Samstag, 27. Juni 2015, 19:16 Uhr

Das wars: Andy Borg über die Zukunft des "Musikantenstadl"

Der österreichische Sänger Andy Borg, der heute abend zum letzten Mal den ARD-‘Musikantenstadl’ moderiert, sieht für die Sendung keine rosige Zukunft. “Ich glaube nicht, dass es den ‘Stadl’ in der jetzigen Form in zehn Jahren noch geben wird. Nicht wegen der neuen Moderatoren, sondern weil man dem Druck der Veränderung nicht standhalten kann”.

Das wars: Andy Borg über die Zukunft des "Musikantenstadl"

Das sagte der 54-Jährige der ‘Neuen Osnabrücker Zeitung’ (Samstag). Er habe er sich in den vergangenen Jahren Reformen nicht völlig versperrt, sagte Borg. “Wir haben zum Beispiel immer wieder überlegt, ob wir möglicherweise nur an einem Ort produzieren, um die Kosten zu senken. Den Wunsch nach einer Doppelmoderation habe ich allerdings abgelehnt.”

UPDATE 28. Juni 2015: Das war der letzte  Musikantenstadl mit Andy Borg

Heute um 20.15 Uhr präsentiert Borg seine letzte Ausgabe der Volksmusikshow, die schon seit mehr als drei Jahrzehnten läuft. Nach der Sommerpause übernehmen seine Nachfolger Francine Jordi aus der Schweiz und Alexander Mazza aus Deutschland.

Große Worte wird es von ihm keine geben, sagte Borg im Europa-Park in Rust bei Freiburg im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Servus will Borg musikalisch sagen. Die Sendung kommt live aus Pula in Kroatien.

Das wars: Andy Borg über die Zukunft des "Musikantenstadl"

Sie müssen den ‘Musikantenstadl’ abgeben, weil die Sendung jünger werden soll. Gehen Sie im Zorn?
Es ist eine bittere Pille, die es zu schlucken gilt. Aber ich habe die Kündigung ja nun schon eine Weile in der Tasche. Und die Zuschauer wissen auch schon länger, dass ich gehen muss. Wir werden das Beste daraus machen. Es wird meine Abschiedsshow beim Stadl, aber mit Sicherheit keine Trauerveranstaltung. Die Stimmung will ich mir nicht vermiesen lassen. Das wäre auch nicht schön fürs Publikum.

Mit welchen Gefühlen gehen Sie in Ihre letzte Sendung?
Besonders emotional und schwierig war die vergangene Sendung im März in Oberwart in Österreich. Meine Kündigung war damals ganz frisch. Am Tag der Sendung wurde der Erfinder des Stadl, Karl Moik, beerdigt, der zwei Tage zuvor gestorben war. Und ausgerechnet als ich am Ende der Sendung dazu etwas sagen und ihm die letzte Ehre erweisen wollte, gab es einen Sendeausfall. Das war eine Berg- und Talfahrt der Gefühle. Im Team haben wir danach gemeinsam Abschied gefeiert. Da sind natürlich auch Tränen geflossen, selbst bei den harten Jungs vom Bühnenbau. Die haben mich in den Arm genommen und waren so traurig wie ich. Jetzt ist die Sache klar und die Emotionen sind geordnet.

Werden Sie Abschiedsworte finden?
Ich bin Sänger mit Herz, Leib und Seele. Deshalb werde ich mich singend verabschieden. Ich sag es mit Musik. Und mit einem Lied, das mich seit 33 Jahren begleitet: Adios Amor. Mit ihm sage ich den Zuschauern Danke. Danach kommen nur noch der Abspann und die Eurovisionsfanfare. Und das war es dann.

Klingt ein wenig bitter?
Nicht wirklich. Dass es der nicht mehr ganz so junge, nicht ganz so große und nicht ganz so schlanke Andy Borg im Fernsehen soweit geschafft hat, ist doch eine schöne Bilanz. Und ein Zeichen, dass es auch Typen braucht im Showgeschäft, die nicht nur mainstream sind. Jung und hip alleine, das ist kein Erfolgsrezept. Daran sollten jene, die in den Sendern Verantwortung tragen fürs Fernsehprogramm, auch denken. Gerade ältere Menschen brauchen Sendungen, die für sie ein Stück Heimat sind. Das wird in unserer älter werdenden Gesellschaft zunehmend wichtig.

Und wie geht es für Sie weiter?
Ich bin Sänger von Beruf und habe gerade mein neues Album fertig. Mit ihm werde ich durch die Lande touren und auch weiterhin als Sänger in Fernsehshows zu Gast sein. Allzuviel ändern wird sich nicht. Es sind ja nur vier Wochenenden im Jahr, die ich nun zusätzlich habe, die sonst für den Stadl reserviert waren. Ich freue mich, dass die Menschen mich weiterhin sehen wollen. Denn es ist ein besonders treues Publikum. Es sind Zuschauer, die nicht hin- und herzappen, sondern echte und langjährige Fans sind. Es ist schade, wie man mit ihnen umgeht. Auch sie haben ein Recht auf Unterhaltung.

Können Sie sich vorstellen, im neuen Stadl als Sänger aufzutreten?
Wenn Sie jetzt so fragen: Nein. Dafür ist alles noch zu frisch. Aber ich halte es mit meinem alten Freund James Bond: Sag niemals nie.

ZUR PERSON: Andy Borg wurde am 2. November 1960 in Wien geboren, er lebt in der Nähe von Passau in Bayern. Nach einer Ausbildung zum Mechaniker wurde er 1981 vom österreichischen Fernsehen bei einem Talentwettbewerb entdeckt, seit Februar 1982 steht er als Volksmusik- und Schlagersänger auf der Bühne. Sein erster Titel war «Adios Amor», mit ihm kam er erstmals in die Hitparaden. Seit September 2006 moderiert Borg die ARD-Show «Musikantenstadl». Im Februar diesen Jahres teilten die beteiligten Sender mit, dass sie den Vertrag mit Borg nicht verlängern werden und es neue Moderatoren geben wird.

Fotos: BR/ORF/Badzic