Dienstag, 26. Mai 2015, 20:48 Uhr

Hermes Phettberg: Der große Verstörer kommt ins Kino

Der österreichische Schauspieler, Kolumnist, Autor, Moderator, der gescheiterte Pastoralassistent, der bekennende schwule Sadomasochist, kurz gesagt, das Gesamtkunstwerk Hermes Phettberg, der schon immer sein Leben, seine Exzesse und sein Leiden an sich und der Welt schonungslos offen thematisierte, gibt hier Einblick in sein derzeitiges Dasein.

Hermes Phettberg: Der große Verstörer kommt ins Kino

Phettberg, “Der Elende aus Gumpendorf” (Die Zeit) hat irritiert und verstört und bleibt trotz seines Verfalls ein charismatischer, einzigartiger „Scheiterhaufen“ (wie er sich selbst bezeichnet) geblieben, der sein langsam vergehendes Leben täglich im Internet und in seiner wöchentlichen Kolumne im Wiener Stadtmagazin ‘Falter’ dokumentiert und als bekanntester Sozialhilfeempfänger Österreichs um sein Überleben kämpft.

Am 2. Juli kommt seine Geschichte ‘Der Papst ist kein Jeans-Boy’ endlich auch in die deutschen Kinos. Sobo Swobodnik zeigt diesen täglichen Kampf eines einstigen Stars, der zu einem bevormundeten Außenseiter wurde – mit drei Schlaganfällen, einem Herzinfarkt, extremer Blasenschwäche und einem unglaublichen und unbändigem Willen weiter zu leben – als schwer eindrucksvolles Passionsspiel in Schwarz-Weiß.

“Ein stiller, in Momenten verstörender Film, der den Zuschauer mit einem manchmal nicht leicht auszuhaltenden Protagonisten konfrontiert, der gerade durch seine grotesken Deformierungen und eigenwilligen Obsessionen den Zuschauer wiederum damit konfrontiert, was es eigentlich bedeutet, als Mensch, der man ist, geliebt zu werden und einen Platz in der Gesellschaft gefunden zu haben”, heißt es dazu bei kinozeit.de.

Und der ‘Kurier’ aus Österreich schreibt: “In ästhetischen Schwarz-Weiß-Bildern setzt Sobo Swobodnik dem einstigen Kult-Moderator der ‘Nette Leit Show’ (siehe Video ganz unten) ein zärtliches Denkmal. Ein Film, der einen trotz allem schmunzeln lässt.”

Hermes Phettberg: Der große Verstörer kommt ins Kino

In der Jurybegründung für den Max-Ophüls-Preis heißt es u.a.: „Der Film erschließt ein kleines Leben für die große Leinwand. Sein Protagonist ist zwar ein ehemaliger Medienstar, aber an die schnellen Verwertungsketten zwischen Kino und Fernsehen ist er kaum noch vermittelbar. Der Film versucht sich nicht in textreichen Befragungen. Wie sein Protagonist vertraut er auf Intuition und Intensität, auf Bilder, Töne, Wahrnehmungen und darauf, dass sich zwischen diesen Bildern und jenseits dieser Töne noch ganz andere Wahrheiten und Erfahrungen auftun. Wir freuen uns sehr, dem Filmemacher Sobo Swobodnik diesen Preis für sein berührendes, mutiges, radikales Menschen- und Phettberg-Porträt ‘Der Papst ist kein Jeans-Boy’ überreichen zu dürfen. Es gibt in diesen Tagen viel zu wenige Filme wie diesen. Möge er im Kino ein großes Publikum finden.“

Unser Farbfoto zeigt Phettberg zu seinen Glanzzeiten Ende der 1990er Jahre mit dem damaligen stellvertretenden RTL-Wien-Programmchef Erik Carl Frederik.

Hermes Phettberg: Der große Verstörer kommt ins Kino

Hermes Phettberg: Der große Verstörer kommt ins Kino

Hermes Phettberg: Der große Verstörer kommt ins Kino

Hermes Phettberg: Der große Verstörer kommt ins Kino

Fotos: W-film/ Guerilla Film Koop. Berlin, Privat