Mittwoch, 20. Mai 2015, 22:05 Uhr

Mia: Hier spricht Mieze Katz über das neue Album und ihren Freund

„Biste Mode“ heißt das sechste Album der Elektropopband Mia, das diesen Freitag erscheint. Und es war keine einfache Geburt! Im Band-eigenen Proberaum im Osten von Berlin erzählte uns Sängerin Mieze Katz von ihrer neuen Liebe, einem wohlmöglichen Nummer-1-Hit und ihrer Einstellung zum Eurovision Song Contest.

Mia: Hier spricht Mieze Katz über das neue Album und ihren Freund

Mieze, das neue Album ist recht clubtauglich. Waren Sie viel unterwegs?
Wir haben Konzerte gespielt, während wir die Songs aufnahmen. Da willst du auch, dass die Leute tanzen. Du willst ja auch selber tanzen. Aber es ist wunderbar, wenn es so rüberkommt.

Inwiefern hat Sie Ihre neue Liebe beflügelt?
Wenn du liebst, geht ja alles. Dann kann man Berge versetzten. Ich kam also in den schwierigsten Band-Phasen mit der Einstellung in den Proberaum: Alles ist wunderbar. Dann guckten mich drei Gespenster an und sagten: Wie bitte?“ Aber es war wichtig, dass da ein Schmetterling reingeflogen kommt und sagt: „Das kriegen wir alles hin.“ Ich habe dann auf die melancholischte Musik einen Liebestext geschrieben.

Wo haben Sie Ihren Freund kennengelernt?
Ganz klassisch vor einer kleinen Bar in Mitte. Es war so spät, dass es schon wieder hell war. Und dann hat er mich nach Hause gebracht. Wir sind losgelaufen, und irgendwann hat er gefragt: „Wo wohnst du eigentlich?“ Hätte ja auch Marzahn sein können! Aber da habe ich schon gedacht: Das ist ein Guter!

Mia: Hier spricht Mieze Katz über das neue Album und mehr

Hat er seinen Song „Einmal mehr“ schon gehört?
Ja, als wir in Thailand waren. Ich hatte ihm vorher schon davon erzählt. Mir fiel es leichter, ihm meine Zuneigung über den Text mitzuteilen als es direkt auszusprechen. Wenn ich verliebt bin, dann geht mit Worten nichts – ich habe dann wirklich Probleme zu sprechen. Das ist total bekloppt.

Aber mittlerweile ist das anders zwischen Ihnen?
Ja, wir haben das miteinander Sprechen mittlerweile etabliert.

In dem Titelstück „Biste Mode“ steckt jede Menge Berlin, oder?
Das ist absolut ein Berlin-Stück! Es ist das erste Lied, in dem ich berlinere. Wir haben dabei so ein innerliches Bild gehabt von der Alt-Berliner-Szene und den Kneipen und Bars, in denen sie zusammenkommt. Dort, wo jeder hindarf, denn jeder ist gleichgut. Wo der Barkeeper dir das Gefühl gibt, erst mal ankommen zu dürfen. Da steht dann auch ein bisschen die Zeit still. Und ich finde, dass wir diesen Spirit auch musikalisch gut eingefangen haben.

Der Song fällt aus der Zeit!
Für mich ist er jetzt schon die inoffizielle Mia-Hymne! Ich könnte losheulen, wenn ich dieses Lied singe, weil es Melancholie und Glück vereint. In dem Stück heißt es „Doch zu Mia kannste immer wieder kommen“ – und das ist wirklich so.

Mia sind aber immer noch eine Szene für sich.
Man könnte sagen: Mia sind weder Mainstream, noch Underground. Aber das stimmt nicht! Wir sind Mainstream und Untergrund! Wir sind Fisch und Fleisch. Wir haben uns noch nie bewusst für eine Seite entschieden. Gerade mit der neuen Platte haben wir uns vergegenwärtigt, dass wir einfach sind wie wir sind. Und das nicht durch Abgrenzung, sondern durch Öffnung. Soll ich den einen cooler finden, weil der ein Punker ist und den anderen blöd, weil er einen Anzug trägt? Nicht mit mir!

Hätten Mia Bock auf einen Nummer-1-Hit? Der fehlt ja noch in Ihrer Biografie!
Was ist denn das für eine Frage? Wer hätte das nicht, außer vielleicht Andreas Kümmert!

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Mia haben 2004 selbst mit „Hungriges Herz“ am Deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest teilgenommen.
Und wir wären auch zum Finale gefahren! Wir hätten uns jedenfalls nicht für den Vorentscheid angemeldet, wenn wir Zweifel gehabt hätten, ob wir das am Ende wirklich machen wollen.

„Biste Mode“ ist ein alter Berliner Ausdruck für „auf dem Kieker haben“. Das passt zu Ihrer Band, denn sie hat mit solchen und anderen Aktionen auch immer wieder polarisiert.
Aber unser Umgang mit dem Gegenwind hat sich sehr verändert. Als „Was es ist“ 2003 erschien, bekamen wir das erste Mal ganz massiv negatives Feedback von der Presse – und da waren zum Teil auch Falschmeldungen dabei. Bis zu dem Zeitpunkt war die Presse für mich unangreifbar, das hat sich heute relativiert. Mittlerweile empfinde ich Gegenwind als Inspirationsquelle, der gehört anscheinend zu uns. Aber so lange es zwischen uns Vieren stimmt, ist alles gut. Letztendlich hätte es sonst das lustigste Mia-Video der Welt nicht gegeben. Es ist doch toll, wenn etwas nicht destruktiv bleibt, sondern man daraus etwas Konstruktives macht.

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Sie sprechen über das Video zum Song „Nein! Nein! Nein!“, in dem sie auch Ihre Jurytätigkeit bei DSDS aufgreifen. War es seinerzeit nicht schwer erträglich, sich die frauenfeindliche Kommentare von Mitjuror Kay One anzuhören?
Ich habe es nicht als meine Aufgabe empfunden, ihn zu erziehen. Mich hat interessiert, wie Fernsehen auf diesem Niveau und in dieser Größe funktioniert, wie die Strukturen sind und was das noch mit Musik zu tun hat. Das war für mich Theorie, eine Episode in meinem Leben. Aber nach jeder Sendung konnte ich ja wieder zu meinen Jungs in den Proberaum zurückkehren – das ist mein Leben!

Stimmt es, dass das Album eine Schwerstgeburt war?
Wir mussten nach fünf Alben, die wir immer pünktlich abgegeben hatten, das erste Mal eine Plattenveröffentlichung verschieben. Da fängt du schon mal an zu zweifeln und fragst dich: „Ist das noch der richtige Beruf für mich?“ Das Lied „Berg & Tal“ ist auf jeden Fall ein schönes Überthema für das Album. Erst hast du jahrelang das Gefühl, nichts gemacht zu haben, und dann hast du plötzlich etwas geschaffen, was du liebst. Es ist also trotz der schweren Geburt ein geliebtes Kind.

Was hat Sie denn geplagt?
Erwartungen nicht gerecht zu werden, es nicht wert zu sein, nicht gut genug zu sein. Das ist auch etwas, was ich inhaltlich in „Sekunde“ aufgreife – das Gefühl, dass alles an dir zieht. Da gibt es den Druck von innen und von der Industrie, deinem Label, dem Management. Aber dann merkst du irgendwann, dass du die Leute liebst, mit denen du arbeitest. Und daraus entsteht viel Kraft. Deshalb war das Album auch so eine tolle Identitätsfindung und ein Besinnen darauf, wofür Mia brennen.

Interview: Katja Schwemmers. Fotos: H.Flug