Samstag, 16. Mai 2015, 18:14 Uhr

Tiefschwarz: Die Elektrokönige plaudern über "Left" und mehr

Am 29. Mai wird ‘Left’, das neue Album von Tiefschwarz veröffentlicht. Ali und Basti Schwarz beweisen seit 1998 als Tiefschwarz ihr unverwechselbares Gespür für den Zeitgeist. Sie schaffen eine Sehnsuchtsmusik, die den Clubrahmen sprengt und so melancholisch wie sexy ist. Sie befeuern den Dancefloor und blicken gleichzeitig weit über ihn hinaus.

Tiefschwarz: Die Elektrokönige plaudern über "Left" und mehr

Auf ihrem vierten Album trifft hedonistischer House auf Pop. Mit dem Produzenten und Sänger Khan sind Ali und Basti seit den 90ern freundschaftlich verbunden.  Durch ihren neuen, kongenialen Weggefährten bekommt das Projekt Tiefschwarz ganz neue Glamour-Untertöne Ob klassischer Crooner, oder Diva. Der Frankfurter mit türkisch-finnischen Eltern gehört zu den profiliertesten und wohl auch exaltiertesten deutschen Technopionieren. Durch Khans Texte und Gesangsstil wird die Ambivalenz der Tiefschwarz-Musik auf dem neuen Album so deutlich wie nie.

klatsch-tratsch.de-Elektro-Expertin Geraldine hat sich mit Ali und Basti auf eine Plauderei getroffen.

Ihr habt jetzt Euer viertes Album fertig, wo habt Ihr das produziert?
In unserem Studio in Berlin, wir haben ungefähr ein Jahr daran gearbeitet. Es wird aber nicht über unser eigenes Label veröffentlicht, sondern über Watergate Records.

Viele Labels versuchen, die Künstler zu lenken. Wie ist das bei Euch?
Wir waren immer schon ein eigenständiger Act. Wir wurden nie gelenkt, wir haben gelenkt – und das hat immer funktioniert.

Ihr habt Gigs auf der ganzen Welt. Ist es nicht manchmal etwas anstrengend, immer in Partylaune zu sein? Habt ihr nicht manchmal Momente, wo ihr den Freitagabend lieber gemu?tlich mit einer Pizza und einer DVD verbringen würdet?
Es kann schon mal sein, dass man mit schlechter Laune oder anderen Befindlichkeiten in den Club geht, aber da schaltet man den Profiknopf an und zieht es durch. Das kann jedem passieren.

Denkt ihr manchmal, ihr ha?ttet lieber einen anderen Beruf gewählt, wo man ein “normales” Leben führt?
Nein, wir fu?hren ja ein normales Leben (beide lachen) in unserem eigenen Kosmos. Selbst wenn es noch so anstrengend ist, wir haben echt einen Traumjob. Die Frage ist, was man daraus macht, wie wir die Balance halten und wie weit man sich den “Temptations” der Nacht hingibt. Letztendlich sehen wir die Welt und werden dafür auch noch bezahlt, etwas Schöneres gibt es eigentlich nicht. Die Arbeit im Club ist übrigens auch nicht stressig. Stressig sind das Reisen, ewige Wartezeiten. Da hat man echt das Gefühl, dass man für das Reisen an sich bezahlt wird, denn das Auflegen im Club ist für uns das Bonbon. Manchmal träumen wir beide von ein wenig Ruhe auf einem Bauernhof in Brandenburg (beide lachen). Wer weiß wohin es uns verschlägt? Dort sollte jedenfalls ein Studio im Keller sein …

Tiefschwarz: Die Elektrokönige plaudern über "Left" und mehr

Wodurch habt ihr Euch bei eurer neuen Platte ‘Left’ inspirieren lassen?
Das kam einfach aus uns heraus. Natürlich wird man auch inspiriert durch die Musik, die man auflegt. Und durch Dinge aus dem täglichen Leben, mit denen man sich auseinandersetzt. Und wir haben ja auch noch eine riesige Plattensammlung, die man in solchen Momenten “durchho?rt”.

Ihr habt die Musik zu der Riesenshow ‘The Wyld’ gemacht, das im Friedrichstadt-Palast auf dem Programm steht.
Wir haben schon die Musik für das vorletzte Stück gemacht. Wir kennen Berndt (Berndt Schmidt, Intendant vom Friedrichstadtpalast, Anm.) sehr gut. Er hat uns nochmal angesprochen, weil in der neuen Show der “Club”-Aspekt eine wichtige Rolle spielt. Es war ein lustiges Experiment. Obwohl es doch massentauglich sein musste, waren wir echt happy, wie frei wir in unserer Gestaltung sein durften. Es gab gewisse Vorgaben und Besprechungen und mit diesen gingen wir ins Studio. Zu der Zeit, als wir produzierten, gab es noch kein Stück. Man bekam Bilder und z.B. eine Tanzsequenz als Inspiration – und dann legt man los.

Was darf man sich dieses Jahr von euch noch alles erwarten?
Jetzt läuft gerade die Promotour, dann wird das Album veröffentlicht und danach kommen unsere Live-Acts wie Melt- und Sonar-Festival. Am 12. Juni haben wir im Berliner Watergate einen Gig.

Tiefschwarz: Die Elektrokönige plaudern über "Left" und mehr

Wie sieht Euer perfektes Zukunftsszenario aus?
Bauernhof (beide lachen), 1,3 Milliarden mit einem Bauernhof.

Wie stellt man sich einen DJ in Rente vor?
Mit einem Hörrohr (beide lachen). Vielleicht mit einem anderen Aufgabenfeld in dem Bereich, aber so weit denken wir noch nicht. Wahrscheinlich eben doch der Bauernhof (wieder lachen). Einfach so lange machen, dass man von 20 oder 30 Jahre jüngeren nicht ausgelacht wird.

Das ist ja auch so ein Thema, Ihr mischt ja bei sehr jungen Leuten mit, als DJs, Produzenten und natu?rlich dem Publikum. Ist das manchmal schwer?
Das ist das Tolle, dass heutzutage das Thema mit dem Alter durch ist. Die Leute kommen einfach wegen unserer Musik und solange wir das bedienen können, spielt das Alter keine Rolle. Ein Problem hätten wir erst, wenn unser Publikum uns peinlich fände – oder wir uns selbst. Unsere Musik ist zeitlos, die funktioniert oder eben nicht.

Ihr arbeitet schon seit vielen Jahren erfolgreich zusammen, gibt es da manchmal Spannungen?
Klar, es wäre komisch, wenn nicht. Es ist sehr wichtig, dass man sich alles sagt und ein gesunder Streit ist nie fehl am Platz.

Fotos: Watergate, klatsch-tratsch.de/Hannah Aspropoulos