Mittwoch, 08. Juli 2015, 18:00 Uhr

Kapellmeister der Engel: Abschied von James Last in Hamburg

Vor dem Michel in Hamburg ist eine Kupferplatte mit dem Namen “James Last” ins Pflaster eingelassen. Sie war ein Geschenk des Orchesters zum 70. Geburtstag des “Chefs”.

Kapellmeister der Engel: Abschied von James Last in Hamburg

Heute nahmen in der Kirche Verwandte, Freunde, Weggefährten und Fans beschwingten Abschied von dem Bandleader, Arrangeur und Komponisten, der am 9. Juni im Alter von 86 Jahren in seiner Wahlheimat Florida gestorben war.

Es war ein Abschied, wie ihn sich James “Hansi” Last gewünscht hatte. Die Blumen waren bunt, wie das Programm der unzähligen Konzerte seiner fast siebzigjährigen Bühnenkarriere. Neben den Ansprachen gab es viel Musik über die Genregrenzen, von Bach bis Beatles.

Kapellmeister der Engel: Abschied von James Last in Hamburg

Mehr als 1000 Menschen waren in den ehrwürdigen Michel geströmt. “Er liebte den Michel”, sagte Hauptpastor Alexander Röder, der schon die Trauerfeiern für Heidi Kabel und Siegfried Lenz hier zelebriert hatte. Einige hundert geladene Gäste nahmen an der Seite von Lasts Frau Christine und seiner Kinder Ronald und Katharina Abschied vom weltweit gefeierten Meister des “Easy Listening” und Erfinder des Big-Band-“Happy-Sound”; darunter Moderator Alfred Biolek, Komiker Otto Waalkes, Schlagerproduzent Ralph Siegel, Sängerin Katja Ebstein und der Komponist der “Winnetou”-Melodien, Martin Böttcher.

Hans Last wurde 1929 in Bremen geboren. Seine Familie war sehr musikalisch. «Unser Zuhause war die reinste Musikschule, ich brauchte sozusagen nur die Noten zusammenzukehren», schrieb Last in seiner Autobiographie “Non Stop Leben” (2006). Ganz so einfach war es aber dann doch nicht. Seine Klavierlehrerin sagte ihm: “Aus Dir wird sowieso nichts.”

Kapellmeister der Engel: Abschied von James Last in Hamburg

Was für ein Irrtum. Last arbeitete sich vom Heeresmusikschüler und Jazz-Musiker in den Kneipen der alliierten Besatzungstruppen bis zum Weltstar hoch. Sein Durchbruch waren die “Non Stop Dancing”-Platten, auf denen Last die Musik mit den Geräuschen von Partys unterlegte, die er mit Freunden im Studio veranstaltete. Die Plattenfirma sah eine internationale Karriere voraus und schrieb einfach “James” statt “Hans” Last auf das Cover. Kurios: In Deutschland wurde er zu James Last, in England nannte man ihn “Hansi”.

Und sein ganzes Leben blieb er offen für neue Musik, das Programm der Abschiedstournee im Frühjahr reichte von Bach bis Katy Perry. Er schrieb und arrangierte für Freddy Quinn und Elvis Presley und komponierte die “Traumschiff”-Melodie.

Kapellmeister der Engel: Abschied von James Last in Hamburg

“Wir nehmen Abschied von einem hanseatischen Weltbürger”, sagte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) über Last, der seit Jahrzehnten auch ein Haus in Hamburg hatte. “Das Fingerschnippen von James Last ist verstummt.” Und der Chef von Lasts Plattenfirma Universal Music, Frank Briegmann, sprach vom “größten Bandleader aller Zeiten”.

Viele Fans waren in die Kirche gekommen, auch aus England, den Niederlanden und Norwegen. “Farewell, Captain James”, schrieb einer in die Kondolenzbücher. Ein anderer: “Was für ein erfülltes Leben” oder “Deine Musik lebt ewig”. Hans Soethe war extra mit seiner Frau aus Bad Lippspringe angereist. 1983 hatte er Last und sein Orchester auf ein Gastspiel nach Irland begleitet. “Ein grandioser, ein äußerst großzügiger Mensch.”

“Er war ein ganz, ganz Großer”, sagte Siegel nach der Feier. Katja Ebstein ergänzte: “Und das nicht nur als Musiker. Er war der sozialste Mensch, den ich kannte.” Das lobte auch die Sängerin Ingrid Y. Arthur, die am Ende der Gedenkfeier das ergreifende “Amazing Grace” anstimmte. “Er wollte nicht der Star im Vordergrund sein. Er hat die Bühne mit uns geteilt.”

James Last werde begeistert sein, nun mit einem Orchester auf höherer Ebene zu musizieren, sagte Hauptpastor Röder aufmunternd. Und er zitierte den Satz eines Fans aus dem Internet: “Die Engel dürfen sich freuen, einen so wunderbaren Kapellmeister zu bekommen.” (Matthias Benirschke, dpa)

Fotos: Britta Pedersen, Axel Heimken