Sonntag, 19. Juli 2015, 13:51 Uhr

Tickets gekauft und dann verhindert? So werden Karten wieder zu Geld

Viele kennen das ja: Man hat mit Glück noch Tickets für ein begehrtes Konzert ergattert und im letzten Augenblick kommt etwas dazwischen, das sich leider nicht aufschieben lässt. Besonders ärgerlich ist das, weil die meisten Tickets nicht gerade günstig zu haben sind.

Tickets gekauft und dann aber verhindert? So werden Karten wieder zu Geld

Es wäre schlicht und einfach Geldverschwendung die Tix für Shows wie z.B. Rihanna oder Beyonce, verfallen zu lassen. Manchmal findet sich noch kurzfristig ein dankbarer Abnehmer im Freundeskreis, doch was bleibt, wenn auch dort niemand Interesse zeigt? Darf man privat gekaufte Eintrittskarten weiterverkaufen, fragten uns Leser…

Ist es legal, privat Tickets weiterzuverkaufen?
Diese Frage hat der Bundesgerichtshof für Deutschland schon vor einiger Zeit offiziell in einem Urteil geklärt: Ja, es ist erlaubt. Man darf privat seine Veranstaltungstickets verkaufen. Diese Entscheidung gilt für alle Tickets und Eintrittskarten, die nicht personalisiert sind, weil sie jederzeit auf Dritte übertragbar sind — das bedeutet, dass immer genau die Person Zutritt zur Veranstaltung hat, die die Karte gerade besitzt. Wer der ursprüngliche Käufer war, ist absolut egal. Selbst Tickets, die man zuvor schon von jemand anderem privat gekauft hat oder geschenkt bekommen hat, darf man problemlos weiterverkaufen. Bei solchen nicht personalisierten Tickets darf der Herausgeber übrigens in Deutschland nicht verbieten, dass man sie privat weiterverkauft. Ab und zu schreiben Veranstalter so etwas zwar in ihre AGBs, aber für Privatpersonen haben solche Klauseln rechtlich normalerweise keine Bedeutung. Und auch Geldstrafen oder Hausverbote, wie sie manchmal zur Abschreckung in den AGBs stehen, können die Veranstalter nicht durchsetzen. Man geht also weder als Verkäufer, noch als Käufer kein Risiko ein, wenn man privat mit Veranstaltungstickets handelt.

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Doch Vorsicht: Immer mehr Veranstalter reagieren inzwischen auf dieses Urteil, indem sie personalisierte Tickets ausstellen. Bei solchen Karten, die eindeutig für eine bestimmte Person ausgestellt werden, ist der Weiterverkauf etwas komplizierter. Sobald also zum Beispiel ein Name aufgedruckt ist, sind sie erst mal nicht mehr übertragbar und gelten nur für diese eine Person. Manche Anbieter schreiben allerdings auf Anfrage auch bereits ausgestellte Tickets gerne auf einen neuen Namen um. Dann ist es trotzdem möglich, ein personalisiertes Ticket weiterzuverkaufen.

Gar nicht erlaubt ist nur der gewerbsmäßige Handel mit Tickets ohne Zustimmung der Veranstalter. Gemeint ist damit selbstverständlich aber nicht, dass man ab und zu privat ein paar Tickets anbietet, weil man krank ist, keine Lust mehr auf das Konzert hat oder plötzlich zur gleichen Zeit einen wichtigeren Termin hat. Als privater Verkäufer hat man normalerweise nichts zu befürchten, wenn man nicht gerade regelmäßig im großen Stil Konzertkarten verkauft, um damit Geld zu verdienen.

Wie teuer darf ich meine Tickets anbieten?
Wie darf man den Wiederverkaufspreis für sein Ticket gestalten? Die simple Antwort: Wie man möchte. Es ist in Deutschland absolut legal, seine übertragbaren Eintrittskarten teurer oder billiger als im Ticketshop zu verkaufen. Als Verkäufer darf man sich selbst überlegen, was jedes einzelne Ticket wert ist. Ob man also das Zehnfache vom Neupreis verlangt, weil das Event längst ausverkauft ist und andere sich darum reißen würden, oder ob man eine Karte zum halben Preis anbietet, damit sie sich möglichst schnell verkauft, ist reine Geschmackssache. Erlaubt ist diese freie Preisgestaltung aus gesetzlicher Sicht übrigens allein schon deshalb, weil man damit keine sogenannte Zwangslage ausnutzt: Bei Events wie Fußballspielen oder Festivals dabei zu sein ist zwar sehr schön, aber keine Notwendigkeit, und jeder Käufer kann selbst mit sich ausmachen, wie viel Geld ihm so ein Ticket gerade wert ist. (KTAD)

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