Mittwoch, 24. Juni 2015, 14:53 Uhr

Hier schippert die Queen im Miniboot über die Spree

Jetzt hat er richtig begonnen, der Staatsbesuch der englischen Queen Elizabeth II. (89). Wie geplant ging es heute erst mal zum Bundespräsidenten. Für die Bootsfahrt hätte das Wetter etwas besser sein dürfen – doch die Gäste ließen sich die gute Laune nicht verderben.

Hier schippert die Queen im Miniboot über die Spree

Bei trübem Wetter traf die Queen mit ihrem Mann Prinz Philip (94) am Mittwochvormittag in Schloss Bellevue ein. Das royale Paar wird bis Freitag in Deutschland bleiben und neben Berlin auch Frankfurt am Main und die KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen in Niedersachsen besuchen. Es ist der fünfte Staatsbesuch der Queen in Deutschland.

Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt begrüßten die ganz in Weiß gekleidete Monarchin und ihren Mann, die im Hotel Adlon am Brandenburger Tor übernachtet hatten. Sie war am Dienstagabend in Berlin eingetroffen. Hunderte Schaulustige bereiteten der Queen am Straßenrand bei britisch-bedecktem Wetter einen begeisterten Empfang. Eine Militärkapelle spielte die britische Hymne “God Save the Queen” und die deutsche Nationalhymne. Die beiden Besucher trugen sich ins Gästebuch des Bundespräsidialamtes ein und tauschten Geschenke mit dem Bundespräsidenten aus, auf dessen Einladung sie offiziell in der Bundesrepublik sind.

Bei der anschließenden Unterredung, die etwas länger dauerte als geplant, dürfte es auch um das in Großbritannien geplante Referendum über den Verbleib des Landes in der Europäischen Union gegangen sein. Premierminister David Cameron will versuchen, in der EU Reformen auszuhandeln. Das Volk soll dann bis spätestens Ende 2017 darüber abstimmen, ob das Land in der Gemeinschaft bleiben möchte. Cameron will Großbritannien nach eigener Darstellung in der EU halten. In seiner konservativen Partei gibt es aber einen starken EU-kritischen Flügel.

Die Queen hat Gauck ein Buch aus dem 19. Jahrhundert mitgebracht, die “Briefe eines Verstorbenen” von Hermann Fürst von Pückler-Muskau. Der Bundespräsident schenkte Elizabeth II. neben Lübecker Marzipan das Gemälde “Pferd in Royalblau” der Künstlerin Nicole Leidenfrost, das die Pferdeliebhaberin als kleine Prinzessin im Sattel zeigt. Die anschließende Unterhaltung der beiden Staatsoberhäupter dauerte etwa eine halbe Stunde und damit etwas länger als geplant.

Nach dem Gespräch machten sich die Queen, Prinz Philip, Gauck und Schadt zu Fuß auf den Weg zum Bootsanleger auf der Spree. Im Schiff “Ajax”, das wie die Queen Jahrgang 1926 ist, fuhren über den Fluss – begrüßt von vielen Schaulustigen am Spreeufer. Bisher hatte Gauck noch keinen Staatsgast in so enem kleinen Boot über die Spree begleitet. Während der Bootsfahrt winkten die vier immer wieder der Bevölkerung zu. Gauck gab im Stehen den Stadtführer.

Die Fahrt war bewusst als Gelegenheit für die Berliner geplant, die Royals zu sehen. Es ist der Queen nach offiziellen Angaben wichtig, dass möglichst viele Menschen einen Blick auf sie werfen können.

Im Anschluss war ein Treffen der Queen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt geplant. Danach will die Königin einen Kranz in der Neuen Wache niederlegen. Nach einer Mittagspause besucht sie am Nachmittag dann die “Queen’s Lecture” an der Technischen Universität – eine Vortragsreihe zu ihren Ehren. Abends gibt es schließlich ein festliches Bankett zu Ehren der Königin im Schloss Bellevue.

Am Donnerstag fliegt Elizabeth II. mit Gauck nach Frankfurt/Main. Am Freitag besucht sie die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide. Es war im April 1945 von britischen Soldaten befreit worden.

Fotos: WENN.com