Vermutlich nehmen mich einige Leute nicht ernst, weil ich eine Frau bin und das nervt mich wirklich.

Lass uns über die Musik auf deinem Album sprechen …
Ja, ich bin schon total aufgeregt. Mein persönlicher Lieblingssong auf dem Album ist „Borderline“. Den habe ich bereits veröffentlicht. Ein anderer Song, der mir auch sehr am Herzen liegt, ist „Even If I’m Loud It Doesn’t Mean I’m Talking To You“. Der Lieblingssong meiner Mutter ist übrigens „Number One“. Ich habe keine Features auf dem Album. Ich hatte darüber nachgedacht, mich aber dagegen entschieden. Für die Zukunft bin ich dem aber aufgeschlossen. Ich arbeite gerne mit Leuten zusammen. Ich mag diesen kreativen Prozess, bei dem man sich Ideen zuwirft. Mein größter Traum wäre es mal einen Song mit Beyonce zu schreiben. Ich bin nämlich ein Riesen-Fan von ihr. Oder Grimes, die finde ich auch richtig cool.

Was würden mir deine Freunde in einer Bar nach drei Runden Shots über dich erzählen?
Sie würden dir vermutlich erzählen, dass ich ziemlich direkt bin, aber auch launisch sein kann. Dass sie am Anfang dachten, dass ich sie hassen würde, sie haben dann aber irgendwann gesehen, dass ich einfach nur unsicher war. Sie würden dir sicher auch erzählen, dass ich nicht so gut darin bin mein Geld zusammenzuhalten. Ich neige dazu meinen Freunden Sachen zu kaufen, auch wenn ich manchmal dabei mehr auf mich achten sollte. Ich investiere einfach zu viel in Essen (lacht).

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Was war dein abgefahrenstes Fan-Erlebnis?
Abgefahren ist, dass einige Fans es immer wieder schaffen irgendwie in meine Umkleidekabine kommen. Ein Fan hat den Sicherheitsleuten erzählt, er sei mein Bruder, was nicht gestimmt hat. Ansonsten kann ich aber sagen, dass meine Fans richtig lieb sind, weshalb ich sie auch liebe. Wir haben eine gute Verbindung zueinander, was mir sehr wichtig ist.

Was war bisher dein Lieblingsmoment in deiner Karriere?
Das war der Moment, als ich mein neues Album fertiggestellt habe. Das war ein großer Schritt für mich, weil ich vor zwei-drei Jahren eine Vision im Kopf hatte, was ich für ein Album ich erschaffen wollte. Jetzt kann ich sagen, dass ich stolz bin, es genau so gemacht zu haben.

Was ist der peinlichste Song auf deinem iPod?
Ich glaube es ist „MMMbop“ von den Hansons (lacht).

Tove Styrke packt aus: Über Kiddo, Hardcore-Fans und den USA-Tourstart

Was war dein peinlichster Bühnenmoment?
In Schweden gibt es einige Städte, die haben sehr ähnliche Namen. Die unterscheiden sich teilweise nur durch einen Buchstaben in der Mitte. Ich hatte einmal einen Auftritt in so einer Stadt und hatte den Buchstaben in der Mitte verwechselt. Ich sagte dann so was wie „Hallo Stadt X. Ich war noch nie hier, schön hier zu sein“. Die Leute wiesen mich dann laut darauf hin, dass die Stadt so und so heiße und ich schon sehr wohl mal da gewesen bin. Das war wirklich peinlich (lacht). Dieser Fehler wird mir sicher nicht noch mal passieren.

In einem Interview hast du auf die Frage wie man dich am besten angräbt mit „gar nicht“ geantwortet. Warum?
(lacht) Das stimmt. In manchen Dingen bin ich sehr speziell. Ich verhalte mich, auch wenn ich Single bin, irgendwie so, als ich in einer Beziehung wäre. Momentan bin ich aber tatsächlich in einer Beziehung. Wenn ich Single bin, genieße ich es auf der einen Seite, aber auf der anderen Seite macht es mir keinen Spaß alleine zu sein. Aber ich suche aber auch niemanden.

Das kann ich verstehen, aber wie lernst du dann Leute kennen, wenn du nach niemandem suchst und auch nicht angesprochen werden willst?
Du hast schon recht (lach). Das klingt echt ein bisschen schräg. Mein Partner und ich haben uns kennengelernt, als wir mal zusammengearbeitet haben. Es ist einfach passiert. Es ist nicht so, dass ich nicht an Liebe oder Ahnliches glauben würde, ich bin einfach nur nicht dieser Dating-Typ. Ich bin eher so: Ich habe diese Person kennengelernt, finde sie echt unglaublich und möchte jetzt mehr Zeit mit ihr verbringen. Das tue ich dann auch.

Tove Styrke packt aus: Über Kiddo, Hardcore-Fans und den USA-Tourstart

Was ist dein Lieblingskleiderstück?
Vermutlich meine alten Doc Marten-Boots. Die habe ich von meiner Schwester vermacht bekommen und habe die getragen, bis sie mir quasi von den Füßen gefallen sind. Meine Schwester hatte sich die in den Neunzigern gekauft. Diese Schuhe waren viel zu groß, aber wir kommen aus einer kleinen Stadt in Schweden, in der man nicht so viel Auswahl hat und da musste sie die nehmen. Schließlich wollte sie unbedingt wie Kurt Cobain aussehen (lacht). Ich habe sie dann von ihr irgendwann bekommen und sie gefühlt meine komplette Jugend getragen. Für mich hat dieses Paar eine hohe Bedeutung.

Du bist dritte in der sechsten Staffel der schwedischen Version von DSDS geworden. Von den anderen beiden vor dir hat man hierzulande nie etwas gehört. Dein erster Song hier „Call my name“ war 2011 ein großer Radiohit. Was hast du anders gemacht, als die anderen beiden?
Ich glaube mein Vorteil war, dass ich nicht gewonnen habe. Die Gewinner sind ja laut Vertrag dazu verpflichtet nach ihrem Sieg sofort Musik zu veröffentlichen. Als Drittplatzierte musste ich das nicht machen und habe mir sogar recht viel Zeit genommen. Ich konnte mir genau überlegen, was ich da eigentlich machen wollte. Ich konnte ein richtiges Album machen und musste nicht irgendetwas zusammenbasteln, nur damit irgendwas veröffentlicht wird. Ich denke auch, dass viele, die bei diesen Castingshows mitmachen, denken, dass ihre Arbeit getan ist, wenn sie die Show gewonnen haben oder mindestens in die Top 5 gekommen sind. Das ist aber total falsch. In Wahrheit geht es da erst richtig los. Ab da musst wirklich hart arbeiten und kämpfen, denn in diesen Shows geht es nicht wirklich um Musik. Du wirst dadurch bekannt, aber du hast musikalisch noch nichts bewiesen.

Was hast du für dieses Jahr geplant?
Ich mache gerade eine Minitour durch Europa. Im Mai toure ich dann drei Wochen durch die USA. Wir touren mit einem Bus durch Amerika, von Küste zu Küste. Darauf freue ich mich riesig. Im Juni kommt dann das Album. Den Sommer über sind wir dann auf Festivals. Ich bin jetzt schon total aus dem Häuschen, weil ich habe einfach mal fast drei Jahre an dem Album gearbeitet und jetzt kann ich es live vor ganz vielen Leuten spielen und touren. Das macht mich wirklich sehr glücklich.

Fotos: SonyMusic, klatsch-tratsch.de/Hannah Aspropoulos