Sonntag, 05. Juli 2015, 20:01 Uhr

Marla Blumenblatt: Von der Burlesque-Tänzerin zum Popstar

Marla Blumenblatt könnte man als eine elfenhafte Erscheinung im Sixties-Style mit einer ordentlichen Portion Pussycat Doll beschreiben. Auch soundtechnisch kann man ihre Liebe zu den Sechzigern nicht überhören. Marla ist einfach anders.

Marla Blumenblatt: Von der Burlesque-Tänzerin zum Popstar

Ihre Biografie klingt wie die Vorlage für einen Spielfilm: Aufgewachsen im Wiener Ghetto, später gefeierte Burlesque-Tänzerin in Paris. Mit ihrer neuen Platte „Sag einfach Ja“ will Marla jetzt die Charts erobern. klatsch-tratsch.de-Autor Dennis hat sich mit der hübschen Sängerin auf einen Drink getroffen.

Wozu sagst du „Ja“?
Zu Menschen mit einer positiven Lebenseinstellung, zu Mut, zu viel neuer Musik und zur Selbstverwirklichung von jedem einzelnen Menschen. Man sollte den Mut haben, seinen Träumen zu folgen.

Wozu sollte die Gesellschaft mehr „Ja“ sagen?
Zu Ausländern. Aktuell sieht man in ganz Europa, dass die Menschen Angst vor Zuwanderung und neuen Menschen haben. Ich kenne diese Problematik. Ich bin als Kind von Gastarbeitern aus dem Süden in Österreich aufgewachsen und war schon früh von Rassismus umgeben. Ich habe das sehr lange am eigenen Leib erfahren müssen, wie es ist, wegen seiner Herkunft ausgegrenzt zu werden. Die junge Generation ist dem gegenüber offener geworden und hat häufig die Mentalität: „Lasst uns helfen, denn es gibt Flüchtlinge von überall, denen es scheiße geht und die in ihrer Heimat oft einen guten Job hatten und aus gewissen Gründen da jetzt weg müssen. Lasst sie uns aufnehmen, habt keine Angst um euer Gut!“ Ich kann schon verstehen, wenn Menschen Angst haben, denn viele sind hier im Wohlstand aufgewachsen und wissen nicht, wie es ist, nichts zu haben. Viele haben dann Angst, dass ihnen etwas weggenommen werden könnte, egal ob es um Unterstützungen, den Job oder Steuergelder geht. Ich denke mir da immer: „Scheiß drauf, wo deine fucking Steuergelder hingehen, denn du tust etwas Gutes damit. Ich zahle so oder so Steuern und da ist es mir lieber, dass mit dem Geld Menschen geholfen wird, als das damit in Waffen investiert wird. Da sollte in ganz Europa ein Umdenken stattfinden, denn diese Menschen können unsere Gesellschaft sehr bereichern.

HipHop-Producer Psaiko.Dino hat einen Remix zu deiner Single „Sag einfach Ja“ beigesteuert. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande?
Psaiko und ich haben in der Vergangenheit schon so einige musikalische Experimente zusammen gemacht. Er hat meine EP schon vor allen anderen gehört und meinte, er würde gerne einen Remix machen. Er war da wirklich sehr ambitioniert, denn der Remix war schon wenige Tage nach unserem Gespräch fertig. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Kollabo bei einigen Leuten bestimmt auch aneckt, weil hier Sixties mit HipHop gemischt werden. Tatsächlich finden es auch viele ganz erfrischend, dass ich nicht rappe, sondern nur singe. Es ist ja schon fast wieder ein bisschen Oldschool: Er rappt die Strophe, sie singt die Hook. Eigentlich ist das voll süß, weil es irgendwie auch so ein bisschen neunziger ist (lacht).

In den Youtube-Kommentaren bin ich ein paar Mal über den musikalischen Vergleich zwischen dir und “Wir sind Helden” gestolpert. Wie siehst du solche Vergleiche?
Bei Wir sind Helden finde ich das gar nicht schlimm, sogar ganz im Gegenteil: Das war eine sehr erfolgreiche Band und Judith Holofernes ist einfach eine großartige Sängerin. Ich für mich kann da keinen Vergleich ziehen, aber ich fühle mich natürlich wahnsinnig geehrt, weil sie einfach unfassbar gute Texte schreibt.

Marla Blumenblatt: Von der Burlesque-Tänzerin zum Popstar

Youtube-Kommentare können echt unglaublich unterhaltsam sein. Die Kommentare bei dir sind ja größtenteils eigentlich ganz nett …
Größtenteils schon, aber ich habe auch ein paar richtige Hater. Ich denke aber, dass das ganz normal ist. Überall, wo gelobt wird, wird auch gehatet. Man muss einfach lernen damit umzugehen. Manchmal hat man echt schwache Tage, an denen es schwer auszuhalten ist und an denen man diesen Leuten am liebsten mal zurückschreiben würde. Da muss man dann schon versuchen das Ganze zu ignorieren oder einfach nicht zu lesen. Dazwischen sind aber auch immer die ganzen lieben Kommis, die geben einem echt viel Liebe und Hoffnung und machen die bösen Kommentare wieder wett.

Es ist ja mittlerweile echt unglaublich, was vor allem bei Rappern in den Kommentaren steht …
Definitiv. Früher war es so, dass, wenn einem etwas nicht gefallen hat, dann hat man das gedacht und dann war es auch wieder gut. Es hat sich in den letzten Jahren aber total verändert. Mittlerweile schreiben Leute auch wirklich alles, was sie denken. Sie bedenken aber nicht, dass das Internet eine Gedächtnismaschiene ist, die nichts vergisst. Sie sind dort mit ihren Daten aufgeführt und wenn man sie googelt, dann kann man sie komplett durchscannen und bekommt ein Profil von ihrer Person. Am Ende des Tages schaden sie sich damit selbst, denn es ist mittlerweile ziemlich gängig, dass Chefs oder Geschäftspartner Bewerber oder Arbeitskollegen googeln. Es gibt sogar schon Programme, die das machen. Es ist echt schlimm, denn sie sind sich dessen oft nicht bewusst, das sie sich das Leben selbst nur unnötig schwer machen.

Du bist in einem Wiener Problem-Kiez aufgewachsen. Inwieweit hat dich das geprägt?
Es hat mich sehr geprägt, denn wenn man schon von vornherein von der Gesellschaft sehr eingeschränkt wird, dann macht das etwas mit dir. Ich musste mir damals ständig Sachen anhören wie: „Du kannst nicht auf das Gymnasium, weil du Ausländerin bist“ oder „Wir können dich hier nicht aufnehmen, weil du kein Geld hast“ und mit diesen Aussagen wirst du auf deinen Platz verwiesen. Mir wurde schon von klein auf gesagt, wo ich hingehöre und zwar in die unterste Kaste. Mir war immer klar, dass ich diesen Leuten eines Tages mal zeigen würde, wie falsch sie damit liegen. Ich habe mit allen Mitteln versucht mich anzupassen, habe mir sogar die Haare blond gefärbt. Die Reaktion darauf: „Du hast eine Hakennase und du entsprichst nicht dem Schönheitsideal des Landes hier“. Mir wurde immer gezeigt, dass ich nicht dazugehöre und dass sich das auch nicht ändern wird. Wenn diese Nachricht irgendwann im Kopf angekommen ist, dann gibst du auch auf. Ich dachte mir dann irgendwann nur: „Fuck you! Ich gehe meinen Weg“. Es war wirklich sehr schmerzhaft, aber hat mich gleichermaßen auch sehr abgehärtet. Ich habe nächtelang geweint und mich dann irgendwann dazu entschieden das Land zu verlassen, weil ich positiv bleiben wollte. Das war tatsächlich das Richtige, denn überall, wo ich hinkam, wurde ich mit offenen Armen empfangen.

Marla Blumenblatt: Von der Burlesque-Tänzerin zum Popstar

Du warst beispielsweise in Paris, wo du im legendären Nightclub „Crazy Horse“ getanzt hast. Wie wichtig war diese Erfahrung für dich?
Für mich und meine Entwicklung war das sehr wichtig. Ich war früher schüchtern und eher in mich gekehrt, was durch mein jahrelanges Balletttraining sicher auch noch verstärkt wurde. Eine Ballettausbildung ist fast wie eine Militärausbildung (lacht). Dort lernt man zu gehorchen und es wird einem eingetrichtert, dass das, was einem gesagt wird, das Richtige ist. Paris war deshalb für mich eine sehr große Umstellung, da die Menschen dort sehr locker und extrovertiert sind. Es hat mir in Paris aber sehr gut gefallen und ich wollte unbedingt bleiben und dort tanzen. Deshalb habe ich beim Vortanzen auch nicht lange gezögert, als mir von der Jury gesagt wurde: „Jetzt zieh dich aus!“ Es hat mich natürlich viel Überwindung gekostet, aber in der Jury saßen auch nur Frauen, deshalb fand ich es auch gar nicht so schlimm. Ich habe dann das Engagement bekommen und sofort zugesagt, da das „Crazy Horse“ eine renommierte Adresse ist und einen großen Kultfaktor hat. Es ist auch unglaublich, wer dort alles ein und ausgeht. 50 Cent, Sharon Stone, Ciara … Also wirklich sehr elitär.

Die Shows dort sind sehr freizügig. Du musstest dort nicht umsonst im Tanga vortanzen. Was haben deine Eltern dazu gesagt. Haben sie die Show mal gesehen?
Mein Vater weiß es bis heute nicht. Ich habe ihm erzählt, dass ich in einem Cabaret gearbeitet habe. Gott sei Dank ist er nicht so internetaffin, deshalb wird er mich nie googeln. (lacht) Darüber bin ich echt froh, denn für ihn würde sicher eine Welt zusammenbrechen. Wir kommen vom Balkan und da geht so etwas absolut nicht.

Du hast dort auch mit Burlesque-Legende Dita Von Teese getanzt …
Ja, sie ist großartig und sehr nett. Sie ist eine Meisterin in ihrem Gebiet. Sie chillt in der einen Sekunde mit den krassesten Weltstars und in der nächsten Sekunde sitzt sie neben dir in der Umkleide und unterhält sich mit dir über Frisuren, Lockenwickler und wie man einen Mann richtig aufreißt. Sie ist ein richtiger Vamp. (lacht)

Fotos: Lupi Spuma, Philipp Scholz