Sonntag, 28. Juni 2015, 20:35 Uhr

Jonathan Jeremiah: Der Mann mit dem ganz besonderen Etwas

Jonathan Jeremiah sieht ein bisschen aus wie eine hipstereske Version von Jesus. Auch seine Stimme ist anders als das, was sich seit Jahren in den Charts tummelt. Dieser Mix kommt an: Der charismatische Lockenkopf mit dem kupferfarbenen Bart hat vor wenigen Wochen sein mittlerweile drittes Album „Oh Desire“ auf den Markt gebracht, das er den Sommer über auf diversen Konzerten und Festivalbühnen vorstellen wird. Tourstress pur.

Jonathan Jeremiah: Der Mann mit dem besonderen Etwas

Für das Interview mit klatsch-tratsch.de-Autor Dennis musste sich Jonathan aus dem Bett quälen und sprach noch leicht verschlafen und nach frischer Zahnpasta duftend über Fangeschenke in Form von Vitamin-C-Bomben, aufwendige Bartpflege, geklaute Gitarren und andere große Leidenschaften.

Hast du einen Bezug zu Deutschland?
Ja, seit CD Nummer eins komme ich regelmäßig nach Deutschland. Meinen ersten Auftritt hatte ich in Berlin im Magnet Club. Den werde ich nie vergessen. Das Publikum war großartig. Grundsätzlich würde ich auch sagen, dass es in Deutschland mit am meisten Spaß macht aufzutreten, weil die Leute da so mitgehen. Jedes Land hat seine Unterschiede. In Belgien sind die Leute beispielsweise ziemlich ruhig. Hier steigern sich die Leute richtig rein, springen herum und machen mit.

Vor Kurzem ist dein neues Album „Oh Desire“ auf den Markt gekommen. Was hat es mit dem Namen auf sich?
Das Album beschäftigt sich vor allem mit persönlichen Beziehungen. Mein Vater wurde in Indien geboren. Er ist Halbinder und er kam mit einem Boot nach London. Meine Mutter stammt aus Irland. Ich komme also aus einer Immigrantenfamilie und in England ist es so, dass es da immer sehr kritisch beäugt wird, wo die Leute so hinreisen oder wo sie herkommen. Ich weiß nicht, wie das in Deutschland ist, aber ich wünsche mir manchmal, dass wir so frei sind wie Vögel. Dass es keine Grenzen gibt und wir uns einfach treiben lassen können. In England ist es so, dass die Leute ihre Sachen für sich behalten und nicht teilen wollen. Es ist echt schwer für Menschen, die in dieses Land kommen, einen Job zu bekommen oder ihren Träumen zu folgen. Die derzeitige Situation bringt die Menschen nicht zusammen. Ich träume oft davon frei wie ein Vogel zu sein. Deshalb auch die ganzen Vögel auf dem Cover.

Das ist eine interessante Definition von „Verlangen“ …
Verlangen kann viele Gesichter und Definitionen haben und mein Album vereint diese Gefühle. Das kann das Verlangen sein nach der Frau, die ich liebe sein. Oder auch die Sehnsucht nach den Menschen, die wir verloren haben und die Gefühle, die wir haben, wenn so etwas passiert. Es kann dieser Wunsch und dieses Verlangen nach der Person sein, die uns durch diese Situation begleitet. Diese Menschen sind unser Antrieb.

Jonathan Jeremiah: Der Mann mit dem besonderen Etwas

Deine ersten beiden Alben haben sehr gute Kritiken bekommen. Hast du deshalb bei den Arbeiten am neuen Album unter Druck gestanden?
Naja, bei meinem ersten Album hatte ich noch nicht mal einen Plattenvertrag. Erst als es fertig war, habe ich einen Vertrag bekommen. Das Beste, was du machen kannst, ist einfach das zu versuchen, das zu dir gefällt. Wenn du deiner Leidenschaft voll und ganz folgst, dann garantiere ich dir, dass es irgendwo jemanden geben wird, dem gefällt, was du machst. Im Idealfall sind es eben ein paar mehr. Sobald du aber Trends hinterherjagst, oder dir überlegst, was im Radio landen könnte, wird die Sache etwas unehrlich und heute zu tage kann man es ziemlich leicht merken, wenn jemand unehrlich ist.

Hast du ein Ritual, das du vor jeder Show machst?
Ja, ich esse niemals vor einer Show! Sänger sind ein bisschen wie Sprinter, vor einem Lauf beziehungsweise einem Konzert ist das Letzte, was du in diesem Moment willst eine Lasagne zu futtern. Viele Bands gehen davor noch fett essen und trinken, aber ich könnte das nicht. Ich muss mich davor leicht fühlen. Deshalb verschanze ich mich vor einer Show im Tourbus, schalte alle Lichter aus, lege mich hin und höre Nina Simone.

Dann kommst du nach einer Show total ausgehungert von der Bühne …
Das kannst du aber glauben! Deshalb bin ich auch so dürr (lacht). Nach einer Show hast du dann so viel Adrenalin im Körper, dass du erst wieder zum Frühstück isst. Es ist wie eine Achterbahnfahrt vor und während der Show geht es hoch und dann ziemlich danach wieder runter.

Was hast du mit dem ersten Geld gekauft, das du mit Musik verdient hast?
Leider kommt dieses Geld ja nie am Stück, sondern immer total zerstückelt. Ich war noch nie wirklich scharf auf ein Haus oder ein Auto. Ich kann zwar fahren, mache das aber selten. Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für Musik und habe mit dem Geld alte Gitarren gekauft und habe in weitere Aufnahmen investiert. Ich weiß gar nicht, warum Leute immer denken, dass man ein Album macht und sich dann ein Haus oder so was kauft …

Jonathan Jeremiah: Der Mann mit dem ganz besonderen Etwas

Ich hätte jetzt eher darauf getippt, dass du deine Mutter mal richtig schick zum Essen eingeladen hättest …
Solche Sachen habe ich auch gemacht. Ich habe mir nie viel aus Geld gemacht. Heute ist das übrigens immer noch so. Meine erste Liebe war immer Musik und deshalb habe ich auch immer etwas in der Richtung gefunden, in das ich mein Geld gesteckt habe.

Deine erste Gitarre hast du aber gestohlen.
Ja, das stimmt. Damals war ich aber erst sechs oder sieben Jahre alt. Es war eine alte, verstaubte Gitarre aus der Schule. Ich wollte sie unbedingt haben und habe sie dann eines Tages in einem schwarzen Müllsack aus der Schule geschafft und bin mit ihr nach Hause gerannt. Sie Schule war immer gut zu mir und eines Tages werde ich ihr dafür etwas Gutes zurückgeben.

Apropos Gutes tun: Bekommst du außergewöhnliche Fan-Geschenke?
Ja, es gibt einen Fan aus Holland – wir nennen sie „Mangofrau“ – und sie bringt mir zu jedem Konzert eine frische Mangos mit. Sie ist dabei sehr gewissenhaft, denn sie bringt mir zu allen Konzerten in den Niederlanden frische Mangos mit. Sie ist wirklich sehr nett, aber das ist schon ein etwas seltsames Geschenk.

Na, wenn du schon vor und nach einem Konzert nicht isst …
Die denkt sich auch bestimmt immer: „Der Typ auf der Bühne sieht aus als ob er ‘ne Mango vertragen könnte“ (lacht). Überhaupt bekomme ich immer sehr viel Essen geschenkt: Frische Waffeln, lokale Schnäpse … die Leute sind immer sehr stolz auf ihr Land und bringen mir regionale Leckereien mit.

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Was war der abgefahrenste Spruch, den du bei einem Konzert auf einem Banner gesehen hast?
(Lacht) Ich schaue bei Konzerten wirklich oft in die Menge und frage mich, was die Leute da für Sachen schreiben. Vor allem beim Festivals. Ich glaube das Verrückteste war sowas wie: „Ich liebe deinen Bart“ oder „Bitte gib mir deinen Bart“.

Mit deinem Bart scheinst du die Damenwelt verrückt zu machen. Hast du für uns Männer einen Bartpflegetipp?
Ich sehe du hast wie sehr viele Männer gerade so einen kleinen Dreitagebart. In meinem Fall war es einfach so, dass ich schon immer sehr viele Haare hatte und mich styletechnisch immer sehr an den Siebzigern orientiert habe. Die Singer-Songwriter von damals hatten immer massive Bärte und das hat mir immer sehr gefallen. Ich rate also einen guten Conditioner und einen schönen Bart-Moisturizer. Ich habe einen ganz Guten. Der macht den Bart schön weich und wohlriechend.

Hast du dich schon mal selbst gegoogelt und Dinge über dich gefunden, von denen du gar nichts wusstest?
Nein, ich will mich auch gar nicht googeln. Wer weiß was die über mich schreiben … Ich lese auch keine Kritiken, Ankündigungen oder ähnliches, was mit mir zu tun hat.

Warum? Wovor hast du Angst?
Ich weiß nicht. Das fühlt sich einfach komisch an … Ich wollte auch noch nie wissen, was Leute von mir denken. Ich habe schon immer lieber das gemacht, was ich gerne mache. Ich glaube so ist es auch am besten, ohne sich ständig in Frage zu stellen.

Womit stürzt du am liebsten ab?
Ich bin immer für einen feinen Whiskey zu haben.

Was ist für 2015 noch geplant?
Puh, wir werden sehr viel touren und Konzerte und Festivals spielen. Ende des Jahres kommen wir dann wieder nach Deutschland. Darauf freue ich mich schon sehr.