Samstag, 20. Juni 2015, 18:55 Uhr

Sind Cookachoo das nächste große Hip-Hop-Ding?

In Amsterdam gibt es nicht nur Tulpen, Holzschuhe oder putzige Moderatorinnen a la Sylvie Meis, sondern auch Newcomerbands, die etwas zu sagen haben. Anne-Fay, Riquel und Rebin machen schon seit mehr als drei Jahren zusammen Musik.

Sind Cookachoo das nächste große Hip-Hop-Ding?

Zusammen nennen sie sich Cookachoo und sind gerade dabei, mit ihrer elektronischen Musik die Undergroundclubs der Oranjes zu erobern. Bereits zum zweiten Mal in Folge wird das freakige Dreiergespann beim Milkshake Festival in Amsterdam auftreten, welches als wichtiger Indikator für aufstrebende Bands mit Zukunft gilt. klatsch-tratsch.de-Autor Dennis hat sich mit dem sympathischen Trio über Männer in High Heels, nackte Mädels im Backstagebereich und Schülerinnen mit Blasendruck unterhalten.

Was bedeutet eigentlich euer Bandname?
Anne-Fay: Das ist eine Sache, die wir uns mal irgendwie zusammengesponnen haben und danach fanden, dass es cool klingt. Als wir den Namen mal gegoogelt haben, haben wir gesehen, dass die Beatles in einem Song das mal gesungen haben und dies im Film „Findet Nemo“ die alte Schildkröte mehrmals „Cookachoo“ ruft. Es kommt also aus keiner natürlichen Sprache. Für uns bedeutet der Name Freiheit und Spaß. Jeder kann sich das Wort gerne so übersetzen, wie er möchte.

Wie habt ihr euch kennengelernt?
Anne-Fay: Wir sind von Hause aus alle Tänzer und haben uns bei einer Show auf Aruba kennengelernt. Das war so 2010 und wir haben da zusammen für ein Jahr in dieser Show getanzt, die ziemlich verrückt war. Das war so ein total abgefahrener Mix aus Moulin Rouge, Michael Jackson und ein paar anderen Dingen. Wir haben schnell gemerkt, dass wir auch einer Wellenlänge sind.

Vor wenigen Tagen ist eure Mini-EP „Lou Lou Lou Lou Lou“ rausgekommen. Was muss man darüber wissen?
Anne-Fay: Der Name stammt von einem Teil aus einem bisher unveröffentlichten Song von uns. In diesem Song geht es darum, dass man sich nicht zu sehr von der Außenwelt in das, was man machen möchte, reinreden lassen darf. Manchmal hilft es einfach, sich die Finger in die Ohren zu stecken und ganz laut wie ein kleines Kind „Lou Lou Lou Lou Lou“ vor sich her zu singen (lacht). Wir fanden das ganz cool und haben die EP so genannt. Dieser besagte Song kommt aber erst im Herbst raus.

Riquel: Die Aufnahmen waren für uns alle aufregend und sehr spannend, weil wir uns auch dabei menschlich noch besser kennengelernt haben und als Band natürlich den Sound, den wir machen. Wir haben im Studio sehr viel experimentiert und dadurch sind komplett neue Dinge entstanden.

Wie würdet ihr eure Songs innerhalb eines Tweets beschreiben?
Anne-Fay: Oh, da muss ich mich echt kurzfassen. Bei uns geht es sehr viel um Freiheit. Unser Song „Teacher“ war ursprünglich nur Spaß. Eine Freundin von mir arbeitet als Lehrerin auf St. Martin, einer Insel in der Karibik und ein kleines Mädchen hat sie mal gefragt: „Frau Lehrerin, darf ich bitte auf die Toilette?“. Auf englisch und mit diesem karibischen Akzent klingt das echt voll süß und dieser Satz ist mir immer wieder im Kopf herumgespukt. Aus Spaß haben wir das im Studio mal aufgenommen und daraus entstand dann ein ganzer Song. Wow. Das war wohl mehr als ein Tweet (lacht).

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Passt schon…
Anne-Fay: Na, wenn das so ist … (lacht). Dann erkläre ich noch kurz wofür „Pushi Bobo“ steht. In der Sprache, die auf Aruba gesprochen wird, bedeutet das so viel wie „Zwei dumme Katzen“ und das war das WLan-Passwort in unserem Hotel dort. Daraus haben wir dann auch einen Song gemacht. Mit den zwei dummen Katzen meinen wir zwei Mädchen, die auf Loverboys hereingefallen sind. Das ist also ein ziemlich hartes und immer aktuelles Thema. Wir haben den Song aber nicht todtraurig gestaltet, sondern eher mit düsterem Humor ausgestattet. „The bold curve“ ist eine Ode an den weiblichen Körper.

Rebin: Dazu muss man aber auch wissen, dass Anne-Fay wirklich beeindruckende Kurven hat. Sie wird von Typen extrem oft auf ihren drallen Po angesprochen (lacht). Dabei fallen oft ziemlich unverschämte Worte und wir haben uns überlegt einen Song zu machen, der Hintern schmeichelt und sie nett umschreibt.

Wenn man euch sieht, fällt einem sofort auf, dass Mode und Sytling ein sehr wichtiger Teil eurer Band sind …
Rebin: Ja, das ist richtig. Wir sind drei total unterschiedliche Typen und wir sind von sehr von unserer Umwelt geprägt. Wir bringen viel aus unseren unterschiedlichen kulturellen Hintergründen mit. Meine Eltern stammen aus dem Irak, Die Familie von Anne-Fay setzt sich aus Surinam, China und einigen anderen Ländern zusammen. Das ist schon ein guter Mix und der spiegelt sich oft in unserem Styling. Das ist aber natürlich nicht alles, jeder von uns hat so seine modischen Vorlieben. Riquel liebt große Hüte oder ich trage gerne Highheels.

Anne-Fay: Wir machen uns über unser Styling schon Gedanken. Unseren zweiten Auftritt hatten wir bei „Supertoys“, einer bekannten Partyreihe in Amsterdam. Passend zum Motto habe ich mir ein Outfit aus Kuscheltieren gemacht. Das Oberteil war ein BH aus einem Kuscheltier-Einhorn. Das war ganz lustig, weil ich mit diesem Kuscheltier in meiner Kindheit tatsächlich gespielt habe. Dieser BH ist echt richtig cool geworden.

Das klingt ziemlich freaky. Habt ihr auch so abgefahrene Lieblingsklamotten?
Rebin: Ich habe mir für einen Auftritt mal 40 cm High Heels zugelegt. Also unglaublich hoch. Mit denen versuche ich gerade zu tanzen beziehungsweise laufen zu üben. Die möchte ich unbedingt beim Milkshake Festival tragen.

Trägst du privat häufig High Heels, Rebin?
Rebin: Nein, ich trage sie nur für Shows. Manchmal wenn ich allein Zuhause bin, dann tanze ich mit denen ein bisschen, um zu üben. Es ist jetzt nicht so, dass ich gerne eine Frau wäre, ich finde einfach nur, dass Heels ein tolles Ausdrucksmittel sind, wenn es um Fashion geht.
Anne-Fay: Verstörend ist manchmal, dass er besser mit Heels laufen kann, als ich. (lacht)

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Habt ihr ein Ritual, das ihr vor jedem Auftritt macht?
Alle drei: Wir umarmen uns! (lachen)
Anne-Fay: Rebin ist Make-Up-Artist. Er zaubert mir vor jedem Auftritt ein unglaubliches Make-Up ins Gesicht. Vor einem Auftritt sind wir immer zusammen und kurz bevor es auf die Bühne geht nehmen wir uns in den Arm und wünschen uns eine gute Zeit. Spaß steht für uns an oberster Stelle und den wollen wir mit dem Publikum teilen.

Was würden mir eure Freunde über euch erzählen, wie ich sie nach ein paar Drinks in einer Bar treffen würde?
Riquel: Vermutlich, dass ich mich durch die Band zum Positiven verändert habe. Ich will nicht sagen, dass ich früher getrunken habe, aber ich war schon sehr viel unterwegs und das hat sich geändert. Ich konzentriere mich jetzt auf die Band.

Rebin: Meine Freunde würden dir erzählen, dass ich crazy bin, viel tanze und das ich ziemlich wild bin. Beim Feiern bin ich für sie das Highlight: Ich trinke ich gerne, tanze wie ein Verrückter und gehe danach ganz brav nach Hause (lacht). Wenn sie gerne mit jemandem feiern, dann mit mir. In letzter Zeit kommt es aber kaum noch dazu, weil wir alle so wenig Zeit haben.

Anne-Fay: Wenn ich mit meinen Freunden auf ein paar Drinks rausgehe, dann werde ich eine sehr sarkastische Person. So bin ich normalerweise eigentlich eher nicht. Ich quatsche dann auch fremde Menschen an, was ich sonst auch nicht so mache. Da bin ich dann ganz schlimm. (lacht)

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Was braucht eine Nacht für euch, um zu einer dieser verrückten Nächte a la „Hangover“ zu werden?
Riquel: Ich würde sagen dieser Abend fängt schon mal mit Ginger Ale und Hennessy an und der Soundtrack dazu wäre „Bitch don’t kill my vibe“ von Kendrick Lamar.

Rebin: Ich bräuchte da eher Vodka Redbull und Mucke von Beyonce. (lacht) Es müsste wirklich irgendwas Süßes sein, weil ich eigentlich den Geschmack von Alkohol eigentlich nicht so mag.

Anne-Fay: Ich nehme einen Vodka on the rocks und am Ende des Tages würde ich mit meinen Freunden zu einem 90er Song toben. Anbieten würde sich da „Wannabe“ von den Spice Girls oder irgendwas von N’SYNC. (lacht)

Was habt ihr euch mit dem ersten Geld gekauft, das ihr mit eurer Musik verdient habt?
Anne-Fay: Ich habe mir sehr hohe, glitzernde High Heels gekauft.
Rebin: Ich habe mir noch höhere High Heels gekauft (lacht).
Riquel: Ich habe mir eine schicke Armbanduhr und ein Handy zugelegt.

Was war euer seltsamstes Banderlebnis?
Riquel: Wir sind mal bei einer Halloween-Party aufgetreten. Als wir Backstage waren kam plötzlich ein Mädchen, die von oben bis unten Blut verschmiert, beziehungsweise vermutlich nackt war, nur irgendwas blutiges auf ihren ganzen Körper geschmiert hat. Sie wollte kurz duschen und keine zwei Minuten später stand sie komplett sauber und nackt vor uns. Das war wirklich seltsam und ging mir vor allem viel zu schnell … (lacht)

Rebin: Für mich war es der Auftritt bei diesem Festival im Wald. Es war nachts und an sich total schön und cool gemacht, nur war die Bühne auf einem Hügel und es war sehr matschig und der Boden uneben. Ich hatte mal wieder High Heels an und bin damit ständig im Boden stecken geblieben und ein paar mal fast hingefallen. Das muss unfreiwillig komisch ausgesehen haben (lacht).

Was steht für das restliche halbe Jahr an?
Anne-Fay: Wir treten in wenigen Wochen auf dem Milkshake Festival in Amsterdam auf. Darauf freuen wir uns schon riesig, denn letztes Jahr wurde unser Song von ihnen zum offizieller Festivalsong auserwählt. An sich ist das auch eines unserer Lieblingsfestivals. Wir sind den ganzen Sommer unterwegs aufs Festivals. Ende des Jahres kommt dann noch ein neues Album. An dem arbeiten wir momentan. Gerade sind wir mit unserem Song „Paradies“ fertig geworden. Der Song hat ein sehr aktuelles Thema. Er handelt von Flüchtlingen, die sich über das Meer auf den Weg in ihr persönliches Paradies machen. Es berührt uns sehr zu sehen, was Menschen alles auf sich nehmen, nur in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Diesen Song widmen wir ihnen, denn durch das, was sie auf ihrer Reise alles durchstehen müssen, sind sie Helden für uns.

Fotos: Brian Krijgsman