Samstag, 09. Mai 2015, 16:08 Uhr

Prenzlschwäbin mischt das Netz auf: Hier spricht Youtube-Star Bärbel Stolz

Bärbel Stolz (38) ist die Youtube-Überraschung des Jahres: Als Prenzlschwäbin nimmt der frischgebackene Youtube-Star sämtliche Berliner Hipsterschwaben- und Prenzelberg-Mutti-Klisches selbstironisch auf die Schippe. Und das kommt an!

Prenzlschwäbin mischt das Netz auf: Hier spricht Youtube-Star Bärbel Stolz

Ihre Clips, die mit Schwaben-Power, Biobratlingen und Lavendel-Hibiskus-Eis rund um den Berliner Prenzlauer Berg vollgestopft sind, wurden bereits mehrere hunderttausend Mal geklickt. Bärbel Stolz ist aber keine Unbekannte, der ein oder andere dürfte die zweifache Mutter aus Sendungen wie „Verliebt in Berlin“ oder „Türkisch für Anfänger“ kennen. klatsch-tratsch.de-Reporter Dennis hat sich mit der sympathischen Schauspielerin ganz hipster-Like auf eine Matcha-Latte getroffen.

Wie kam dein Prenzlschwäbin-Kanal zustande?
Es wird im TV immer mehr mit Mundart gemacht und ich wollte mich als schwäbisch sprechende Schauspielerin zeigen. Ich wollte etwas in meinem Heimatdialekt aufnehmen und etwas anderes machen, als nur eine reine Vorstellung. So kam es dann zum ersten Integrationskurs für Schwaben in Berlin (lacht). Das kam super an und wir haben dann beschlossen das weiter zu machen.

Hast du mit diesem Erfolg gerechnet?
Das war genauso geplant und ist genauso aufgegangen (lacht). Nein, ich glaube so einen viralen Erfolg kann man gar nicht planen. Das passiert einfach. Wir haben immer daran geglaubt, dass es sich durchsetzen und ein breites Publikum finden wird, dass es so knallt … Das hätten wir nicht gedacht. Das war drei Monate nach der Geburt meiner Tochter und wir wollten eigentlich ganz langsam anfangen. Aber die Videos haben so eingehauen. Seitdem brennt hier echt die Luft.

In deinen Videos spielt teilweise auch Jochen Schropp mit. Wie kam es dazu?
Er ist einer meiner besten Freunde. Wir kennen uns schon seit über zehn Jahren. Wir haben ihn einen Tag bevor wir gedreht haben zufällig getroffen und da haben wir ihn spontan gefragt, ob er mitmachen will. Er hat sich die Texte angeguckt, die fand er großartig und dann war er dabei.

Was kann man auf schwäbisch besonders gut?
Klugscheißen! (lacht)

Hast du da einen besonderen Satz im Kopf?
„Des ‘kört andersch!“ (lacht) Dann geht es los: „Des isch kei’ Fahrradweg!“.

Welches Vorurteil über Schwaben nervt dich?
Das Vorurteil, dass sie sich in Berlin breitmachen, um die anderen zu verdrängen. Ich halte das für ein großes Missverständnis. Die Schwaben, die hier hergekommen sind und die ich hier treffe, die empfinde ich als neugierig, weltoffen und freundlich. Die sind auch nicht darauf aus hier ein neues Stuttgart zu errichten und die Berliner raus zuhauen. Ganz im Gegenteil. Die mischen sich eigentlich gerne unter das Volk.

Und welches Vorurteil stimmt?
Die Schwaben trennen ihren Müll. Zumindest die meisten, die ich kenne.Es ist eigentlich ganz witzig: Die Dinge, über die sich die Leute in Berlin besonders bei Schwaben aufregen sind eigentlich ziemlich preußisch (lacht). Ich glaube, dass da vielleicht so Eigenheiten aufeinandertreffen, die Berliner an sich nicht besonders doll finden, die ihnen aber bei Schwaben besonders ins Auge stechen.

Woher nimmst du die Ideen für deine Videos?
Ich laufe viel mit dem Notizbuch herum und erlebe viele Sachen im Kleinen. Beispielsweise die Sache mit dem Eis. Da war ich mit Jochen Schropp – der übrigens der Patenonkel meines Sohnes ist – in der Eisdiele und er liegt auf einmal schreiend auf dem Boden und fragt mich: „Hörst du dir eigentlich selber zu?! Du fragst deinen Zweijährigen ernsthaft, ob er Karamell-Fleur De Sel-Eis haben will“ (lacht). Ja, das schmeckt ihm. Da dachte ich mir: ‘Super, das ist doch schon mal eine Geschichte’. Ich schreibe aber auch mit meinem Bruder – der Autor ist – zusammen und wir werfen uns dann auch immer ganz schön die Bälle zu.

Wie hat sich dein Leben seit dem Hype verändert? Kannst du noch im Prenzelauer Berg sehen lassen oder musst du fürchten von Ökomuttis mit exotischen Eissorten bombardiert zu werden?
(lacht) Ich hatte tatsächlich anfangs ein bisschen Schiss. Ich wusste nicht wie die Muttis im Prenzlberg reagieren und ob die das auch lustig finden. Ich bin erst so ein herumgeschlichen und habe so ein bisschen geguckt. Ich begegne aber so vielen netten Menschen, die sind immer total fröhlich und herzlich. Das Feedback der Schwaben war übrigens auch echt positiv. Die können wirklich über sich lachen, was ich sehr schön finde. Es gab aber allgemein auch ein paar beleidigte Kommentare, aber diesen Menschen unterstelle ich, dass sie einen anderen Humor haben und ich sehe es auch nicht als meine Aufgabe, diesen Leuten den Witz oder die Satire an sich zu erklären.

Prenzlschwäbin mischt das Netz auf: Hier spricht Youtube-Star Bärbel Stolz

Hast du auch schon jemanden kennengelernt, dessen Kind – wie in deinen Videos – tatsächlich Wikipedia heißt?
Nein, aber das gibt es wohl wirklich. Irgendjemand hat mir erzählt, dass der Name jetzt wohl genehmigt wurde. Ich kenne auch kein Kind, das Xenia-Adelheid heißt, aber es gibt die seltsamsten Namenshäufungen. Absurderweise sind wir auch nicht frei davon. In meiner Generation werden jetzt wieder die alten Namen modern. Mein Sohn heißt Karl, meine Tochter Louise und das sind Namen, die hört man jetzt auch nicht mehr selten auf dem Spielplatz. Die kommen von den Großeltern und so benennen aktuell viele ihrer Kinder.

Serien-Junkies erinnern sich noch an dich als Yvonne Kuballa in der Telenovela „Verliebt in Berlin“ mit Alexandra Neldel …
Ja, „Verliebt in Berlin“ war für mich mehr oder weniger der Einstieg ins Fernsehen. Ich hatte davor vor allem Theater gespielt und da habe ich echt eine Menge gelernt. Mit einigen Darstellern aus der Serie habe ich noch heute engen Kontakt.

Apropos Fernsehen: Liebäugelst du damit die Prenzlschwäbin ins TV zu bekommen?
Damit liebäugele ich sehr. Ich möchte dazu auch noch nicht so viel sagen, aber es gibt schon erste Gedanken in diese Richtung. Wir haben da auch schon so ein paar konkrete Ideen, aber das ist noch Zukunftsmusik. Wenn es sein muss, dann kann sie auch Ermittlerin werden (lacht). Man bekommt ja den Eindruck, dass alle neuen Serien sich momentan irgendwie in diesem Metier bewegen oder es sind Krankenhausserien (lacht).

Welches Abenteuer würdest du die Prenzlschwäbin in ferner Zukunft gern erleben lassen?
Frau Schäuffele auf Weltreise! Das wäre großartig (lacht).

Fotos: klatsch-tratsch.de/Hannah Aspropoulos