Donnerstag, 09. Juli 2015, 17:29 Uhr

Peter Zwegat: Der Gottvater der Schuldentilgung ist wieder da

Am Montag, 13. Juli 2015, starten bei RTL um 21.15 Uhr sieben neue Folgen “Raus aus den Schulden”. Auch in der bereits 12. Staffel berät der “Mann mit der Aktentasche” individuell und professionell Menschen, die mit ihren Schulden alleine nicht mehr fertig werden.

Peter Zwegat: Der Gottvater der Schuldentilgung ist wieder da

In einem exklusiven RTL-Interview berät Peter Zwegat nicht ohne Selbstironie auch uns Leser Und er erklärt (in Bezug aufs Immobilien-Spezial am 3. August), was Lieschen Müller und Paulchen Panther beim Häuserkauf beachten sollten. Nur zu Griechenland, zu Griechenland äußert er sich nicht…

Sie waren lange nicht mehr zu sehen. Freuen Sie sich auf die neuen Fälle?
Na klar freue ich mich. Die Zuschauer erwarten sieben neue Folgen. Davon sechs zum Thema Schulden und wie man damit umgeht. Und dann ein Immobilien-Spezial, in dem es nur um die Risiken beim Häuserkauf geht. Und ich finde es spannend, aber jeder Krämer lobt seine eigene Ware.

Welches sind die Top 3 der Ereignisse, die Menschen in die Schulden führen?
Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Scheidung, beziehungsweise Trennung vom Partner. Das sind die drei Hauptursachen neben vielen anderen kleinen Zwischenfällen des täglichen Lebens.

Wie viele Haushalte sind laut Statistik verschuldet?
Jeder zweite deutsche Haushalt ist verschuldet, mindestens. Es sind im Augenblick ungefähr 6 bis 7 Millionen Haushalte. Verschuldung ist ja nicht das Problem, Überschuldung ist das Problem. Überschuldet heißt faktisch Bankrott, oder auf dem Weg dahin oder schon darüber. Eine kurze Erklärung: Wenn wir beide jetzt abends in der Kneipe sitzen, Sie haben mich eingeladen, wollen dann bezahlen und haben kein Geld dabei. Der Rechnungsbetrag ist 50 Euro Dann fragen Sie mich, weil die EC-Karte auch nicht funktioniert, “Kannst du mir mal 50 Euro leihen?”. Die leihe ich Ihnen, weil ich Sie ja seit 100 Jahren kenne. Dann sind Sie bei mir mit 50 € verschuldet. Wo ist das Problem? Nächste Nacht treffen wir uns wieder und Sie geben mir 51 € und ein Küsschen auf die linke Wange und schon ist es in Ordnung. Sie sehen: die Verschuldung ist nicht das Problem, sondern die Überschuldung.

Können Sie den Begriff Überschuldung erklären?
Da sind wir wieder bei der unbezahlten Rechnung von Ihnen. Die ist gar nicht das Problem. Natürlich kann ich mir heute von Ihnen die 50 Euro leihen und Sie kriegen sie morgen zurück, aber das Leben verläuft eben in ungeordneten Bahnen. Und wenn die Schuldensumme zu hoch ist und mir dann irgendwas passiert, dann rutsche ich in die Überschuldung ab. Und das kann natürlich zu verheerenden Folgen führen, bis hin zur Obdachlosigkeit oder anderem. Negativeinträge in der Schufa führen dann dazu, dass ich unter Umständen keine neue Wohnung kriege oder dass es schwierig ist, einen Arbeitsplatz zu finden. Es kann sein, dass die Überschuldung dann so hoch wird, dass am Ende nichts anderes übrig bleibt als ein Insolvenzverfahren. Vielleicht bleibt nicht einmal das übrig. Ja, und dann ist so zusagen dicke Luft im engen Tunnel.

Was raten Sie Menschen, die in einer solch hoffnungslosen Situation auf Sie zukommen?
Hoffnungslos ist der Fall ja nicht immer. Ich sehe das auch nicht jedes Mal sofort und es bleibt noch das Insolvenzverfahren als letzter Ausweg. Aber wenn der Betroffene nicht begreift, dass er sein Verhalten verändern muss oder sich nicht an bestimmte Regieanweisungen hält, dann kann es natürlich komplett schief gehen. Am Baum klebt er ja schon fast, zumindest mit der Schnauze des Autos. Dann ist der Fall hoffnungslos, dann muss er die Suppe bis zum bitteren Ende löffeln. Die Beratung wäre unter Umständen auch beendet. Es hat in der Vergangenheit auch schon den einen oder anderen Fall gegeben, der letzten Endes abgebrochen wurde. Mein Fazit: Die meisten Fälle sind ja nicht hoffnungslos. Nur das Ergebnis ist vielleicht nicht so, wie es sich der Betroffene vor der Beratung gewünscht hat, weil es ein harter und weiter Weg bis nach oben ist.

Peter Zwegat: Der Gottvater der Schuldentilgung ist wieder da

Wie gehen Sie mit beratungsresistenten Leuten um?
Wenn sie beratungsresistent sind, ist die Beratung irgendwann beendet. Es kann aber auch sein, dass ich es von mir aus beende. Und zwar dann, wenn ich es mit zwei Leuten zu tun habe, die sich nicht einig sind oder die getrennt beraten werden wollen, was nicht geht.

Was ist Ihr Rezept gegen zu viel Konsum?
Behalten Sie den Überblick über Ihre Finanzen! Mein alter Lieblingsspruch: Leute kaufen mit Geld, das sie nicht haben, Sachen, die sie nicht brauchen, um Menschen zu imponieren, die sie nicht mögen. Gleichzeitig hat die Industrie ein Interesse daran, alles Mögliche auf Kredit zu verkaufen. Kaufe heute, zahle später. Das führt natürlich häufig dazu, dass die Menschen den Überblick verlieren. Also, wenn wir jetzt mal auf die neue Staffel eingehen: Es kommt u. a. auch ein Fall darin vor, wo nicht mal die 135 Euro für den Kauf einer neuen Brille übrig waren. 135 Euro sind viel Geld, wenn man es nicht hat, aber auch nicht so viel, dass man sagen kann, ich müsste eigentlich eine Brille im Wert von 135 Euro auf Kredit kaufen. D. h., derjenige ist schon lange am Ende der Fahnenstange angekommen und hat es immer noch nicht gemerkt. Es scheitert ja nicht an den 135 Euro, sondern irgendwann bricht das ganze finanzielle Kartenhaus zusammen wegen der Gesamtschulden. Die 135 Euro teure Brille ist das vielleicht das letzte Kärtchen, was ich ganz oben auf dieses Kartenhaus lege. Und dann kippt das Haus zusammen.

Peter Zwegat: Der Gottvater der Schuldentilgung ist wieder da

Wie sind Sie damals auf die Idee gekommen, in die Schuldnerberatung einzusteigen?
Naja, Schuldnerberatung ist ja heute und war auch damals, als ich angefangen habe, in erster Linie ein psychologisch/sozialer Berufszweig. In dem natürlich die Juristerei einen kleinen oder auch einen großen Anteil einnimmt, seitdem es das Insolvenzverfahren gibt. Ich war Sozialarbeiter, habe mich für das Berufsfeld interessiert, das damals relativ neu war. Und ich habe gefragt, ob ich die Stelle kriege und ich habe sie gekriegt und dass es mit mir ein schlimmes Ende nahm, sehen Sie heute daran, dass ich bei RTL bin (lacht).

Kommen wir zum Thema Immobilien: Die Zinsen sind seit Jahren niedrig und locken junge Menschen, sich lieber ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Gerade jetzt, wo die Zinsen niedrig sind, versuchen ganz viele Menschen und die Werbung natürlich auch, andere Menschen zu verführen, dass es doch eigentlich blöd ist, jetzt nicht zu kaufen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Das ist eine sehr forsche Aussage, wenn nicht sogar eine falsche. Denn um sich eine Immobilie zu kaufen, muss man bestimmte Grundvoraussetzungen haben, sonst kann das Ding eigentlich nur schief gehen. Das passiert ganz häufig und insofern würde ich denjenigen sowieso nie den Rat geben zu kaufen. Die Entscheidung muss jeder selbst treffen. Ich kann ja nicht sagen: “Gehen Sie über die Straße, es ist heute grün”. Sie laufen los und werden vom Auto angefahren, das fährt Sie um. Und dann sagen Sie anschließend zu mir: “Sie haben doch gesagt es ist grün”. Verstehen Sie, was ich meine? Schon die Annahme, dass eine Immobilie eine Wertanlage ist, ist ein sehr häufiger Irrtum. Erstens muss ich Eigenkapital haben. Zweitens muss ich mir sicher sein, dass ich auch für einen längeren Zeitraum gut oder besser oder gleich verdiene.
Vorhin waren wir bei Krankheit, Arbeitslosigkeit und Scheidung. Und dann muss ich mir gleichzeitig überlegen – und den Fehler machen sehr viele Leute – was bringt die Zukunft, wenn irgendwann die Kinder groß sind, die Familie drei oder vier Autos braucht, weil wir aufs platte Land gezogen sind, weil es da so vielbilliger ist. Dann müsste ich eigentlich auch überlegen, dass eine Heizung nur 20 Jahre hält und ein Dach vielleicht nur 20 Jahre. D. h. ich müsste gleichzeitig schon wieder Rücklagen bilden, damit ich in 20 Jahren, wenn das Haus in der Regel noch nicht abbezahlt ist, Geld habe, um das Dach neu zu decken. Diese Problematik wird häufig von vielen Leuten negiert oder nicht gesehen oder gesagt: “Es wird schon irgendwie klappen”. Das Haus heute kaufen, einziehen und die Raten finanzieren, plus Einrichtung, plus Nebenkosten, plus Weglegen für die Zukunft. Das macht häufig einen größeren Berg aus, als sich Lieschen Müller und Paulchen Panther vorstellen können.

Fotos: RTL, RTL/StefanGregorowius