Freitag, 12. Juni 2015, 16:29 Uhr

Album-Tipp: Die großartige Melody Gardot und "Currency Of Man"

Als man das letzte Mal von Melody Gardot hörte, hatte sie gerade eine halbe Weltreise absolviert und den für sie typischen Sound mit neuen exotischen Aromen gewürzt. Auf ihrem neuen Album ‘Currency Of Man’ nimmt uns Melody auf eine ganz andere musikalische Reise mit. Und die ist wieder mal großartig!

Album-Tipp: Die großartige Melody Gardot und "Currency Of Man"

Diesmal hat sie keine neuen, fernen Orte besucht, sondern ist für musikalische Inspiration in der Zeit zurückgereist. Die Texte ihrer Songs zeugen dabei allerdings von einem Sozialbewusstsein, das fest im Hier und Jetzt verwurzelt ist.

Mit ihren funky Bassrhythmen und Retro-Soul-Bläserarrangements, dem euphorischem Gospel-Chorgesang und den esoterischen Orchestrationen sind die Songs von ‘Currency Of Man’ die Antithese zu allem, was man bisher von der heute 30-Jährigen kennt. Die neue musikalische Linie, die uns in die späten Sechziger und frühen Siebziger zurücktransportiert, wird die konservativeren Fans der Sängerin sicher erst einmal stutzen lassen. Denn eine solch heiße und zugleich souveräne Melange aus Soul und Funk hätten sie der zarten Melody Gardot wohl kaum zugetraut.

Mit ihrem vierten Studioalbum wagt die Künstlerin einen mutigen Neustart. Bekannt wurde sie 2006 mit dem dezenten, rauchigen Klavier-Jazz ihres Debütalbums ‘Worrisome Heart’. Diesem folgte 2009 das von Larry Klein produzierte Erfolgsalbum ‘My One And Only Thrill’, das einen leicht tropischen Einschlag hatte und sich 1,5 Millionen Mal verkaufte. Auf ‘The Absence’ verarbeitet Melody Gardot 2012 schließlich Eindrücke, die sie bei Reisen nach Argentinien, Marokko, Brasilien und Portugal gesammelt hatte. Ihren Sound bereicherte sie dabei um Elemente von u.a. Samba, Tango, Bossa Nova, Fado und Calypso.

Für die Aufnahmen von ‘Currency Of Man’ tat sich Melody Gardot nun erneut mit Produzentenlegende Larry Klein (Joni Mitchell, Herbie Hancock, Madeleine Peyroux) zusammen. “Beim Schreiben der Stücke für dieses Album habe ich völlig neue Erfahrungen gemacht. Es war ein reflektierender, kollektiver Prozess. Weniger persönlich und mehr beobachtend”, erläutert Gardot.

Album-Tipp: Die großartige Melody Gardot und "Currency Of Man"

“Die Geschichten, die ich erzähle, wurden in keinster Weise zensiert. Sie sind eine Stellungnahme. Es geht nicht um Liebe oder Verlangen und auch nicht um Phantasien… Es geht um das Leben und die Leute, die es führen – in diesem Moment”, sagt sie. “Ich denke, dass es unsere Aufgabe als Künstler ist, unsere Brille aufzusetzen und die Welt genau zu betrachten. Und wir müssen uns fragen, ob wir das, was wir da sehen, einfach hinnehmen können. Nachdem ich einige Zeit in Los Angeles [das Album wurde dort aufgenommen] verbracht hatte, wollte ich die Songs den Leuten widmen, die ich auf der Straße getroffen hatte und die ihr Leben am Rande der Gesellschaft fristen.”

Die filmreifen Orchestrationen für das Album stammen von dem jungen französischen Arrangeur Clément Ducol. “Die Art, wie Clément für Streicher schreibt, finde ich ausgesprochen Französisch”, sagt Larry Klein. “Der Stil erinnert mich an Gemälde von Impressionisten und einige Sachen, die Debussy komponiert hat.”

Die Bläserarrangements, die Straßenszenen in Songs wie “She Don’t Know” illustrieren und Melodys Sound eine neue Dimension verleihen, schrieb der Veteran Jerry Hey, der mit seinen brillanten Arrangements schon fünf Grammys gewann. “Wir haben eine knallige Bläsersektion und diese filmischen, irgendwie existentialistischen Streicherarrangements”, stellt Melody Gardot fest. “Es ist ein Œuvre, in dem Larry und ich die ‘elektrische Seite’ der Songs entdecken. Das ist etwas, das ich noch nie zuvor gemacht habe… Wir erkunden hier viel Neues. Und es tut einfach gut, etwas Neues zu machen.”

“Dieses Album handelt davon, welchen Wert wir in dieser Welt haben”, sagt Melody Gardot über ‘Currency Of Man’, “und auch davon, dass jeder – unabhängig von seinem Status, seiner Herkunft oder Hautfarbe – einen Zweck erfüllt. Larry und ich wollten von Anfang an, eine Art Film in der Musik machen. Es ist kein gewöhnliches Projekt. Wir wollten, dass der Hörer sich mit geschlossenen Augen ein Bild vom Leben der Leute machen kann, die uns zu diesen Geschichten inspirierten… und ich glaube, das ist uns gelungen.”

Album-Tipp: Die großartige Melody Gardot und "Currency Of Man"

Fotos: Universal Music/Franco P Tettamanti