Samstag, 09. Mai 2015, 14:40 Uhr

AC/DC von 75.000 Fans in Nürnberg bejubelt

Alt, aber sicher nicht leise: Die legendäre Hardrockband AC/DC dreht auch nach mehr als 40 Jahren im Showgeschäft noch voll auf. Zwei Stunden lang rocken die Australier zum Auftakt ihrer Deutschlandtournee am Freitagabend in Nürnberg die Menge – und 75 000 Fans jubeln ihnen auf dem Zeppelinfeld begeistert zu.

Gleich mit dem ersten Lied geben die Jungs die Richtung des Abends vor: “Rock or Bust” (Rocken oder Kaputtgehen). Es ist der Titelsong ihres neuen Albums, das Ende vergangenen Jahres erschien und wie gewohnt von schnellen Gitarrenriffs und einem rumpelnden Beat geprägt ist. Neben neuen Stücken spielt die Band live auch zahlreiche Klassiker, darunter “TNT”, “Hells Bells” und natürlich “Highway to Hell”.

Fünf Musiker stehen auf der Bühne, aber nur zwei davon im Rampenlicht: Sänger Brian Johnson mit seiner unverwechselbaren Falsettstimme sowie Leadgitarrist Angus Young, der wie immer sein Markenzeichen trägt: eine Schuljungen-Uniform. In knallrotem Jackett mit kurzer Hose und passender Krawatte, weißen Strümpfen und einem dicken Pflaster auf dem Knie erinnert Young auf diese Weise daran, dass er als Jugendlicher die Schule schmiss, um sich fortan der Musik zu widmen.

Und das außerordentlich erfolgreich: Mit mehr als 200 Millionen verkauften Alben weltweit gilt AC/DC als eine der ganz großen Bands der Musikgeschichte. Gegründet wurde sie 1973 von Angus und seinem Bruder Malcolm. Auf dieser Tournee ist Malcolm erstmals nicht mehr dabei: Der 62-Jährige leidet an Demenz und ist deshalb im Herbst endgültig aus der Band ausgeschieden. Stattdessen spielt Stevie Young, ein Neffe der beiden Gründungsmitglieder, die zweite Gitarre.

Mehr zu AC/DC: Phil Rudd gesteht Morddrohung

Noch einer aus der Stammbesetzung fehlt auf der Bühne: Schlagzeuger Phil Rudd. Er muss sich aktuell in Neuseeland wegen Morddrohungen und Drogenbesitzes vor Gericht verantworten. Nach einem Geständnis wurde er bis zur Urteilsverkündung Ende Juni gegen Kaution freigelassen. Das Aufmerksamkeit erregende Verfahren ist nicht der einzige Kummer, den Rudd seinen Bandkollegen machte.

Schon bei den Aufnahmen zum neuen Album gab es eine Menge Ärger, wie Angus Young in einem Interview geschildert hat. Auf der aktuellen Tournee drischt nun Chris Slade auf das Schlagzeug ein, neben ihm steht Langzeit-Bassist Cliff Williams.

Den Routiniers merkt man keine der Umwälzungen an. Vor allem Angus Young gibt alles, tobt mit seinen 60 Jahren über die Bühne als gäbe es kein Morgen. Die licht gewordenen Haare kleben ihm am Gesicht, Schweiß strömt über den nackten Oberkörper, und dennoch hüpft und rennt und springt er ohne Pause – und spielt selbst noch zappelnd auf dem Rücken liegend sein Solo fehlerfrei weiter. Young fordert die Fans immer wieder zu noch mehr Jubel auf, badet in der Aufmerksamkeit und genießt die Stimmung: “High Voltage” als Lebenselixier von AC/DC. (Elke Richter, dpa)