Freitag, 08. Mai 2015, 16:15 Uhr

Filmkritik: "Die abhandene Welt“ mit Katja Riemann

Seit gestern ist der neue Margarethe-von-Trotta-Film „Die abhandene Welt“ in den Kinos. Sophie Kromberger (Katja Riemann, 51, „Fack ju Göte“, „Türkisch für Anfänger“) ist Sängerin, semi- bis gar nicht erfolgreich.

Filmkritik: "Die abhandene Welt“ mit Katja Riemann

Ihr neuester Nebenberuf ist sowas wie eine Hochzeits-Trauungs-Rednerin: sie trifft im Vorfeld Braut und Bräutigam und fragt so Sachen, die voll aus der Kalten ins Schwarze treffen. Dafür hat Sophie ein Händchen, für die Fragen an ihr eigenes Leben ist sie nicht so treffsicher.

Sophies Vater, Paul Kromberger (Matthias Habich) kommt nicht mehr zur Ruhe, seitdem er auf der Homepage des amerikanischen Top-Opernstars Caterina Fabiani (Barbara Sukowa, 65, “Hannah Ahrendt”) ihr Foto gesehen hat. Das Porträtfoto sieht seiner verstorbenen Ehefrau Evelyn nämlich zum Verwechseln ähnlich. Paul drängt seine Tochter, diese Sängerin aufzusuchen und sie zu befragen. So beginnt Sophies Reise.

Filmkritik: "Die abhandene Welt“ mit Katja Riemann

Erst äußerlich in eine andere Welt, nach New York, wo Caterina lebt und gerade mit Probenarbeiten zu einem Abend mit Liedern von Schubert probt, u.a. das Lied „Die abhandene Welt“. Nach anfänglichem Austausch von Schroffheiten (Barbara Sukowa ist hinreißend als Diva), nimmt die Reise eine andere Form an: es geht hinab in schlingernden Kurven in die innere Welten von familiären Zugehörigkeiten. Im Zentrum steht das Geheimniss von Frauen, das sich schon über zwei Generationen unbewusst und doch extrem schmerzhaft auf alle Beteiligten auswirkt und nun endlich Stück für Stück gelüftet wird.

Die beiden Hauptdarstellerinnen sorgen – gemeinsam mit Karin Dor als alzheimerkranker Adoptivmutter – für anrührende Momente. Dennoch wird daraus keine wirklich bewegende Geschichte.

Katja Riemann ist zu sehr mit ihrer recht absehbaren Lovestory zu einem New Yorker Musikmanager (Robert Seeliger) beschäftigt, als dass sie seelische Verletzlichkeit zeigen könnte. Und am Schluss schlägt der Plot eine so abenteuerliche Volte, dass es nicht nur die beteiligten Familienmitglieder aus der Bahn trägt.

Filmkritik: "Die abhandene Welt“ mit Katja Riemann

Auch die quasi als roter Faden eingewobene Liebe zur Musik, die alle Frauen eint, vermag die Enden nicht zusammenzubringen. So darf Katja Riemann, daheim als Barsängerin geschasst, recht überraschend in einem angesagten New Yorker Jazzclub auftreten. Sukowa, als Opernsängerin in der Met mit der “Norma” noch etwas überfordert, erklärt immerhin mit ihrer melancholischen Interpretation eines Mahler-Lieds den poetischen Titel des 100-Minuten-Dramas – “Ich bin der Welt abhanden gekommen”. (Katrin Wessel, ada Weigelt, dpa)

Fotos: Concorde